E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 24°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
1 Kommentar

Eintracht Frankfurt: Rolf-Christel Guié-Mien: Der Mann, dessen Trikot keiner wollte

Von Den Abstieg im Jahr 2001 hat der feine Techniker Rolf-Christel Guié-Mien, der aus dem Kongo stammt, aber in seiner gesamten Fußballerlaufbahn nur für deutsche Vereine spielte, im Trikot der Eintracht miterlebt. Als es 2003 wieder hoch in die Erste Liga ging, spielte er schon für den Konkurrenten aus Freiburg.
Rolf-Christel Guié-Mien mit Albert Streit Foto: Rhode Rolf-Christel Guié-Mien mit Albert Streit

Große Hoffnungen hatte man in ihn gesetzt. Das ist nachvollziehbar, schließlich machte die Frankfurter Eintracht insgesamt rund fünf Millionen Mark an Ablöse locker, um den feinen Techniker vom Zweitligisten Karlsruher SC an den Riederwald zu locken. Das war 1999. Im Januar 2003, die SGE spielte nur noch in der Zweiten Liga, wechselte Rolf-Christel Guié-Mien für einen Bruchteil dieser Summe zum Ligakonkurrenten SC Freiburg – beide stiegen übrigens Monate später wieder in die Beletage auf.

Er wusste, wie man das Bällchen tanzen lässt. Und wie das Spielgerät ins gegnerische Gehäuse befördert wird, das zeigte Rolf-Christel Guié-Mien, der schmächtige, grazile Mann aus dem kongolesischen Brazzaville, auch nicht gerade selten. Doch eine ganz andere Szene verbindet die Frankfurter Anhängerschaft mit dem Spieler, die sinnbildlich für den Zorn der Fans und den desolaten Zustand der Mannschaft und auch des Clubs steht – am Ende der Saison 2000/01.

Rolf-Christel Guié-Mien, verhöhnt von den Fans. Bild-Zoom Foto: ah
Rolf-Christel Guié-Mien, verhöhnt von den Fans.

Die Eintracht spielte am vorletzten Spieltag in Wolfsburg. Ein Sieg war vonnöten, um die theoretische Chance auf den Klassenerhalt noch aufrechtzuerhalten. Doch statt kampfbereit präsentierte sich die Mannschaft vor 16.105 Zuschauern im Stadion am Elsterweg verkrampft und uninspiriert. Nach einer halben Stunde stand’s bereits 3:0 für die Wölfe, das war dann auch der Endstand.

Nach dem Schlusspfiff, als der zweite Abstieg aus der Bundesliga nach 1996 perfekt war, gingen einige Kicker von Trainer Rolf Dohmen in die Gästekurve. Beschimpfungen und Pfiffe prasselten auf die Versager ein, untermalt durch abfällige Gesten. Trotzdem warf Rolf-Christel, der Sensible, sein Trikot in die Menge. Und es flog prompt zurück auf die Tartanbahn, ein anderes eines Mitspielers ebenfalls. Verlegen kratzte Guié-Mien die verschwitzte Arbeitskleidung von der Lauffläche auf und trottete still von dannen.

Worte fand immerhin Dirk Heinen, dem es – wie noch Christoph Preuß – Tränen in die Augen trieb. „Ich schäme mich vor den Fans“, sagte der Keeper und hatte den Hauptgrund des Scheiterns schnell ausfindig gemacht: „Die Last auf einigen Schultern wog so schwer, dass einige gar nicht vernünftig laufen konnten. Als Torhüter bleibt da nur die Verzweiflung.“ Auch Guié-Miens schmale Schultern, oder besser dessen Psyche, hielt dem Druck nicht stand. Den Weg in die Zweitklassigkeit ging der Offensivspieler trotzdem mit. 2001/02 war er Stammkraft, doch in 26 Partien gelangen dem damals Mittzwanziger lediglich drei Treffer. Mit elf Punkten Rückstand auf den Tabellendritten VfL Bochum verpasste die SGE den Wiederaufstieg auch deutlich, die Luft war in der Rückserie bald raus.

Das änderte sich im darauffolgenden Jahr grundlegend, Alexander Schur lässt grüßen. Guié-Mien war da allerdings nicht mehr an Bord. Nach einer starken Hinrunde (9 Tore in 16 Spielen) wechselte er in der Winterpause zum Aufstiegskonkurrenten SC Freiburg. Für eine festgeschriebene Ablösesumme von 250.000 Euro. Diesmal flog ihm zwar sein Trikot nicht wieder entgegen. Doch den Groll vieler Fans hatte er sich mit dem Wechsel eingehandelt. Davon war allerdings bald nichts mehr zu spüren. Die Eintracht behauptete sich in der Spitzengruppe auch ohne ihren bis dato gefährlichsten Torschützen. Und vom Nervenkitzel des letzten Spiels gegen Reutlingen wird noch heute in manch glück- und bierseliger Runde erzählt. Rolf-Christel Guié-Mien hat das nur aus der Ferne miterlebt – und stattdessen anderswo gefeiert.

Zur Startseite Mehr aus Eintracht Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen