E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 17°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Influenza: Grippewelle und kein Ende

Von Seit Wochen grassiert im Rhein-Main-Gebiet wie überall in Deutschland die heftigste Grippewelle seit Jahren. Und auch wenn Sonnenschein und steigende Temperaturen Entwarnung suggerieren, kann derzeit von einem Ende keine Rede sein.
Ein Mann liegt mit Grippe im Bett und misst Fieber. Foto: Andreas Gebert/dpa Ein Mann liegt mit Grippe im Bett und misst Fieber.
Frankfurt/Hochtaunus. 

Um sich ein Bild von der „Grippefront“ in Rhein-Main zu machen, genügte am gestrigen Montag allein ein Blick in die Notaufnahme des Höchster Klinikums. Im Moment seien dort 35 Grippe-Patienten, beschrieb Dr. Peter-Friedrich Petersen, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme die Szenerie in seinem Haus gegen 14 Uhr. „Das ist sehr viel“, kommentierte der Mediziner diese Zahl angesichts von im Durchschnitt 120 bis 140 Patienten, die man dort pro Tag verzeichnet – Grippefälle inklusive versteht sich.

35 000 Kranke pro Woche

Für das Klinikum ist dieser Ansturm nichts Ungewöhnliches. Vor allem seit Mitte Februar habe die Grippewelle richtig angezogen, sagte Petersen. Und die meisten Erkrankungen seien dabei von sogenannten Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie ausgelöst worden. Folge davon ist jedenfalls laut dem Chefarzt eine „grenzwertige“ Belastung“ für die Ärzte, auch wenn man viele Patienten wieder nach Hause schicke, wenn sie einigermaßen fit seien.

Ein ähnliches Bild vermitteln die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg. „Die Notaufnahme ist voll, es gibt lange Wartezeiten“, berichtete Geschäftsführerin Julia Hefty. Sogar die Intensivstation sei ordentlich mit Grippepatienten belegt. Von einem Abflauen könne im Moment noch keine Rede sein.

Zwei Momentaufnahmen, die typisch sind in diesen Tagen, in denen ganz Deutschland nach wie vor fest im Griff der heftigsten Grippewelle seit zehn Jahren ist, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet. Wie gravierend die Situation ist, zeigt bereits ein Blick auf die Zahlen des RKI, das sämtliche amtlich bestätigten Fälle auflistet. So sind zwischen Oktober 2017 und Ende Februar 2018 bundesweit rund 119 500 Menschen an der Influenza erkrankt. Rund 35 300 neue Erkrankungen kamen allein in der achten Kalenderwoche dieses Jahres, also vom 19. bis zum 25. Februar hinzu, dem aktuellsten Erfassungszeitraum.

Hessen befindet sich dabei zwar nicht an der Spitze der Influenza-Pyramide, lag aber zuletzt mit insgesamt 275 Patienten über dem Bundesdurchschnitt von 271 Fällen. Das ist in diesem Jahr der bisher höchste Stand.

„Aktuell gehen in Hessen 2,7 mal mehr Menschen zum Arzt als sonst“, bestätigte Petra Bendrich, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KAV), die Zahlen des RKI. Die KAV nimmt außerhalb der Praxis-Sprechzeiten sämtliche Anrufe von hessischen Patienten an, die über die bundesweit einheitliche Telefonnummer 116 117 Hilfe suchen. Offenbar ist das derzeit überproportional der Fall.

Keine Entwarnung

Am vergangenen Wochenende etwa war der ärztliche Bereitschaftsdienst besonders stark von der Grippewelle betroffen, macht Bendrich deutlich. Und das in doppelter Hinsicht. Nicht nur Kranke bestürmten den Dienst, auch eigene Mitarbeiter waren erkrankt. Die Folge waren längere Wartezeiten als sonst in den beiden Dispositionszentralen des Bereitschaftsdienstes in Frankfurt und Kassel.

Vereinfacht erklärt gibt der Praxisindex an, wie viele Menschen eine Arztpraxis wegen einer akuten Atemwegserkrankung aufsuchen. Bis zu einem Wert von 115 spricht man von „Hintergrund-Aktivität“ (gestrichelte Linie), ab einem Wert von größer 180 von „stark erhöhter Aktivität“. Quelle: RKI Bild-Zoom
Vereinfacht erklärt gibt der Praxisindex an, wie viele Menschen eine Arztpraxis wegen einer akuten Atemwegserkrankung aufsuchen. Bis zu einem Wert von 115 spricht man von „Hintergrund-Aktivität“ (gestrichelte Linie), ab einem Wert von größer 180 von „stark erhöhter Aktivität“. Quelle: RKI

Auch außerhalb der Gesundheitseinrichtungen hinterlässt die Krankheitswelle ihre Spuren. Zum Beispiel in den 144 städtischen Kitas in Frankfurt, die besonders stark von der Grippe und anderen jahreszeitlich bedingten Krankheiten gebeutelt sind. „Noch keine Entwarnung“, meldete gestern deren pädagogische Leiterin Petra Strobel. Zwar habe man noch keine Einrichtung schließen müssen. Es gebe aber nach wie vor spätere Öffnungszeiten, frühere Schlusszeiten und Zusammenlegungen von ausgedünnten Gruppen. Ein Zustand, der noch eine Weile anhalten könnte, wenn man sich bei den Fachleuten umhört.

Die KAV Hessen etwa geht vorerst nicht von einer wesentlichen Änderung der Situation aus. „Wir erwarten noch keine Entspannung“, sagt KAV-Sprecherin Bendrich. „Ich kann nicht sagen, ob der Höhepunkt bereits erreicht ist“, zeigt sich auch Dr. Antoni Walczok, Infektologe am Gesundheitsamt Frankfurt, nicht sehr optimistisch. Derzeit verzeichne man 350 Meldungen ausgewiesener Grippe pro Woche, 2017 habe der Schnitt bei 120 gelegen.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen