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Eintracht Frankfurt: Finanzchef Frankenbach: "Jeder ist bereit zu mehr Risiko"

Die Zeit der Wechsel ist vorbei, der Transfermarkt hat geschlossen. Die Eintracht hat so viel investiert wie nie zuvor. Im Interview mit unserem Redakteur Markus Katzenbach erklärt Finanzvorstand Oliver Frankenbach, warum das möglich war, warum es nötig war – und warum man die Rekordausgaben in Relation setzen muss.
Adler im Aufschwung: Oliver Frankenbach (von rechts) mit Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner, seinen Vorstandskollegen Fredi Bobic und Axel Hellmann, Börsenchef Carsten Kengeter, Maskottchen-Adler Attila und Falkner Norbert Lawitschka. Die Deutsche Börse ist ein neuer Eintracht-Sponsor. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Adler im Aufschwung: Oliver Frankenbach (von rechts) mit Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner, seinen Vorstandskollegen Fredi Bobic und Axel Hellmann, Börsenchef Carsten Kengeter, Maskottchen-Adler Attila und Falkner Norbert Lawitschka. Die Deutsche Börse ist ein neuer Eintracht-Sponsor.

Herr Frankenbach, sind Sie froh, dass der Transfermarkt jetzt geschlossen hat und auch bei der Eintracht die Kasse zu ist? Oder hätten Sie gerne selbst noch die eine oder andere Einnahme erzielt?

OLIVER FRANKENBACH: Die Frage stellt sich für mich nicht, das sehe ich ganz neutral. Wir hatten auch nicht das primäre Ziel, viele Spieler abzugeben. Wichtig war für uns nach der letzten Saison, in den Kader zu investieren. Das haben wir gemacht.

Die Eintracht hat für ihre Verhältnisse bemerkenswert viel Geld in die Hand genommen, so viel wie nie zuvor. Klingt nach guter Arbeit in der Wirtschaftsabteilung. Wodurch war das möglich?

Zur Person: Herr der Zahlen

Oliver Frankenbach (Foto: Rhode) ist bei Eintracht Frankfurt der Herr der Zahlen. Seit 1998 arbeitet er bei dem Bundesligisten, 2015 wurde er Finanzvorstand der Fußball AG.

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FRANKENBACH: Das muss man relativieren. Gemessen an der Vergangenheit haben wir zwar viel Geld in die Hand genommen. Aber im Vergleich mit den anderen Clubs hat sich nichts geändert. Die Verhältnisse sind die gleichen geblieben. Die positive Entwicklung bei uns liegt nicht nur an der guten Arbeit des Finanzbereiches oder an einer einzigen Abteilung. Wir arbeiten zu dritt im Vorstand, da passt eins ins andere. Es spielt vieles zusammen, angefangen mit dem sportlichen Erfolg in der vergangenen Saison, mit dem Erreichen des Pokalfinales. Dazu kommt, dass Eintracht Frankfurt in allen Bereichen boomt. Der Business-Bereich ist ausverkauft, sämtliche Vermarktungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft und im Merchandising herrscht eine Nachfrage wie nie zuvor. Die Kollegen im Marketing und Merchandising haben da einen super Job gemacht. Deshalb können wir auch mehr investieren. Und im sportlichen Bereich wird anders gearbeitet als früher. Wir beschäftigen uns früher mit anstehenden Personalien.

Ein etwas besseres sportliches Ende der vergangenen Bundesliga-Saison hätte die finanzielle Lage noch weiter verbessert. Schielen Sie manchmal ein bisschen neidisch zu Ihren Kölner Kollegen? Der FC hat die Europa League erreicht, was auch in Frankfurt lange möglich schien.

FRANKENBACH: Ich bin jemand, der eigentlich nie zurückschaut. Egal ob Erfolg oder Misserfolg: Im Fußball muss man sich sofort wieder auf die neue Saison konzentrieren. Glückwunsch an den FC! Sie haben wirklich eine gute Saison gespielt. Wir haben vielleicht nach der Hinrunde noch etwas weiter nach oben geschielt, am Ende ist es dann aus verschiedenen Gründen nicht dazu gekommen. Aber es war trotzdem eine Entwicklung zu sehen. Und das schließt ja nicht aus, dass wir in Zukunft wieder ähnliche Ziele erreichen wie nun der 1. FC Köln.

