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Unglück: Tödliche Beißattacken: Kommt der Hundeführerschein?

Von Noch sind nicht alle Einzelheiten rund um die tödliche Hundebissattacke auf ein Baby im Odenwald geklärt. Die Debatte um die Einführung eines Hundeführerscheins nimmt aber Fahrt auf.
Symbolbild Foto: imago Symbolbild
Frankfurt. 

Der kleine Jannis aus Bad König im Odenwald wurde nur sieben Monate alt. „Kowu“, ein Staffordshire-Mischling, biss dem Jungen in den Kopf. Das Kind starb an seinen Verletzungen. Kurz zuvor starben zwei Menschen in der Nähe von Hannover. Der „Täter“: Familienhund „Chico“. Der Staffordshire-Mix hatte Mutter und Sohn totgebissen.

Um solche tödlichen Hundeattacken zu verhindern, macht sich die Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Madeleine Martin, für einen generellen Hundeführerschein stark. „Jeder, der einen Hund hält, sollte diese Qualifikation haben“, fordert die Tierschutzbeauftragte. Hierbei sollten die Halter unter anderem Kenntnisse über die Erziehung und das Verhalten von Hunden erhalten. „Den Hundeführerschein sollten nicht nur die Besitzer großer Hunde machen“, so die Veterinärmedizinerin weiter.

Madeleine Martin möchte die Diskussion versachlichen, wenn sie sagt: „Den gefährlichen Hund per se gibt es nicht.“ Wenn ein Tier aggressiv sei oder werde, könnten die Gründe in seiner genetischen Disposition oder an einer tierquälerischen Haltung liegen.

Nicht nur Kampfhunde

Die „Beißstatistik“ der hessischen Polizei zeigt, dass keineswegs nur „Kampfhunde“ gefährlich sein können. So lag der Anteil dieser „Listenhunde“ – so werden gefährliche Rassen in der Hundeverordnung des Landes genannt – an den rund 300 Beißattacken auf Menschen in Hessen im Jahr 2016 bei knapp 13 Prozent.

„Insgesamt liegt der Anteil von ,Listenhunden‘ an Beißvorfällen in den Jahren 2000 bis 2016 bei durchschnittlich rund sieben Prozent. Diese Zahlen belegen, dass Beißvorfälle gegenüber Menschen bei ,Listenhunden‘ abgenommen haben“, bilanziert Benjamin Crisolli, Sprecher des hessischen Innenministeriums.

Zum Schutz anderer Menschen müssen bissige Hunde einen Maulkorb tragen. Foto: Ulrich Perrey
Kommentar Hundeattacken: Keine Gnade

clearing

Auch in der Stadt Frankfurt halten sich offenbar die Beißvorfälle mit solchen Hunden in Grenzen. Genau 290 dieser Tiere sind bei der Ordnungsbehörde gemeldet. Nach Auskunft des Ordnungsamtssprechers Michael Jenisch gab es im zurückliegenden Jahr vier „Zwischenfälle“ mit Listenhunden. Dabei sei in einem Fall ein Mensch verletzt worden und in drei weiteren Fällen andere Hunde.

In Offenbach waren im vergangenen Jahr 231 als gefährlich eingeschätzte Hunde gemeldet. Wie Offenbachs Ordnungsamtschef Peter Weigand mitteilte, wurden durch Vorfälle mit Listenhunden 13 Menschen und zehn Hunde verletzt.

Kein Kauf aus Mitleid

Hessens Tierschutzbeauftragte Martin sieht bei derartigen Vorfällen auch die Halter der Tiere in der Verantwortung. Das gehe schon beim Kauf eines Tieres los. „Viele Menschen kauften einen Hund und machen sich keine Gedanken, ob das Tier auch zu ihrem Leben und ihrer aktuellen Lebenssituation passt“, so Martin.

Die Hunde würden wie Konsumartikel gekauft. Auch einen Hund aus Mitleid zu kaufen, ist nach Meinung der Tierschutzexpertin kein gutes Motiv. Nicht wenige dieser aus einer Laune heraus gekauften Hunde landeten früher oder später im
Tierheim, weil ihre Besitzer nicht mehr mit ihnen „klarkommen“.

Die tödliche Hundebissattacke in Bad König beschäftigt auch die Politik. Die SPD unterstützt die Forderung nach Einführung eines Hundeführerscheins, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Günter Rudolph. Linke und Grüne halten eine „Sachkundeprüfung“ für Hundehalter für wichtig. Die CDU verwies auf den Koalitionsvertrag mit den Grünen.
Darin sprechen sich die Bündnispartner für eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht der Hunde aus. Damit soll die Sachkunde der Halter verbessert werden. Wolfgang Greilich (FDP) sagte hingegen, ein verpflichtender Sachkundenachweis schaffe nur Bürokratie und hätte auch den tragischen Vorfall mit dem Baby in Bad König nicht verhindert.

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