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World-Vision: Juliane Gross will etwas für andere tun

Werte prägen unseren Alltag. Sie bestimmen viele Entscheidungen mit, etwa auch die Berufswahl – wie sich bei Juliane Gross zeigt, die aus einer ganz bestimmten Motivation heraus für World Vision arbeitet.
Als Fachreferentin für Ernährung und Gesundheit entwickelt, begleitet und evaluiert Juliane Gross unterschiedliche Projekte. Bilder > Foto: Sven-Sebastian Sajak Als Fachreferentin für Ernährung und Gesundheit entwickelt, begleitet und evaluiert Juliane Gross unterschiedliche Projekte.
Friedrichsdorf. 

Juliane Gross hält sich selbst für privilegiert. Ganz einfach, weil sie in Deutschland lebt, es ihr gut geht und sie sich ihren Job aussuchen kann. „Ich habe nichts dazu beigetragen, was mir in die Wiege gelegt wurde“, sagt sie. Als es um die Berufswahl ging, habe sie sich entschieden, ihre privilegierte Position nutzen zu wollen, um für andere etwas zu tun, anderen Hilfe zukommen zu lassen, erzählt die heute 31-Jährige. Studiert hat sie Public Health und sich im Master mit Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt.

„Ich wollte schon immer bei einer Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeiten.“ Sie kam zu der Kinderhilfsorganisation World Vision. Zunächst war sie Projektmanagerin für humanitäre Hilfe in Nahost, nun ist sie Fachreferentin für Ernährung und Gesundheit. Sie muss sich mit Zahlen beschäftigen, die unvorstellbar sind: Laut Welternährungsprogramm haben 815 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Mehr als 160 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind für ihr Alter zu klein, weil sie nicht genug zu essen haben. Viele Kinder sterben an den Folgen von Hunger und Mangelernährung – das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit nennt die Zahl von 8500 Kindern täglich.

Die Liste dieser Zahlen ließe sich noch lange fortsetzen. Juliane Gross könnte auch viel zu den Ursachen sagen, zu Armut, Bürgerkriegen, Naturkatastrophen und der fehlenden Gesundheitsversorgung. Doch sie schaut, was sich tun lässt, um die Situation zu verbessern. Sie ist sowohl an der Entwicklung als auch an der Umsetzung und Evaluation von Projekten beteiligt, zuletzt etwa an zwei vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützten Projekten in Burundi und im Südsudan, die die Bewältigung der Hungerkrise zum Ziel haben: Kleinbauern werden mit innovativen Anbaumaßnahmen unterstützt. Außerdem erhalten Familien Hilfe beim Aufbau eines kleinen Küchengartens und beim gesunden und ausgewogenen Kochen. „Ein weiteres Ziel ist es, die Menschen besser auf die nächste Dürre vorzubereiten, sprich sie resilienter zu machen“, erklärt Gross.

Arbeit im Projektgebiet

Derzeit ist sie mit einem Gesundheitsprojekt in Lesotho beschäftigt. „Das übergreifende Ziel ist, die Bevölkerung, vor allem in Dörfern, besser mit Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Gesundheitsstationen zu vernetzen“, erklärt Gross. Dazu würden die vorhandenen Community Health Committees professionalisiert. Mitte Januar war sie in Lesotho und hat dort ein Training für ihre Kollegen und das Gesundheitsministerium durchgeführt. „Das Ministerium soll immer an Bord sein, da es unsere Aktivitäten weiterführen soll. Sprich: Es ging auch darum, in unseren Ansatz einzuführen und davon zu überzeugen“, sagt Gross. Wenn sie von solchen Reisen zurückkehrt, nimmt sie das Leben in Deutschland ganz anders wahr. „Ich lebe bewusster, sehe noch deutlicher, in welcher Überflussgesellschaft wir leben“, erzählt sie. Sie ist getragen von der Überzeugung: „Man verändert nicht die Welt, aber für ein paar Leute kann man etwas verbessern.“ Im Gegensatz zur Nothilfe etwa nach Naturkatastrophen seien Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit langfristig, erläutert Gross. „Zwischendurch überprüfen wir natürlich immer den Verlauf und passen unsere Arbeit an. Wichtig sei World Vision Nachhaltigkeit. „Die Menschen sollen lernen, sich selbst zu helfen.“ Ihr Kollege und Pressesprecher Dirk Bathe ergänzt: „Wenn wir ein Projekt implementieren, haben wir schon gleich die Exit-Strategie im Blick. Damit muss man rechtzeitig vorher anfangen.“ Er habe am Ende eines Projekts mal Folgendes gehört: „Liebes World-Vision-Team, es wird Zeit, dass ihr geht. Wir sind erwachsen geworden.“ Diese Aussage habe ihm gezeigt, dass in dem Projekt alles richtig gelaufen sei.

Christliche Werte

Die Arbeit von World Vision basiert auf christlichen Werten. „Als Christen bekennen wir uns zu Gott, der uns zum Dienst an unseren Mitmenschen berufen hat – im Einsatz für die Armen und Rechtlosen, in der Sorge um vernachlässigte Kinder, in der Achtung von Menschenwürde und Menschenrechten, in der Forderung nach Gerechtigkeit, im bedingungslosen Geben.“ So ist es im Wertekodex der Hilfsorganisation zu lesen. Das heißt keinesfalls, dass sie sich nur um Christen kümmert, vielmehr erfolgt die Hilfe „unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Nationalität“, wie es im Wertekodex weiterhin heißt. „In den Ländern, in denen wir arbeiten, ist der Zugang zu Religion und Kirchen ohnehin ein ganz anderer“, erläutert Gross. „Und viele unserer Mitarbeiter in den Projektgebieten sind keine Christen.“ Dennoch verkörperten sie die christlichen Werte.

Ihre Arbeit bringt schöne wie schlimme Erfahrungen mit sich. Ihr schlimmstes Erlebnis hatte sie in Ghana: „Die Kinder in einem Krankenhaus waren so stark mit HIV infiziert, dass man sie nur noch zum Tode begleiten konnte.“ Solchen schmerzhaften, schwer erträglichen Situationen stehen positive Erlebnisse gegenüber. Ein solches hatte sie in einem Flüchtlingslager in Jordanien, wo ein frühkindliches Erziehungszentrum entstehen sollte. Bei ihrem ersten Besuch dort sei alles, was ihr gezeigt wurde, plattes Land gewesen. Bei ihrem nächsten Besuch nur vier Monate später habe dort, wo zuvor nichts war, ein Gebäude gestanden, in dem fröhliche Kinder unterrichtet wurden. Sie sei beeindruckt gewesen.

Das sind die Erlebnisse, die sie – wie auch ihre Kollegen – in ihrer Arbeit immer weiter bestärken. Eine Arbeit, mit der sie anderen hilft.

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