Die Kölner haben noch einen anderen Jackpot geknackt, mit den 35 Modeste-Millionen aus China. Was würde ein solcher Coup für die Eintracht bedeuten?

FRANKENBACH: Schwer zu sagen. Seriös planen kann man solche Transfereinnahmen im Fußball nicht. Es wären zusätzliche Einnahmen, die man in den sportlichen Bereich reinvestieren kann. Wir würden solche Überschüsse aber auch in andere Projekte stecken, infrastruktureller Art zum Beispiel – wie den Neubau unserer Geschäftsstelle, bei dem wir gerade in der Planungsphase sind.

In diesem Sommer ist vermutlich der Großteil aus dem Frankfurter Topf in den Sport investiert worden?

FRANKENBACH: Ja, das war in diesem Sommer so. Weil der Sport eben auch entscheidend für das Wachstum des gesamten Vereins ist. Das gilt aber auch für die anderen Bereiche, die man nicht vernachlässigen darf, da man sonst in diesen Bereichen abgehängt wird und einem Möglichkeiten entgehen, die dann wieder in den Kader investiert werden können. Es ist ein Kreislauf. Und je nach sportlicher Entwicklung kann es auch durchaus sein, dass die Investitionen in infrastrukturelle Maßnahmen auch mal überwiegen können.

Kann man sich Köln in gewisser Weise zum Vorbild nehmen und auf einen solchen Coup wie bei Modeste hinarbeiten? Und sind Einkäufe wie Haller oder Willems schon ein Versuch, die Transferbilanz auf eine solche Weise zu verbessern?

FRANKENBACH: Erst einmal muss sich Eintracht Frankfurt keine anderen Clubs zum Vorbild nehmen. Jeder Club ist individuell, für Eintracht Frankfurt gilt das besonders. Wir arbeiten hier so, wie wir das für Frankfurt als richtig erachten. Wir wollen natürlich auch Erlöse auf dem Transfermarkt zu erzielen, um sie dort zu reinvestieren. Das ist ein Geschäftsmodell für Bundesliga-Clubs, nicht nur auf Marketing- oder Merchandise-Erlöse zu bauen. Auch deshalb haben wir in diesem Jahr nicht nur Leihspieler verpflichtet.

Tatsächlich sind unter den vielen Neuen anders als vor einem Jahr vor allem feste Verpflichtungen, und wenn es doch ein Leihgeschäft gibt, wurden Kaufoptionen vereinbart. Ein bewusstes Konzept?

FRANKENBACH: Ob man einen Spieler leiht oder fest verpflichtet, ist auch eine Frage finanzieller Möglichkeiten. Es ist aber auch eine Frage der beteiligten Parteien – und welchen Spieler man haben will. Einen Spieler von Real Madrid zum Beispiel zu kaufen, ist schwer. Und es nützt einem dann auch nichts, eine astronomische Kaufoption in dem Leihvertrag zu verankern. Dieses Jahr ist es uns gelungen, in Leihverträgen Kaufoptionen einzuarbeiten, die wir uns in der Zukunft auch leisten können, wenn sich der Spieler so entwickelt, wie wir uns das erhoffen.

Auch ohne Europa League und die erhoffte Verbesserung in der TV-Tabelle: Wird beim Personaletat die 40-Millionen-Marke erstmals geknackt?

FRANKENBACH: Ja, wir werden die 40 Millionen Euro knacken. Auch das muss man aber in Relation setzen. Bei der Lage in der Liga ist das nicht astronomisch. Der Wettbewerb hat sich noch einmal verdichtet, durch den Abstieg von Ingolstadt und Darmstadt. Mit Stuttgart und Hannover sind zwei Mannschaften aufgestiegen, die vermutlich auch über der 40-Millionen-Marke liegen.

Der Neymar-Wechsel hat hohe Wellen geschlagen. Sie sind den Umgang mit hohen Zahlen gewöhnt, das ist aber eine neue Dimension. Waren Sie selbst verblüfft, dass diese Summe gezahlt würde?

