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Adventskalender: Wir öffnen Türen: Die verwunschene Opel-Gruft

Im Schatten des Opelwerks erhebt sich das für öffentliche Augen verschlossene Mausoleum der Familie Opel. Wir haben es für Sie geöffnet.
071117OpelMausoleum_14 Foto: Heike Lyding Der Zutritt zum Mausoleum der Familie Opel ist eigentlich nur Familienmitgliedern vorbehalten.
Rüsselsheim. 

Geschmeidig dreht sich der gar nicht historisch anmutende Vierkantschlüssel im ersten Schloss am goldenen Eingangsgitter, dann öffnet der andere, ebenfalls schnörkellose Bartschlüssel die zweite Tür aus metallverkleidetem Holz. Das Opel-Mausoleum ist offen, und das ist etwas Besonderes: Der Zutritt ist eigentlich nur Familienmitgliedern vorbehalten.

Im Mausoleum, einem klassizistisch anmutenden Bau von 1924 auf dem Alten Friedhof beim Opelwerk in Rüsselsheim, ist es kalt und ziemlich dunkel. Von der gewölbten Decke baumelt ein alter, zweistufiger Kronleuchter. Halb abgebrannte Kerzen stecken darauf, Spinnweben zieren die eisernen Ornamente.

Die Wände aus rotem Marmor zieren goldene Inschriften. Zuerst fällt der Blick auf die Grabtafel von Adam und Sophie Opel in der Mitte. Die Bronze-Büste des Firmengründers steht auf einem Sockel, eingerahmt von zwei marmornen Frauenplastiken. Jemand hat einen Brief auf das Grab gelegt, ein dünner Film Staub bedeckt ihn. Zwei alte Stühle stehen zum Innehalten in den Ecken.

Frauenfiguren sind an den kurzen Seiten des Mausoleums zu sehen, die oberen Wandbereiche schmücken christliche Symbole. Der vom Frankfurter Architekten Otto Linnemann entworfene Innenraum lässt einen ehrfürchtig zurück; der Bedeutung der Familie für die Stadt wird er fraglos gerecht.

Zugang unterm Teppich

Alle fünf Opel-Söhne liegen hier, dazu noch viele weitere direkte Nachfahren der Familie. Die Inschriften auf den Grabplatten zeugen von fast 30 Begrabenen, die tief unter dem Mausoleum in der Gruft ruhen.

Unter dem schweren Perserteppich in der Mitte des Innenraums befindet sich versteckt der Zugang, aber „das ist ein Riesenaufwand, da rein zu kommen“, erklärt Carsten Rückert von „Anna Blume Floristik“.

Erst einmal war er in der Gruft, die schweren Steinplatten werden nur bei Begräbnissen angehoben. Durch eine Wand wird der Grabraum mit den Särgen von jenem mit den Urnen getrennt. Wie genau es dort aussieht, bleibt also für Normalbürger der Fantasie überlassen.

Der floristische Betrieb von Rückerts Großmutter hat schon immer den Auftrag, das Mausoleum zu pflegen und mit Blumen auszustatten. Zu dieser Jahreszeit sind es Christrosen, Silberdraht und frisches Grün, mal in Gestecken, mal in Pflanzschalen. Wie oft sie betrachtet werden und Trost spenden, weiß keiner – aber sie sind da, und das ist wichtig für mögliche Besucher.

Zugang haben nur wenige Personen – darunter natürlich auch die Nachfahren der Familie. Gunter Sachs, der Sohn von Elinor Kirchner von Opel, kam regelmäßig, Carlo von Opel, der in Mainz lebt, ist heute noch öfter dort. „Das Mausoleum führt die weit verstreute Familie zusammen, es ist der gemeinsame Punkt“, sagt er.

Dass die Gedenkstätte auch für Rüsselsheimer und Touristen interessant wäre, bestreitet er nicht. „Der Andrang war immens“, sagt auch die Kunsthistorikerin Dr. Cordula Steffen-Hammes, die im Frühjahr 2017 durchs Mausoleum führte.

Besondere Atmosphäre

Vielleicht würde das Mausoleum damit aber auch seine verwunschene Atmosphäre verlieren, schließlich verschönert Fantasie die Realität ganz erheblich. Dennoch: Die Gedenkstätte gehört zur Rüsselsheimer Stadtgeschichte. Ein kanadisches Touristenpaar, das zufällig vorbeikam, als Carsten Rückert im Mausoleum arbeitete, stellte ganz erstaunt und treffend fest: „Hey – this is history!“

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