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Eintracht Frankfurt: Trainer Adi Hütter hatte bislang bei seiner Rotation eine glückliche Hand

Eintracht-Coach Adi Hütter hat in dieser Saison schon über 20 Spieler aufgeboten. Das spricht für die Qualität des Kaders.
Daumen hoch: Lucas Torro trainierte gestern erstmals nach dem Tod seines Bruders wieder mit den Eintracht-Kollegen. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Daumen hoch: Lucas Torro trainierte gestern erstmals nach dem Tod seines Bruders wieder mit den Eintracht-Kollegen.
Frankfurt. 

Er habe es mit der Rotation ein bisschen übertrieben, es sei sicher nicht förderlich, in schwierigen Phasen die halbe Mannschaft auszutauschen. Dafür müsse er eben dann auch den Kopf hinhalten. Die Worte waren deutlich, die Uli Hoeneß vor acht Tagen gewählt hatte. Er warf damit – ob bewusst oder nicht – seinen neuen Trainer Niko Kovac den Medien zum Fraß vor. Und die bissen genüsslich zu, auch wenn die reinen Fakten eine andere Deutung hätten ergeben müssen. Aber gut, so ist das wohl beim größten Club des Landes, beim FC Bayern München. Alles ein bisschen extremer als andernorts.

Denn Niko Kovac, zu seinen Frankfurter Zeiten durchaus dafür bekannt, überraschende und ungewöhnliche Personalentscheidungen zu treffen, ist in München bisher keineswegs als Rotationsweltmeister in Erscheinung getreten, vielmehr agiert er aufgrund der kleinen Kadergröße des Rekordmeisters sogar ziemlich zurückhaltend. Gerade mal 19 verschiedene Spieler setzte Kovac in den bisherigen sieben Bundesligapartien ein. Zum Vergleich: Vorne sind in dieser Kategorie zwei Clubs, von denen man das kaum erwartet hätte, die keinen mit Weltklassekickern bestückten Luxuskader besitzen. Zum einen der FSV Mainz 05, bei denen schon 23 verschiedene Kicker auf dem Rasen standen. Zum anderen Eintracht Frankfurt, wo Trainer Adi Hütter immerhin schon 22 Mann aufbot. Dazu sogar noch den aktuell verletzten Stürmer Goncalo Paciencia in der ersten Runde des DFB-Pokals. „Eine Rotation ist immer zu überdenken und möglich“, sagte Hütter, als er nach seiner Idee der Belastungssteuerung für die bevorstehenden Englischen Wochen gefragt wurde. Und er fügte noch an: „Es kommt aber immer auch auf den Zustand der Mannschaft an.“ Offenbar, so zumindest die Interpretation der auffällig vielen Personalwechsel, ist Hütter mit dem Zustand seines Kaders durchaus zufrieden. Klar, anfangs während der Vorbereitung, auch später noch nach dem Aus im Pokal und der Supercup-Klatsche, da ließ Hütter durchblicken, das ihm das alles noch nicht ganz so passe. Er sagte es zwar nicht öffentlich, ließ zwischen den Zeilen aber sehr wohl verlauten, das ihn der eine oder andere von der Sportlichen Leitung vorgesetzte Neue nicht vollends überzeuge. Aber: Er blieb ruhig. Selbst die peinliche Posse um die Trainingsgruppe zwei prallte an Hütter ab, er wich nicht von seiner Grundidee ab, nahezu die komplette Tiefe seines Kaders in den stressigen Wochen auszuschöpfen. „Ich war nicht der, der davon gesprochen hat, dass ich mit diesen Spielern nicht mehr arbeiten möchte“, betonte Hütter.

Länderspielpause als Chance

Diese Worte hatte der Trainer nach dem ziemlich überraschenden Europa-League-Comeback des nur wenige Tage vorher von Sportdirektor Bruno Hübner quasi abgeschriebenen Marc Stendera gewählt, er hätte sie aber wohl auch bei allen anderen wenig berücksichtigten Profis benutzt.

Nun ist es ja so, dass gerade eine Länderspielpause wie die jetzige für Spieler eine Chance bedeutet, die in der zweiten Reihe mit den Hufen scharen. Sie können sich in Abwesenheit der Nationalspieler für mehr Einsatzzeiten empfehlen, die Zeit nutzen, um wieder mehr in den Fokus des Trainerteams zu gelangen.

Gestern standen immerhin 19 Berufskicker auf dem Trainingsplatz, auch der Spanier Lucas Torro war nach dem tragischen Tod seines Bruders in der vergangenen Woche erstmals wieder darunter. Und diese Profis der zweiten Reihe – ob nun Stendera, Allan Souza, der zuletzt nicht mehr berücksichtigte, weil formschwache Nicolai Müller, der spielerisch limitierte, aber fürs Binnenklima wichtige Simon Falette – all diese Profis hoffen, künftig wieder aus dem Schatten ins Licht treten zu können, wieder größere Rollen in der Hütterschen Rotationsmaschinerie einnehmen zu dürfen.

„Sobald jemand das Gewand von Eintracht Frankfurt anzieht, behandele ich ihn entsprechend“, so Hütter vor einer Woche, „Wenn ich das Gefühl habe, dass sie zum Einsatz kommen sollen, dann schmeiße ich sie rein.“ Klare Worte, die glaubwürdig klingen. Das belegen alleine schon die reinen Fakten – ganz im Gegensatz zu denen des FC Bayern.

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