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FSV Frankfurt: Görner: „Der Spielbetrieb ist gesichert“

Von In knapp drei Wochen setzt der FSV Frankfurt mit dem Gastspiel bei der TuS Koblenz seinen Abstiegskampf in der Fußball-Regionalliga Südwest fort. Das Ringen um das finanzielle Überleben wird den ehemaligen Zweitligisten vermutlich noch sehr lange beschäftigen.
FSV-Präsident Michael Görner. Foto: Peter Hartenfelser (imago sportfotodienst) FSV-Präsident Michael Görner.
Frankfurt. 

Am vergangenen Dienstag konnten die Verantwortlichen und Anhänger des KSV Hessen Kassel zunächst einmal tief durchatmen. Im Amtsgericht Kassel, genauer gesagt im Saal D 105/106, stimmten an diesem Vormittag die Gläubiger dem Insolvenzplan zu und erließen durch dieses Verfahren dem ehemaligen Fußball-Zweitligisten, der im Sommer des vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet hatte, einen Schuldenberg von fast zwei Millionen Euro.

Damit hat sich das Schlusslicht der Regionalliga Südwest zwar auf einen Schlag aller Schulden entledigt, ein Freifahrtschein für eine rosige Zukunft ist dies noch lange nicht. Rund zwei Dutzend Vereine haben in den vergangenen Jahren Insolvenz angemeldet, die Liste ist lang und prominent besetzt: Clubs wie Alemannia Aachen, Rot-Weiss Essen, FC Homburg, Borussia Neunkirchen, SSV Ulm, SSV Reutlingen, der VfB Lübeck, der Bonner SC oder der FC Gütersloh sind unter anderem diesen Schritt gegangen, leiden aber fast alle noch unter den Folgen der jahrelangen Misswirtschaft und fristen zwischen vierter und achter Liga ein tristes Dasein.

Auch in Hessen haben sich viele Vereine, die zu ihren besten Zeiten zweit- oder drittklassigen Fußball geboten haben, von ihrem finanziellen Zusammenbruch nie wieder so richtig erholt. Wie zum Beispiel der ehemalige Zweitligist VfR Bürstadt, der vor zehn Jahren Konkurs anmeldete und mittlerweile in der Kreisoberliga Bergstraße spielt. Oder der langjährige Oberligist Spielvereinigung Bad Homburg, der nach diversen Fusionen als Spielvereinigung 05/99 Bomber Bad Homburg nur noch in der Kreisoberliga Hochtaunus um Punkte kämpft. Der einst so ambitionierte FC Eschborn ist sogar völlig von der Fußball-Landkarte verschwunden. Nach der zweiten Insolvenz stellte der Verein im Sommer 2016 seinen Spielbetrieb ein.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der FSV Frankfurt schon auf der Schussfahrt in die größte Krise seiner Vereinsgeschichte. Nach acht Jahren in Folge im Bundesliga-Unterhaus waren die Bornheimer in die Dritte Liga abgestiegen, gaben auch eine Klasse tiefer weiterhin mehr aus, als sie einnahmen, und mussten im April 2017 schließlich angesichts eines Schuldenberges von mehr als drei Millionen Euro Insolvenz anmelden.

Die Termine des FSV Frankfurt

Gestern wurden die terminierten Spieltage 24 bis 38 der Fußball-Regionalliga Südwest veröffentlicht. Hier die Begegnungen des FSV Frankfurt:

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Zwar haben wie in Kassel auch die Gläubiger des FSV, mittlerweile in die Regionalliga abgestürzt, auf ihre Forderungen verzichtet und im Herbst des vergangenen Jahres den Insolvenzplan abgesegnet. Von einem Aufbruch zu neuen Ufern ist im Frankfurter Osten aber kaum etwas zu spüren. Ganz im Gegenteil: Michael Görner, seit April 2017 Präsident des FSV, und seine wenigen Mitstreiter befinden sich immer noch mittendrin im Überlebenskampf.

„Uns hat ja nicht nur die Insolvenz getroffen, sondern wir hatten auch noch zwei Abstiege in Folge“, benennt Görner eines der Hauptprobleme des FSV, der in der Zweiten Liga TV-Gelder von fast sechs Millionen Euro pro Saison kassierte. In der Dritten Liga waren es immerhin noch knapp eine Million Euro, in der Regionalliga sind es nur noch 15 000 Euro. Außerdem hatten das alte Präsidium und Geschäftsführer Clemens Krüger, die kurz vor der Insolvenz ihren Rücktritt erklärten, viel verbrannte Erde hinterlassen.

Universe stottert ab

„Ein großes Problem nach einer Insolvenz ist es, bei Sponsoren und Mitarbeitern wieder Vertrauen zu gewinnen“, beschreibt Görner eine von vielen Hürden, die er mit seinem Team überwinden muss. So fand sich erst im Herbst des vergangenen Jahres ein neuer Hauptsponsor, noch schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem neuen Namensgeber für das Stadion am Bornheimer Hang. Ende Januar, so Görner, will der FSV den neuen Geldgeber endlich präsentieren. Zu allem Überfluss gestalteten sich auch die Verhandlungen mit der Frankfurt Universe als zäh und aus Sicht des FSV auch sehr unerfreulich. Der Club aus der German-Football-League, der seine Heimspiele in Bornheim austrägt und der GmbH des FSV als Betreiber des Stadions 140 000 Euro Miete schuldet, hat mittlerweile 40 000 Euro seiner Rückstände beglichen. „Ich sehe, dass man bei der Universe mittlerweile bemüht ist, die Zahlungen zu leisten“, erklärte Görner, der überhaupt erheblich mehr Optimismus verbreitet als noch vor der Winterpause.

„Ich kann mich jetzt schon viel weiter aus dem Fenster lehnen als noch im November“, sagte der 56-Jährige, der seinerzeit noch Probleme hatte, den Gesamtetat des FSV von rund 1,5 Millionen Euro – davon entfällt die Hälfte auf das spielende Personal – bis zum Saisonende durchzufinanzieren. „Der Spielbetrieb ist gesichert“, verkündete das Bornheimer Vereinsoberhaupt. Wohlwissend, dass vor ihm und dem FSV Frankfurt aber immer noch ein langer Weg zurück zur Normalität liegt.

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