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Eintracht Frankfurt: Boateng: Reifer geworden, aber nicht langweiliger

Von Frankfurts schillerndster Neuzugang: Für einen lockeren Spruch ist Boateng immer zu haben, für nachdenkliche Töne auch.
Gute Zeichen: Kevin-Prince Boateng (li.) und Simon Falette Foto: Huebner/Hufnagel (Jan Huebner) Gute Zeichen: Kevin-Prince Boateng (li.) und Simon Falette
Frankfurt. 

Gespräche mit Kevin-Prince Boateng haben einen hohen Unterhaltungswert. „Mit mir wird es nicht langweilig“, meint der schillernde Neuzugang der Frankfurter Eintracht selbst und lacht, zwischendrin in einer Runde mit mehreren Medienvertretern, in einer Loge der Arena. Das war bei ihm schon immer so, die Gründe dafür aber sind inzwischen andere. „Skandale gibt’s nicht mehr. Ich bin älter und ruhiger geworden“, sagt Boateng und fügt an: „Wer im Alter nicht reifer wird, hat ein Problem.“

Für einen lockeren Spruch ist der inzwischen 30-Jährige immer zu haben, für nachdenkliche Töne auch – wie in einem Interview mit dem „Kicker“, das an diesem Donnerstag erscheint, in dem er den Druck im Profifußball und auch die seiner Meinung nach zu negative Berichterstattung über ihn kritisiert. „Es gab Tage, an denen ich gesagt habe: Ich kann nicht mehr“, sagt Boateng darin. „Wenn man an Robert Enkes Selbstmord denkt, das hat zu einem Prozent auch mit der Presse und dem ganzen Trubel zu tun. Wenn wir uns alle Artikel anschauen würden, die über mich geschrieben wurden: Wer weiß, was ich machen würde, wenn ich nicht stark im Kopf wäre.“

Geschichten über ihn sind tatsächlich viele erzählt worden, das Image des bösen Buben haftet ihm noch immer an. Mit einigen Fehltritten in seiner abwechslungsreichen Laufbahn hat er selbst seinen Teil dazu beigetragen, das weiß er. „Fehler habe ich gemacht, Fehler hat die Presse gemacht“, betont Boateng bei der Runde am Mittwochnachmittag. „Das Problem ist, dass die Schublade immer wieder aufgemacht werden kann. Ich schaue aber lieber nach vorne.“

Er lässt keinen Ball so einfach ins Netz gehen – schon gar keinen Medizinball im Training: Lukas Hradecky hütet das Frankfurter Tor.
Eintracht Frankfurt Lukas Hradecky: "In meinem Kopf war klar, dass ich bleibe"

Die Diskussionen über die Zukunft von Lukas Hradecky haben über Monate für Aufregung rund um die Eintracht gesorgt: Verlängert der finnische Torwart seinen bis 2018 auslaufenden Vertrag oder geht er gleich? Verlängert hat er bis heute nicht, für Hradecky war aber schon im Trainingslager in den USA klar: Ich bleibe zumindest noch ein Jahr. Über dieses Thema und viele andere spricht er im Interview mit unserem Mitarbeiter Peppi Schmitt.

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Seine Zukunft liegt in Frankfurt. Privat ist der Deutsch-Ghanaer aus Berlin noch nicht ganz heimisch geworden, das soll aber bald so weit sein. Erst einmal werden die Umzugskisten aus Gran Canaria transportiert, wo er zuletzt bei UD Las Palmas spielte. In einem Monat, hofft er, zieht dann auch die Familie aus Mailand an den Main. Fußballerisch indes ist er schon recht gut bei der Eintracht angekommen, wohin er auch geholt wurde, um eine Führungsrolle einzunehmen.

„Ich habe bisher eine ganz gute Karriere gehabt, da können vielleicht einige zu mir aufschauen. Wir haben viele junge Spieler hier, denen ich helfen kann“, meint er, der am eigenen Leib gelernt hat, wie es nicht geht. „Als junger Spieler war ich immer der Talentierteste. Das hat mir geholfen, einen Meter weniger zu laufen und trotzdem einen super Pass zu spielen. In Tottenham aber waren alle talentiert. Da ging es darum: Wer arbeitet mehr? Und weil ich nicht arbeiten wollte, saß ich auf der Tribüne“, erzählt er. Über seinen persönlichen Reifeprozess sagt Boateng: „Ich habe es ein bisschen spät gemacht, denke ich, so mit 23, 24 Jahren.“ Das war in etwa die erste Zeit beim AC Mailand, als er als Teil einer Weltauswahl voller klingender Namen, mit Ibrahimovic, Pirlo und Co., italienischer Meister wurde.

Bei der Eintracht nun ist sein Name der prominenteste. Wie wertvoll er für seinen neuen Club sein kann, hat er am Samstag mit seinem Tor des Tages zum 1:0 bei Borussia Mönchengladbach gezeigt, als Teil einer Doppelspitze mit Sebastien Haller. Zu dieser Zusammenarbeit sagt er: „Er ist ein Turm, ein Riese, und ich kann mich um ihn herum austoben. Er ist auch fußballerisch gut und hält jeden Ball.“ Mit Haller versteht er sich abseits des Platzes ebenso gut wie darauf, im Grunde gilt das für die ganze Mannschaft. „Es ist eine coole Truppe. Alle sind lustig drauf, aber wenn es ums Arbeiten geht, sind alle 100 Prozent professionell“, sagt er. Anders geht das bei Trainer Niko Kovac wohl auch gar nicht.

Frankfurt ist Boatengs achte Profistation – und die erste, bei der er wirklich viel arbeite, wie er launig sagt. Dank Kovac. Die Vorbereitung in Las Palmas habe er zwar mitgemacht. Das sei aber etwas anders gewesen als in Frankfurt. Bei seiner Rückkehr in die Bundesliga, gut zwei Jahre nach einem eher unrühmlichen Ende bei Schalke 04, hat er ohnehin festgestellt: „Die Spieler werden immer jünger, und das sind alles Maschinen.“ Gar nicht so leicht, mit 30, 31 Jahren da mitzuhalten. „Ein bisschen geht es mit Erfahrung“, meint er. „Im Endeffekt musst du aber einfach arbeiten, auf das gleiche Level kommen wie die Jungspunde.“ Zwei Wochen, glaubt er, fehlen ihm noch, um bei 100 Prozent zu sein.

Hilfreich ist für Boateng, dass ihn Kovac kennt, seit er 17 ist. „Er steht immer unter Strom und will, dass wir jeden Tag unser Bestes geben. Niko war als Spieler ein Vollprofi, jetzt ist er es umso mehr“, sagt er in Erinnerung an gemeinsame Berliner Zeiten, als der junge Boateng in der Kabine neben Kollege Kovac saß. „Er weiß, wie er mich nehmen muss. Das hat er schon damals versucht, aber es war nicht immer einfach mit mir“, berichtet er, lacht und sagt: „Ich glaube nicht, dass die Mannschaft ihn sauer erleben will. Ich weiß, wie das ist.“

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