FRANKENBACH: Nein, verblüfft war ich nicht. In Spanien ist es gang und gäbe, dass solche Ablösesummen in den Verträgen verankert werden. Und dass Paris St. Germain einer der ersten Vereine sein würde, der das zahlt, war auch abzusehen. Ich sehe das eher pragmatisch: Am Ende des Tages ist es ein Markt, in dem Angebot und Nachfrage den Preis regeln.

Ist Ihnen gleich etwas eingefallen, was Sie bei der Eintracht mit 222 Millionen Euro anfangen würden?

FRANKENBACH: Da bin ich der falsche Ansprechpartner (lacht, Anmerkung der Redaktion) . Das meiste würde wohl wieder in den Sport gesteckt, da müssten sie meine Kollegen fragen. Aber zumindest einen Teil unserer neuen Geschäftsstelle müssten wir dann wohl nicht fremdfinanzieren.

Welche Auswirkungen haben die Quantensprünge auf dem Welt-Transfermarkt auf die Bundesliga und die Eintracht?

FRANKENBACH: Das setzt sich nach unten durch und macht ja nicht bei Borussia Dortmund halt (als Ersatz für Neymar verpflichtete der FC Barcelona Ousman Dembélé aus Dortmund, für geschätzt 105 Millionen Euro Basis-Ablösesumme, Anm. d. Red.) . Dortmund muss auch wieder Ersatz suchen. Jetzt ist das im Ausland passiert, es könnte aber beispielsweise auch bei Borussia Mönchengladbach sein. Und Gladbach bedient sich dann vielleicht in Frankfurt. Wir werden möglicherweise früher mit einem Abgang konfrontiert, als uns das lieb ist – und das vielleicht kurz vor dem Ende der Wechselperiode. Die Kurzfristigkeit ist schon ein Problem. Das könnte eine Fehlentwicklung werden, die man im Auge behalten muss.

Ist dieses Jahr – das erste mit den neuen TV-Erlösen – ein besonders wichtiges für die Bundesliga-Vereine, um sich für die Zukunft zu positionieren? Haben vielleicht auch deshalb so viele Vereine mehr investiert als gewöhnlich? Oder liegt das einfach daran, dass durch die Fernsehgelder einfach mehr zur Verfügung steht?

FRANKENBACH: Da kommen zwei Faktoren zusammen. Zum einen können die Clubs mehr investieren, dadurch steigen die Preise. Zum anderen ist wie angesprochen der Wettbewerbsdruck in der Bundesliga in dieser Saison extrem hoch. Es gibt keinen Club, bei dem die Experten sagen: Das ist ein klarer Absteiger. Jeder versucht, mit allen Mitteln das bestmögliche heraus zu holen. Und vor allem erst einmal, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Deshalb ist jeder auch bereit, höheres Risiko zu gehen.

Ihrem ehemaligem Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist bei seinem Amtsantritt in Hamburg vorigen Dezember das Missverhältnis von der Position des HSV in der Etat-Tabelle und jener in der echten Bundesliga-Tabelle aufgestoßen. Wo müsste sich die Eintracht denn am Ende der Saison einreihen, damit da in Frankfurt ein Gleichklang bestünde?

FRANKENBACH: Wir wollen natürlich mindestens so gut abschneiden wie in der vorigen Saison. Diese Saison wird aber extrem schwierig, zwischen den Plätzen sieben und 18 geht es sehr geballt zu. Ich glaube, dass der elfte Platz in der vergangenen Runde unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprochen hat. Wahrscheinlich haben wir sportlich sogar etwas besser abgeschnitten. Die Situation hat sich aber durch den Aufstieg von Hannover und Stuttgart und den fortschreitende Einfluss von Kapitalzuflüssen – beispielsweise der Einstieg von Daimler beim VfB Stuttgart – deutlich geändert: Von unserer Wirtschaftskraft liegen wir wohl nun eher im unteren Drittel der Liga. Es ist aber auch immer möglich, sportlich die wirtschaftlichen Gegebenheiten zu überholen. Ich habe nichts gegen ein Missverhältnis, wenn wir in der Bundesliga besser dastehen als in der Etat-Tabelle (lacht, Anm. d. Red.) .

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