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Rosenkrieg in Bornheim: Hinter den Kulissen des FSV Frankfurt rumort es mal wieder gewaltig

Von In schweren Zeiten sollte man zusammenstehen. Beim Fußball-Regionalligisten FSV Frankfurt allerdings liefern sich aktuelle und ehemalige Funktionäre einen Kampf mit harten Bandagen.
Das Logo des FSV Frankfurt. Symbolbild: Imago Foto: imago Das Logo des FSV Frankfurt. Symbolbild: Imago
Frankfurt. 

Familiäre Atmosphäre, finanziell solide, sportlich erfolgreich: Lange Zeit war der FSV Frankfurt so etwas wie ein Vorzeigeclub, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz sogar acht Jahre lang hintereinander in der Zweiten Bundesliga hielt. Die scheinbar heile Fußball-Welt bei dem Verein aus dem Frankfurter Osten ist allerdings schon lange aus den Fugen geraten. Lange bevor am Bornheimer Hang die Misswirtschaft begann, die am 11. April dieses Jahres in der Insolvenz mündete. Und lange bevor der FSV innerhalb von zwei Jahren aus dem Bundesliga-Unterhaus in die viertklassige Regionalliga-Südwest abstürzte und in diesen Tagen nun reichlich Schlagzeilen der negativen Art produziert.

Lange Vorgeschichte

„Schlammschlacht am Bornheimer Hang“ titelte eine Frankfurter Zeitung und beschrieb den jüngsten Disput zwischen dem aktuellen und alten Präsidium, in den sich jetzt auch noch ein früheres Funktionärs-Schwergewicht der Bornheimer eingemischt hat. „Rosenkrieg in Bornheim“ wäre vielleicht die treffendere Beschreibung dafür, was sich im Moment beim FSV Frankfurt abspielt und im Grunde genommen eine lange, über 20 Jahre währende Vorgeschichte hat. Alle Beteiligten dieser Auseinandersetzung eint zunächst einmal ihre Sympathie für den „Sportverein“, wie der FSV von den älteren Frankfurtern genannt wird: Als da wären Michael Görner, der Präsident des FSV, sowie Vorgänger Julius Rosenthal, dessen langjähriger Stellvertreter Ludwig von Natzmer sowie Bernd Reisig, der bis zu seinem Rücktritt im Dezember 2010 beim FSV Frankfurt fast alle Posten bekleidet hat.

Und mit Reisig und von Natzmer beginnt diese Geschichte, die viel mit offenen Rechnungen, gekränkten Eitelkeiten und wechselnden Koalitionen zu tun hat. 1996 bewahren Reisig, der gerade das Präsidentenamt übernommen hat, und sein Vize von Natzmer den FSV vor der Pleite. Die beiden Funktionäre sind beste Freunde, bleiben dies auch nach dem Rücktritt von Reisig Ende der 90er Jahre, der von Carlo Kiefer als Präsident beerbt wurde. Der Jurist hielt sich allerdings nicht lange im Amt. Weil er mit dem damaligen Oberligisten einen drastischen Sparkurs fahren wollte, zogen Reisig, Görner und von Natzmer im Hintergrund die Strippen und zwangen Kiefer so zum Rücktritt. Sein Amt übernahm 2002 dann Görner, Reisig kehrte mit ihm als Manager an den Bornheimer Hang zurück und gewann fünf Jahre später den schon lange schwelenden Machtkampf mit Görner, der 2007 entnervt das Handtuch warf.

Sein Nachfolger wurde Julius Rosenthal, der gemeinsam mit Reisig, mittlerweile zum Geschäftsführer der neugegründeten GmbH des FSV aufgestiegen, die Bornheimer im Sommer 2008 in die Zweite Bundesliga führte. Mittendrin im Machtzentrum stand übrigens immer von Natzmer, der bis zu seinem Rücktritt im März dieses Jahres über 20 Jahre das Amt des Vizepräsidenten inne hatte.

Der frühere Besitzer eines Autohauses pflegte mit Reisig, der 2010 nach seinem verlorenen Machtkampf mit dem Frankfurter Sportdezernenten Markus Frank physisch und psychisch angeschlagen zurückgetreten war, wie der Rest des FSV-Präsidiums mittlerweile eine intensive Feindschaft. Der Grund war eine vertragliche Abmachung, die Reisig auch lange nach seinem Ausscheiden noch eine prozentuale Beteiligung an Verträgen mit Sponsoren zusicherte, die er dem FSV besorgt hatte.

In dieser Zeit, als sich Clemens Krüger zum alleinigen Geschäftsführer der FSV Frankfurt Fußball GmbH aufschwang und sie letztendlich in den finanziellen Ruin führte, wuchs wiederum Görners Einfluss auf das Präsidium. Görner, von Kindesbeinen an leidenschaftlicher FSV-Anhänger, half zuletzt immer wieder, Löcher im Etat zu stopfen, ehe er nach dem Rücktritt von Rosenthal und Co. am 23. März dieses Jahres neuer Präsidenten des ins Wanken geratenen FSV Frankfurt wurde und kurz danach Insolvenz anmelden musste.

„Unwürdiges Spektakel“

Den früheren Zweitligisten drückten Schulden von über drei Millionen Euro, neben Krüger lastete man dies auch dem Präsidium unter Rosenthal an, das seine Aufsichtspflicht gegenüber der Geschäftsführung zumindest grob vernachlässigt haben soll. Dies war nun der Grund für Görner, seinen Vorgängern vor dem jüngsten Heimspiel gegen Waldhof Mannheim den Zugang zum VIP-Raum zu verwehren und sogar ein Vereinsausschlussverfahren in Betracht zu ziehen (wir berichteten).

Was wiederum seinen alten Widersacher auf den Plan rief. Die neue Vereinsführung ziehe, so Reisig in seiner Botschaft an die Öffentlichkeit, ein „Schauspiel und unwürdiges Spektakel ab“. Statt sich um die Zukunft des FSV Frankfurt zu kümmern, werden, so der Vorwurf von Reisig, mit einer großen Portion Heuchelei von eigenen Unzulänglichkeiten abgelenkt und neue Nebenkriegsschauplätze eröffnet. Reisig, der in den vergangenen Jahren immer wieder betont hat, kein Amt mehr beim FSV Frankfurt anzustreben, bezeichnete Görner sogar „als Mann der alten Clique, der nahezu über alle Vorgänge aus dieser unrühmlichen Zeit informiert war“. Aber vielleicht beruhigen sich am Bornheimer Hang ja wieder die Gemüter, wenn auf der heutigen Gläubigerversammlung wie erwartet der Insolvenzplan abgesegnet und damit das Ende des Insolvenzverfahrens eingeleitet wird.

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