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Analyse: Warum es sich lohnt zu wählen

Politikverdrossenheit ist vor allem bei Jugendlichen sehr verbreitet – und stellt gerade bei Regionalwahlen sowie Landtagswahlen ein großes Problem dar. Dabei sind es besonders diese Wahlen, bei denen die eigene Stimme besonders viel bewirken und Wertvorstellungen beeinflussen kann.
giving an opinion Foto: Phovoir (184200863) Für die junge Generation lohnt sich der Gang an die Wahlurne ganz besonders.
Frankfurt. 

Allein auf Bundesebene macht die geringe Wahlbeteiligung Experten schon seit Jahren Sorgen. Das Rhein-Main-Gebiet schnitt bei der Bundestagswahl hessenweit besonders schlecht ab, was die Wahlbeteiligung betraf – gleich zwei Städte waren in der Liste der fünf Städte mit geringster Wahlbeteiligung vertreten: Offenbach und Hanau. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am vergangenen Sonntag gingen im ersten Wahlgang gerade einmal 37,6 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne.

Besonders betroffen von Politikverdrossenheit sind dabei Jugendliche. Das Problem: Viele glauben, nichts bewirken zu können, sind desillusioniert oder fühlen sich von der Politik nicht vertreten. Diese Einstellung ist ein Nährboden für Populisten, die mit großen Versprechen daherkommen – anders als die Volksparteien stehen sie dabei nicht unter dem Druck, Worten Taten folgen zu lassen –, denn die Schuld für gebrochene Versprechen wird auf die Regierung geschoben.

Veränderungen bewirken

Besonders gering ist das Interesse an Politik auf regionaler Ebene; Bürgermeisterwahlen, Volksentscheide, Kreis- und Landtagswahlen erreichen selten das große Interesse. Dabei ist es gerade hier möglich, echte Veränderungen zu bewirken. Dazu kommt, dass es gerade diese Wahlen sind, die die Lebenswelt der Jugendlichen betreffen. Ein Volksentscheid über eine Unterführung der Gleise etwa betrifft junge Leute direkt, der Weg zur Schule oder zur Arbeitsstelle wird dadurch vereinfacht, wenn sich die Mehrheit dafür entscheidet. Gleiches gilt für eine Bürgermeisterwahl; häufig vertreten die Kandidaten unterschiedliche Lager. Mit der Wahl kann man teilhaben an Entscheidungen über Wohnraumerschließung, den Bau von Parkanlagen oder Skateparks und viele weitere regionale Themen, die auch junge Leute, die erstmalig wählen dürfen, betreffen.

Auf Landesebene werden Entscheidungen der Bildungspolitik getroffen. Je nachdem, welche Parteien also gerade die Regierung bilden, hat das Einfluss auf Lehrpläne und Aufbau von Schulen sowie die Struktur von Universitäten. Die verkürzte gymnasiale Mittelstufe G 8 etwa wurde zum Schuljahr 2006/2007 hessenweit von der CDU unter dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch eingeführt. Einige Schulen hatten das System bereits im Jahr zuvor eingeführt.

G 8 als Beispiel

Unter der schwarz-gelben Landesregierung im Jahr 2013 wurde das Schulsystem überarbeitet. Seitdem herrscht Wahlfreiheit an Hessens Schulen. Die aktuell regierende schwarz-grüne Koalition hat sich für diese Amtszeit vorgenommen, die Wahlfreiheit der Schulen in Bezug auf G 8 weiter zu stärken.

Die hessische SPD spricht sich seit Jahren gegen die Schulform aus, bei der das Abitur bereits nach zwölf Jahren erreicht wird. Stattdessen setzt sich die SPD für ein Schulsystem ein, bei dem die Schüler nicht nach Schulzweigen getrennt werden, sondern bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Eine Trennung würde so erst mit Erreichen der Oberstufe erfolgen, wenn die Schüler, die nach aktuellem System die Haupt- und Realschulen besuchen, die Schule verlassen.

Weitere Entscheidungen betreffen etwa die Preise fürs Bahnfahren: Das Schülerticket, das in Hessen seit vergangenem Jahr für einen Euro am Tag angeboten wird, ist etwa durch die derzeitige Regierung zustande gekommen. Ein für junge Wähler auch relevantes Thema sind Studiengebühren, über die ebenfalls auf Landesebene entschieden wird.

Vom eigenen Wahlrecht Gebrauch zu machen ist natürlich immer wichtig – aber das Argument von Nichtwählern, sie könnten ja doch nichts an der Politik ändern, das gerade auf Regionalwahlen immer wieder angewendet wird, zieht schlicht nicht.

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