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Eintracht Frankfurt: Kovac-Team etabliert sich an der Tabellenspitze

Von Durch das 1:0 gegen Hannover steuert die Eintracht weiter Kurs auf Europa. Doch Trainer Niko Kovac sind andere Dinge wichtiger.
Jubel nach dem 1:0: Torschütze Danny da Costa, Gelson Fernandes und Ante Rebic (von links). Foto: Weiss /Eibner-Pressefoto (imago sportfotodienst) Jubel nach dem 1:0: Torschütze Danny da Costa, Gelson Fernandes und Ante Rebic (von links).
Frankfurt. 

Selbst Fredi Bobic lächelte freundlich und zufrieden. Der öfter mal streng daherkommende Sportvorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG hatte diesmal nichts zu monieren. Im Gegenteil: „Das tut uns gut, wenn man auf die Tabelle schaut“, sagte Bobic. Sollte das etwa ein versteckter Blick Richtung Europa gewesen sein? So offen würde der Frankfurter Boss nicht über geheime Ziele reden. Aber ein gewisses Selbstbewusstsein kann man ihm nicht absprechen. „Jetzt fahren wir nach Dortmund und schauen, dass wir da was mitnehmen können“, sagte Bobic nach dem 1:0 (1:0) über Hannover 96. Erstaunlich, aber wahr: Dortmund, das ist – neun Spieltage vor Saisonschluss – nach Punkten (42) ein Gegner auf Augenhöhe in der Fußball-Bundesliga. Und momentan ein Konkurrent im Rennen um einen Champions-League-Platz. Jeder Punkt dort würde die ohnehin schon euphorisierten Frankfurter Seelen weiter streicheln.

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Niko Kovac denkt da etwas kleinteiliger. Er lebt, denkt und arbeitet im Hier und Jetzt. Deshalb zählten für ihn nach dem Sieg über die Niedersachsen nur die Punkte – nicht der Stil, in dem sie geholt wurden, und Europa schon gar nicht. „Es war kein ansehnliches Spiel. Aber das ist mir egal. Heute zählt einzig und allein der Erfolg“, sagte der Eintracht-Trainer. Noch etwas reduzierter feierte Timothy Chandler das Resultat: „Auch so ein dreckiger Sieg ist sehr wichtig.“

Und dennoch lohnt es sich, beim Blick auf die Lage bei der Eintracht etwas umfassender zu schauen. Denn neun Spieltage vor dem Saisonende steht der Club immer noch auf einem Champions-League-Platz. 42 Punkte nach 25 Spielen bedeuten sieben Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Europacup-Platz. Und es sind jetzt schon genauso viele Punkte wie am Ende der vergangenen Saison. Altgediente Beobachter fühlen sich an Zeiten wie vor einem knappen Vierteljahrhundert erinnert, als Spieler wie Uwe Bein, Uli Stein oder Anthony Yeboah zuletzt so eine Bilanz erarbeiteten.

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Damals spielte die Eintracht fast immer mit dem Prädikat „künstlerisch wertvoll“. Heute heiligt der Zweck jedes Mittel. Von einem „Abnutzungskampf“ sprach Fredi Bobic nach der Partie gegen Hannover. Trainer Niko Kovac sah seine Erwartungen bestätigt. Denn nach dem blutleeren Auftritt in Stuttgart wollte der Fußball-Lehrer eine Reaktion sehen: „Ich habe klar angesprochen, was mir nicht gefallen hat. Wir wollten heute einen Sieg, den haben wir geschafft. Fußballerisch können wir es besser, das weiß ich auch.“

Kovac und seine Spieler meisterten gegen Hannover gleich zwei Herausforderungen: die Wiedergutmachung nach Stuttgart und die Neuformierung des Mittelfeldes. Denn nach Omar Mascarell fiel kurzfristig auch noch Kevin-Prince Boateng wegen Erkältungsbeschwerden für die Startelf aus. Als Ersatz entschied sich der Trainer für Gelson Fernandes und – ziemlich überraschend – Jonathan de Guzman (lesen Sie dazu unseren gesonderten Bericht): „Ich habe damit gerechnet, dass Hannover viele Handwerker auf dem Platz haben würde, da wollte ich auch Handwerker haben.“

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Höflich und freundlich wie immer bedankte sich Niko Kovac bei seinem Hannoveraner Kollegen André Breitenreiter für die Glückwünsche zum Sieg.

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Und so entwickelte sich ein zähes, phasenweise sogar unansehnliches, aber immer auch kämpferisch geprägtes Fußballspiel, bei dem die Eintracht für den Sieg zweimal die Hilfe des Schiedsrichters benötigte. Denn vor dem entscheidenden Kopfballtor durch Danny da Costa in der 39. Minute nach einem von de Guzman ausgeführten Eckstoß hätte es Abstoß für Hannover und nicht Eckball für Frankfurt geben dürfen. Kein 96er, sondern der Frankfurter Marius Wolf hatte den Ball ins Toraus bugsiert.

Und in der 61. Minute lag der Ausgleich in der Luft, als Schiedsrichter Marco Fritz zunächst auf Elfmeter für Hannover entschied, beim anschließenden Videobeweis-Verfahren aber feststellte, dass sich 96-Verteidiger Miiko Albornoz im Strafraum beim „Zweikampf“ mit Danny da Costa hatte fallenlassen: kein Strafstoß für Hannover, dafür die Gelbe Karte für Albornoz und seine „Wahnsinnsschwalbe“ (Bobic).

„Sehr viel Bewegung drin“

Aber letztlich gilt in erster Linie festzuhalten: Kovac hatte es wieder einmal geschafft, aus seinem großen Multi-Kulti-Kader eine enorm geschlossene Mannschaft zu filtern und aufs Feld zu schicken. Eine Mannschaft mit Mentalität. Die ist dem Trainer besonders wichtig. Denn: „Mentalität schlägt Qualität.“ Jeder, der im Training „Gas gebe“, bekomme irgendwann seine Chance. „Bei uns ist sehr viel Bewegung drin. Das hält die Stimmung hoch. Die Intensität, die im Laufe der Woche im Training herrschte, habe ich heute auch auf dem Platz gesehen“, sagte der Kroate erfreut. Und bei Danny da Costa wollte das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht weichen. Der Neuzugang aus Leverkusen, der in den vergangenen Wochen in Frankfurt richtig durchgestartet ist, erzielte sein erstes Tor im 103. Spiel in Erster oder Zweiter Bundesliga. „Eigentlich wollte ich mich erst bei Jonny bedanken, wusste aber nicht so recht wohin mit mir. Ich bin da noch nicht so erfahren drin“, sprudelte es aus ihm heraus. Möglicherweise werden Danny da Costa und seine Kollegen demnächst ja noch ganz andere, europäische Erfahrungen machen. „Wenn wir so hart weiterarbeiten, können wir vielleicht etwas erreichen“, meinte Gelson Fernandes. Für Frankfurter Verhältnisse klingt das fast schon vorwitzig.

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Es sind noch neun Spiele zu absolvieren, der Klassenerhalt, lange das Maß aller Dinge, ist mit 42 Punkten schon geschafft. Momentan steht die Mannschaft auf Platz vier, der für die Champions-League-Teilnahme

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