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Lust am Querdenken: Inez Florschütz bringt frischen Wind in das 100 Jahre alte Deutsche Ledermuseum in Offenbach

Seit fast drei Jahren leitet Inez Florschütz das Deutsche Ledermuseum in Offenbach. Schon als Mädchen bewunderte sie die Handtaschen ihrer Großmutter. Heute will sie die Vielfalt der Lederobjekte modern präsentieren und trotzdem dabei deren Geschichte erzählen.
Foto: Leonhard Hamerski
Offenbach. 

Eine Museumsdirektorin nach ihrem Lieblingsstück zu fragen, ist etwas heikel. Was soll Inez Florschütz auch sagen angesichts von 30 000 Objekten in den Ausstellungsräumen und vor allem im Magazin des Deutschen Ledermuseums in Offenbach. Seit fast drei Jahren ist sie nun Direktorin dieser weltweit einzigartigen Sammlung und nimmt sich noch immer ab und zu einen halben Tag, um im Magazin weitere Stücke zu entdecken.

Weg von vollen Vitrinen hin zur Präsentation einzelner Objekte mit ihrer Geschichte, diesen Museumstrend will Inez Florschütz für das Ledermuseum aufgreifen und vieles, was in die Jahre gekommen ist, ändern. Eine große Aufgabe, die sie „sehr gereizt“ habe. Sie sei „positiv gestimmt“ und freue sich über jede kleine und große Veränderung, sagt sie. Dazu gehört die Jubiläumsausstellung „Leder.Welt.Geschichte.“ zum 100-jährigen Bestehen des Hauses, die am Freitag, 15. September, eröffnet wird.

130 Exponate

Ein Lieblingsstück aus den 130 Exponaten der Jubiläumsschau kann die Direktorin nicht nennen. Doch sie erzählt vom Spielzeugelefanten aus Leder (1710–1715), auf dem der spätere französische König Ludwig XV. geritten ist, so groß wie ein Baby-Elefant und täuschend echt. Ins Ledermuseum sei das Spielzeug gekommen, weil der Gründer Hugo Eberhardt es im Kunsthandel gekauft habe, sagt Florschütz.

Sie schätze es, wenn „der Nutzen und die Gestaltung“ eines Objekts zusammenkämen, sagt sie. Dazu gehöre zum Beispiel ein Anorak aus getrocknetem Seehunddarm, den die Inuits im 19. Jahrhundert fertigten, weil sie wirklich alles von den erlegten Tieren verwerteten. Er ist nicht nur winddicht, sondern auch schön anzusehen in unterschiedlichen Weißtönen und mit Borten an den Rändern.

Schöne Dinge aus Leder bewunderte die heute 51-Jährige schon als Mädchen in ihrer Kindheit in Nürnberg. Mutter und Großmutter, eine gelernte Schneiderin, zogen sich gern schick an und zum Sonntagsstaat gehörten Handtaschen aus der berühmten Lederstadt Offenbach. „In meiner Familie wurde auf Wertigkeit geachtet“, sagt Florschütz. Das sollte ihrer Ansicht nach auch die Aufgabe des Ledermuseums sein. Dazu gehörten Fragen nach der Herstellung und den Umweltauswirkungen von Leder, Alternativen wie Kunstimitate und pflanzliche Leder. Alles zu sehen in der noch bis zum 22. Oktober laufenden Schau „Linking Leather. Die Vielfalt des Leders“.

Zehn Jahre in München

Querdenken will Florschütz, vor allem über die drei Sammlungsbereiche Angewandte Kunst, Ethnologie und Deutsches Schuhmuseum hinweg. Die Lust am Querdenken ist auch an ihrem Lebenslauf abzulesen. Sie studierte im Hauptfach Geschichte, dazu Germanistik und Soziologie in Erlangen, promovierte 1998 über „Die Fabrik in der bayerischen Frühindustrie. Arbeit und Architektur“, arbeitete rund zehn Jahre in unterschiedlichen Abteilungen am Architekturmuseum der TU München und später als Leiterin von Marketing und Kommunikation am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem größten kulturgeschichtlichen Museum im deutschsprachigen Raum.

Nicht die Erste

Am 1. November 2014 übernahm sie mit 49 Jahren die Museumsleitung in Offenbach. Dort ist sie nicht die erste Direktorin, in den 1990er Jahren lenkte schon Renate Wente-Lukas die Geschicke. Trotzdem sind Frauen noch keine Selbstverständlichkeit in Museumsleitungen.

Je weiter es nach oben geht, desto eher „gibt es doch eine gewisse gläserne Decke“, sagt Florschütz. Sie selbst sei zwar auch von Männern gefördert worden, „aber bis heute können Sie auf Männer stoßen, die noch nicht wahrgenommen haben, wie weit wir sind“. Als Chefin wünsche sie sich ein gemischtes Team. Doch eingestellt habe sie bisher ausschließlich Frauen – weil sie meist qualifizierter seien.

Für das Volontariat im Offenbacher Museum habe sie 200 Bewerbungen bekommen, sehr wenige von Männern. Und dann seien die Männer, die sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen habe, „nicht so gut vorbereitet gewesen wie die Frauen“.

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