E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 14°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Eintracht Frankfurt: Wie Kovac und Boateng im Trainingslager die Mannschaft antreiben

Von Trainer Niko Kovac gibt sich in Spanien so kämpferisch, wie er seine Spieler in der Rückrunde sehen will. Kevin-Prince Boateng ist dabei sein kongenialer Partner.
Kritischer Blick vom Gerüst aus luftiger Höhe: Eintracht-Trainer Niko Kovac Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Kritischer Blick vom Gerüst aus luftiger Höhe: Eintracht-Trainer Niko Kovac
Murcia. 

Am Mittwochnachmittag hat Niko Kovac das Gerüst am Rande des Trainingsplatzes der Frankfurter Eintracht im spanischen Murcia bestiegen. Das Metallgestänge wurde ursprünglich aufgebaut, um von dort die Übungseinheiten per Video zu dokumentieren und den Spielern später ihre Stärken und Schwächen auch visuell vorführen zu können. Nun also stand Kovac hoch oben, ganz alleine, mit bestem Blick auf den Platz. Dort tobte ein Trainingsspiel mit großem Einsatz, mit ganz vielen Zweikämpfen, mit Härten, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Ernstfall sollte simuliert werden. Und von oben dirigierte Kovac wie ein Feldherr, gestenreich und lautstark. Er schrie Anweisungen über den Platz, versuchte aus luftiger Höhe zu korrigieren und zu motivieren.

So gibt sich der Frankfurter Trainer in diesen Tagen des Trainingslagers: Genauso kämpferisch wie er seine Spieler auf dem Platz sehen will, konzentriert, fordernd, manchmal auch sehr verbissen. Man spürt, da will einer alles tun, um der guten Vorrunde eine ebenso gute Rückrunde in der Fußball-Bundesliga folgen zu lassen. Ein Einbruch wie vor einem Jahr mit nur noch dreizehn Punkten im zweiten Saisonteil soll unbedingt vermieden werden. Also arbeitet Kovac mit seinen Spielern, versucht mit gutem Beispiel voranzugehen, detailversessen, manchmal mit Übungen aus dem kleinen Einmaleins des Fußballs. Da werden dann einfache Abläufe geübt, noch einfachere Pässe, die zu einem sichereren Aufbauspiel führen sollen. Es geht zu wie bei den Abc-Schützen. Das ist die eine Seite der Arbeit des 46 Jahre alten Fußball-Lehrers. Dann aber sieht Kovac wieder das große Ganze wie bei diesem Spiel, als er die hohe Bühne betrat.

Helfer der Kollegen

Ein Stockwerk tiefer oder bei den normalen Einheiten auf dem Spielfeld oder auch am Spielfeldrand, hat sich in den Tagen von Spanien bislang ein anderer hervorgetan. Kevin-Prince Boateng, im August gekommen, lebt inzwischen Eintracht. Er ist nicht nur Anführer auf dem Platz und Stellvertreter des stellvertretenden Kapitäns David Abraham, er ist auch Helfer der Kollegen, versucht seine ganze Erfahrung unter der wärmenden Sonne einzubringen. Wenn Kovac der Feldherr ist, dann ist Boateng sein General. Dass in einem Internetportal Boateng als so eine Art Co-Trainer dargestellt wurde, hat dem Chef Kovac wohl nicht so wirklich gefallen. Jedenfalls hat er seine Mannschaft am Donnerstagvormittag zum Trainingsbeginn zusammengerufen und, mit einem Augenzwinkern, so etwas gesagt wie: „Ich habe ja gelesen, der Kevin ist mein Co-Trainer, hört mal zu, was er zu sagen hat.“

Für Boateng selbst und für die Mitspieler hätte es dieses nicht ganz ernst gemeinten Hinweises nicht bedurft. Die Kollegen hören längst zu, was er zu sagen hat. Und Boateng ist auch ohne offizielles Amt bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Er stellt während der taktischen Einheiten seinen Kollegen so in die Räume des Feldes, dass es gewinnbringend sein könnte. „Du dahin, du dahin, ich dahin“, heißt es dann. Er versucht helfend beizuspringen, wenn er zur Erholung mal draußen auf dem Fahrrad sitzt, einer der Jungen auf dem Feld aber sichtliche Schwierigkeiten beim Ausführen von Übungen hat.

Da gibt es schon mal lautstarke Ratschläge oder auch mal einen leichten Tadel an den Jugendspieler Deji Beyreuther oder den Israeli Taleb Tawatha, der nicht zu verstehen scheint, was der Trainer gerade von ihm will.

Das Wichtigste aber: Der „Prince“ geht mit Leistung voran. In den ersten Tagen hat er sich in den Trainingsspielen überragend präsentiert. Ein Knallertor in den Winkel, eine Torvorarbeit per Hackentrick, viele genaue, manchmal geniale Pässe, ganz nach dem Motto „Hacke, Spitze, eins, zwei, drei“. Der Unterschied ist selbst für Laien deutlich erkennbar. Gepaart wird die unbestrittene Klasse des 30 Jahre alten Mittelfeldspielers mit einem Schuss Lockerheit, der dem einen oder anderen sonst abgeht. Boateng, so scheint es, kommt nach einer schon guten Vorrunde jetzt noch besser an an seinem neuen Arbeitsplatz. Das Zusammenspiel mit den Rückkehrern Omar Mascarell und Marco Fabián verspricht spielerische Fortschritte für die gesamte Mannschaft.

Da können alle Eintracht-Fans viel erwarten in der Rückrunde. Der „Feldherr“ und sein „General“ scheinen auf einem guten Weg.

 

Zur Startseite Mehr aus Eintracht Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen