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Interview: Expertin: "Gefährliche Hunde einschläfern"

Mit der Hundetrainerin Anita Balser sprach Dieter Hintermeier über gefährliche Hunde, die Rationalität von Tierschützern und die Resozialisierung eines Hundes, der Menschen getötet hat.
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Frau Balser, die Emotionen schlagen hoch. Ganz Deutschland diskutiert über die tödlichen Hundeattacken in Hannover und Bad König. Hunderttausende haben mittlerweile eine Online-Petition unterschrieben und fordern, dass „Chico“, der zwei Menschen tötete, nicht eingeschläfert wird. Was ist davon zu halten?

ANITA BALSER: Sie werden in Deutschland keinen Fachexperten oder anerkannten Hundetrainer, finden, der „Free Chico“ schreit. Hier gibt es eine überraschend große Einigkeit, dass der Hund eingeschläfert werden muss. Alle Menschen, die sich jetzt für „Chico“ einsetzen, sollen sich fragen, ob sie auch eine solche Petitionen unterschreiben würden, wenn „Chico“ ihre Hunde totgebissen hätte. Vielen dieser Menschen liegt der Hund offenbar mehr am Herzen, als zwei tote Menschen. 

Was macht einen Hund eigentlich gefährlich?

BALSER: Es sind drei Faktoren. Das ist zum einem die Beißkraft und zum anderen die Beschaffenheit des Kiefers. Hinzu kommt die Muskelmasse am Kopf. Insofern ist es klar, dass ein Schäferhund oder ein Hund wie „Chico“ einen größeren Schaden anrichten kann, als ein Zwergpudel.

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Unglück Tödliche Beißattacken: Kommt der Hundeführerschein?

Noch sind nicht alle Einzelheiten rund um die tödliche Hundebissattacke auf ein Baby im Odenwald geklärt. Die Debatte um die Einführung eines Hundeführerscheins nimmt aber Fahrt auf.

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Blicken wir auf die Fälle in Hannover und im Odenwald? Haben denn Hunde keine Beißhemmungen?

BALSER: Ein Beißhemmung ist Hunden nicht angeboren, das müssen sie erlernen. Der Welpe, der seine Geschwister beißt, wird merken, dass diese schreien, wenn er zu fest zubeißt. Seine Mutter wird ihn dann korrigieren. Hat er das alles im weiteren Verlauf dann auch von seinem Menschen nicht gelernt, kann keine Beißhemmung gottgegeben erwartet werden.

Zurück zu „Chico“. Tierschützer denken, der Hund sei resozialisierbar. Kann das funktionieren?

BALSER: Der Hund ist sieben Jahre alt und hat zwei Menschen getötet. Diese Frage stellt sich hier nicht. Der Hund ist nicht resozialisierbar, das ist nicht möglich. Und wie soll das aussehen? Soll er sein restliches Leben an der kurzen Leine und mit Maulkorb ausgeführt werden und den Rest des Tages in einem Käfig verbringen?

Zum Schutz anderer Menschen müssen bissige Hunde einen Maulkorb tragen. Foto: Ulrich Perrey
Kommentar Hundeattacken: Keine Gnade

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In Bad König hat ein Hund ein sieben Monate altes Kleinkind totgebissen. Was kann hier schiefgelaufen sein?

BALSER: Ein großer Teil der Beziehung zwischen Mensch und Hund besteht aus Respekt des Tieres gegen über dem Menschen. Zuneigung zwischen beiden ist in dieser Beziehung zwar auch wichtig, damit wird der Hund aber meiner Erfahrung nach eher überschüttet. Ich frage mich in diesem Fall, wie ein sieben Monate altes Kleinkind für einen Hund eine Respektsperson sein kann. Natürlich kann man jedem Hund auch beibringen, dass das Baby tabu ist. Aber dann muss diese Respektsperson auch da sein.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass Hunde aggressiv werden, wenn sie unter einer schlechten Haltung leiden. Ist da etwas ’dran?

BALSER: Ich kenne eine Menge Hunde, die unter suboptimalen Bedingungen leben und die trotzdem nicht ihre Besitzer töten. Auf der anderen Seite kenne ich Hunde, die ein gutes Leben führen und trotzdem Menschen gegenüber aggressiv werden. Aus der Haltung Schlüsse auf die Aggressivität der Hunde zu schließen, halte ich für zu kurz gegriffen.

Was sollte denn jemand beachten, wenn er damit liebäugelt, sich einen Hund zu kaufen?

BALSER: Er sollte auf jeden Fall zum Hundetraining gehen und eine Respektbeziehung zu seinem Hund aufbauen. Respektiert das Tier den Menschen, dann treten später bestimmte Probleme mit dem Hund gar nicht erst auf. Jedenfalls sollte der Hund so gehalten werden, dass er für Menschen und andere Tiere keine Gefahr darstellt. Wer das nicht kann, der sollte sich keinen Hund anschaffen.

Die hessische Tierschutzbeauftragte und politische Parteien machen sich für einen Hundeführerschein stark. Eine sinnvolle Maßnahme?

BALSER: Es ist ein guter Ansatz, dass ein Hundehalter seine Sachkunde nachweisen muss. Das ist besser als nichts. Aber auch ein guter, ausbaufähiger Ansatz.

Wir haben bei unserem Gespräch den Begriff „Kampfhunde“ vermieden, obwohl „Chico“ und der Hund aus Bad König sogenannte Listenhunde sind, die von den Ordnungsämtern der Kommunen als gefährlich eingestuft werden. In der Öffentlichkeit sind diese aber rar geworden. Ist der Eindruck falsch?

BALSER: Nein, das ist auch mein subjektiver Eindruck. Ich glaube, dass sich viele Menschen die hohe Steuer für diese Hunde nicht mehr leisten können beziehungsweise wollen.

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