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Verkehr: Neue hessenweite Jahreskarte - ein Ticket, auf das Schüler abfahren

Von Sie ist scheckkartengroß, aus Plastik und wohl einer der Gegenstände, die hessische Jugendliche neben dem Smartphone am häufigsten mit sich führen: Seit einem Jahr gibt es das Schülerticket in Hessen, und das hat sich in dieser Zeit zu einem wahren Erfolgsmodell entwickelt.
Erster Werktag ohne S-Bahntunnel in Frankfurt Foto: Christoph Schmidt (dpa) Generation ÖPNV: Bahnfahren ist seit Einführung des Schülertickets für Jugendliche deutlich attraktiver geworden.
Wiesbaden. 

An der Verkaufsstelle des Verkehrsverbundes Frankfurt (VGF) geht es dieser Tage manchmal zu wie im sprichwörtlichen Taubenschlag. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, bis zu vier Mitarbeiter des Unternehmens sind an einem Stand vor dem Ticketcenter damit beschäftigt, Anträge entgegen zu nehmen und Beratungsgespräche zu führen. Die erhöhte Schlagzahl kommt nicht von Ungefähr. Sie ist dem Schülerticket geschuldet, das sich viele Jugendliche zum Schulbeginn besorgen möchten.

Es ist eine Momentaufnahme aus der Praxis, die zugleich veranschaulicht, dass die Jahreskarte zum Preis von 365 Euro nach wie vor heiß begehrt ist. Oder wie Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, es ausdrückt: „Der Boom hört nicht auf.“

Ein Jahr nach der Einführung des hessenweiten Tickets für Schüler und Azubis zog Ringat gestern zusammen mit Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und seinem Kollegen Wolfgang Rausch vom Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) eine Bilanz des neuen Angebots. Und die fiel, O-Ton Al-Wazir, „exorbitant“ gut aus.

Vorbehalte widerlegt

Seit dem Start sei das Ticket 407 000 Mal verkauft worden. Hingegen seien im Schuljahr 2015/16, als es das landesweite Angebot noch nicht gab, 255 000 Schülerjahreskarten verkauft worden. Die Zahl der verkauften Schülerjahreskarten sei damit seit dem Schuljahr 2015/16 um fast 60 Prozent gestiegen, sagte Al-Wazir. Vor allem im freien Verkauf seien die Zuwächse überproportional. Mit freiem Verkauf gemeint sind die Karten, bei denen kein Anspruch auf Erstattung des Kaufpreises besteht, also etwa bei Oberstufenschülern oder bei zu geringem Schulweg.

Auch in den einzelnen Verkehrsverbünden des Landes fällt die erste Auswertung überaus positiv aus. Im Bereich des RMV etwa wurden 337 000 Tickets verkauft; ein Jahr zuvor waren es noch 220 000. „Wir haben deutlich mehr als 40 Prozent mehr Fahrkarten an Schüler und Auszubildende abgesetzt“, sagte RMV-Geschäftsführer Ringat, der das Schülerticket eines der „erfolgreichsten Tarifprodukte“ in Hessen nannte. Viele hätten zu Beginn Vorbehalte gehabt, zumal sie der Meinung gewesen seien, mit der bis dato angebotenen Clever Card sei der Markt bereits abgegrast.

Verbilligte Jahreskarte für Senioren über 65

Wenn es nach Verkehrsminister Al-Wazir und den Verkehrsverbünden geht, bleibt eine hessenweite Jahreskarte nicht auf Schüler und Azubis beschränkt.

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„Ich bin von den Zahlen überrascht“, sagte NNV-Chef Wolfgang Rausch, der einst auch zu den Skeptikern gehörte, wie er zugab. Nach einem Jahr konstatierte der Mann aus Nordhessen jedoch Zuwächse bei verkauften Schülerkarten die im freien Verkauf weggingen. Mittlerweile seien über 29 500 Plastikkarten abgesetzt worden, jetzt warte man auf den 30 000sten Käufer. „Das zeigt, dass das Ticket gerade auch im ländlichen Raum auf eine große Nachfrage stößt.“ Vor allem an den Wochenenden seien die Züge nach Frankfurt, Kassel und Darmstadt voll.

Weniger Elterntaxi

Wie sich die Mobilitätsinnovation finanziell auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Zur Finanzierung des verbilligten Tickets schießt die Landesregierung pro Schuljahr 20 Millionen Euro Landesmittel zu. Ob dies ausreicht, könne derzeit noch nicht beurteilt werden, sagte RMV-Geschäftsführer Ringat. Erst nach Abrechnung des kompletten Schuljahrs sei eine abschließende Betrachtung möglich. „Bei 400 000 verkauften Tickets brauchen wir vielleicht etwas weniger als 20 Millionen“, zeigte sich Al-Wazir zuversichtlich.

Was jedoch bereits feststeht, ist, dass das bundesweit einmalige Modell zu Verhaltensänderungen geführt hat. Nach einer wissenschaftlichen Studie, die das Projekt begleitet, fährt mehr als jeder vierte Schüler mit dem Jahresticket seitdem häufiger mit Bus und Bahn. 20 Prozent der Eltern sagen, dass sie seitdem ihr Kind weniger durch die Gegend kutschieren. Fünf Prozent haben ihren Pkw schon eingespart, viele weitere denken darüber nach.

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