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Eintracht Frankfurt: Die Eintracht kassiert nach einer verrückten Nachspielzeit das 2:3 in Dortmund

Von Was für eine dramatische Schlussphase: Der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt kassiert Sekunden vor dem Abpfiff noch den Siegtreffer der gastgebenden Dortmunder zum 3:2 und rutschte nach dieser unglücklichen Niederlage auf den fünften Platz ab.
Am Boden: Der Frankfurter Profi Danny da Costa nach der Niederlage in Dortmund. Foto: Gladys Chai von der Laage (imago sportfotodienst) Am Boden: Der Frankfurter Profi Danny da Costa nach der Niederlage in Dortmund.
Dortmund. 

Es dauerte eine Weile, bis die Gäste aus Frankfurt vom Dortmunder Rasen getrottet waren. Wie so oft bei Besuchen im westfälischen Fußball-Tempel mit leeren Händen und enttäuschten Mienen, aber diesmal erhobenen Hauptes: Anders als bei der einen oder anderen derben Abfuhr in der jüngeren Vergangenheit hätte die Eintracht-Delegation an diesem Sonntagabend schließlich einen Punkt bei der Branchengröße BVB einen Punkt unbedingt verdient gehabt.

„Dieses Spiel hätten wir nie verlieren müssen und nie verliefen dürfen“, haderte der Frankfurter Trainer Niko Kovac mit dem, was in den letzten Sekunden einer verrückten vierminütigen Nachspielzeit passiert war, am Ende eines heftigen Wechselbades der Gefühle, das für die Eintracht eine ganz unglückliche Schlusspointe bot. Gerade hatte der eingewechselte Danny Blum ihr den Ausgleich beschert, doch dann schlug die Dortmunder Borussia noch einmal zurück: Ihr Starstürmer Michy Batshuayi schoss das Tor zum 3:2 (1:0), und fast direkt danach war Schluss.

Kovac ärgert sich

„Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Dass sich die Jungs dann nicht belohnt haben, ärgert mich“, bekannte Kovac und legte freilich auch den Finger in die Wunde: „Da müssen wir cleverer sein.“ Zwei Mal hatte seine Mannschaft einen Rückstand aufgeholt, zwei Mal war sie prompt wieder ins Hintertreffen geraten – in einem unverhofften Bundesliga-Spitzentreffen zwischen dem Dritten und Vierten, das so zumindest tabellarisch auf Champions-League-Niveau ausgetragen wurde. „Da war zu viel Adrenalin drin. Da muss mehr Coolness mehr Ruhe rein“, schrieb der Coach den Seinen ins Stammbuch, vor allem in Gedanken an das Hin und Her der Nachspielzeit. An deren Anfang hatte Blum eine Hereingabe des von Jonathan de Guzman prima ins Spiel gebrachten Danny da Costa über die Linie gedrückt, zum verdienten Ausgleich – und der Block der Gästefans explodierte, am Rasen und am Rand bildeten die Frankfurter Fußballer und Funktionäre große Jubeltrauben. Um kurz darauf dann bitter enttäuscht zu sein. „Das wirft uns aber nicht zurück, überhaupt nicht“, betonte Kevin-Prince Boateng. „Wir haben Mentalität gezeigt und in der zweiten Halbzeit ein überragendes Spiel gemacht, das nehmen wir mit.“

Dass es vor der Pause ganz anders ausgesehen hatte, wollte auch kein Frankfurter beschönigen. „In der ersten Halbzeit haben wir überhaupt nicht stattgefunden. Da haben wir überhaupt nicht Fußball gespielt, das war nicht gut“, tadelte Kovac. Gleich am Anfang hatten die Sprintstars im Dortmunder Sturm seine neuformierte Abwehr mit Carlos Salcedo und Marco Russ neben David Abraham gehörig durcheinandergewirbelt. Bei der zweiten Hereingabe des quirligen Christian Pulisic war es dann nach zwölf Minuten schon so weit: Russ hatte vor seinem Namensvetter Marco Reus noch klären wollen, doch er grätschte den Ball ins Tor. Den Weg dorthin hätte das Leder so oder so gefunden, sonst eben durch den insgesamt sehr überzeugenden Nationalstürmer Reus.

Für den Frankfurter Routinier Russ wiederum war es so im 293. Bundesligaspiel das fünfte Eigentor. Nur eines ist er nun noch entfernt von den unfreiwilligen Rekordhaltern in dieser ewigen Statistik, dem Hamburger Manfred Kaltz und dem Mainzer Nikolce Noveski. „Das passiert“, nahm es Kovac ihm nicht übel. Insgesamt aber war nicht zu übersehen: Diese Dortmunder waren erst einmal klar besser. Ob das Starensemle den bodenlosen Eindruck vom 1:2 im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen RB Salzburg drei Tage zuvor wettmachen wollte? Nach den zwar guten Ergebnissen, aber arg glanzlosen Bundesligawochen zuvor zeigen wollte, dass es doch richtig Fußball spielen konnte? Oder einfach den Frankfurter Emporkömmlingen demonstrieren, welcher Wind in diesen höheren Tabellenregionen weht? So oder so: „Das war unsere beste erste Halbzeit seit Wochen“, lobte Trainer Peter Stöger hinterher. Und doch sollte sich auch am 26. Spieltag noch zeigen, auf welch wackligen Füßen dieses Gebilde noch steht, das er im Dezember von Peter Bosz übernommen hatte. „Man merkt schon, dass diese Saison nicht reibungslos verläuft, dass wir unsere Probleme haben“, meinte Stöger zu der so anders als die erste verlaufenen zweiten Halbzeit, nicht ohne anzufügen: „Das lag aber auch an der Eintracht, die es richtig gut gemacht hat.“

Kovac wiederum hatte seiner Elf in der Pause ans Herz gelegt, es endlich mit Fußballspielen zu versuchen, mehr Druck zu machen, gegen einen wankenden Riesen, dem auch der europäische Donnerstagabend in den Beinen steckte. Und seine Spieler folgten ihm, nun mit Mut und Entschlossenheit. Boateng versuchte, das Ruder herumzureißen und hatte seine Gelegenheiten, Marius Wolf drehte am rechten Flügel auf – und der eingewechselte Jonathan de Guzman brachte nicht nur Spielwitz mit, sondern auch gute Freistöße. Einen davon nickte der ebenfalls eingewechselte Luka Jovic nach 75 Minuten ins Netz.

Was für ein Joker

Aber auch Borussia Dortmund hatte einen Joker – und was für einen: Der anfangs noch geschonte Starstürmer Batshuayi schlug prompt zurück. Erst zum 2:1, und dann eben auch zum 3:2. Da machte sich dann auch die individuelle Klasse bezahlt, es war aber gleichzeitig eine fatale Verkettung Frankfurter Fehler (siehe Text auf dieser Seite).

Ein indirektes Lob vom Gegner gab es trotzdem noch. „Wenn man in der 94. Minute gewinnt, ist der Faktor Glück immer dabei. Den nehmen wir aber gerne mit, für einen wichtigen Sieg gegen einen Gegner, der zu Recht um einen Champions-League-Platz spielt“, bilanzierte Stöger, und Kovac nahm den Ball auf, in Gedanken schon an die nächste Herausforderung gegen Mainz: „Wir sind hingefallen, aber wir stehen wieder auf. Das ist unsere Mentalität. Deshalb stehen wir dort, wo wir stehen, wie Peter gesagt hat.“ Dass sie sich unter den prominenten Nachbarn behaupten kann, hatte seine Eintracht gezeigt. Und auf Europa-Kurs ist sie trotz der bitteren Schlusspointe immer noch.

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