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Urlaub: Dürfen Eltern die Ferien der Kinder verlängern?

Von Immer wieder sind Schüler schon am vorletzten Schultag auf dem Weg in den Urlaub. Das Gesetz sieht dafür zwar Geldbußen vor – die Umsetzung scheitert aber an einem einfachen Trick.
Ferienbeginn in Frankfurt Foto: Arne Dedert (dpa) Nicht alle Kinder bleiben bis zum letzten Schultag – manche sind mit ihren Eltern schon früher auf dem Weg in den Urlaub.
Rhein-Main. 

Am kommenden Freitag, dem letzten Tag vor den Weihnachtsferien, wird wieder so mancher Sitzplatz in hessischen Klassenzimmern frei bleiben. Die fehlenden Schüler: Längst auf dem Weg in den Urlaub. In der Hoffnung Autobahnstaus und erhöhte Ticketpreise vermeiden zu können, scheinen Eltern immer wieder gewillt, die Schulpflicht ihrer Kinder zu umgehen. In der Theorie lässt das Hessische Schulgesetz dafür kaum Spielraum – in der Praxis ist der vorzeitige Ferienbeginn aber an vielen Schulen im Rhein-Main-Gebiet ein altbekanntes Phänomen.

„Dass Kinder verfrüht in die Ferien gehen, kommt regelmäßig vor“, sagt beispielsweise Heide Fuhrmann, Direktorin der Hölderlin-Grundschule in Bad Homburg. „Eigentlich sollten das seltene Ausnahmen sein“, weiß sie. Tatsächlich hätten manche Eltern bislang aber nicht begriffen, dass diese Ausnahme nicht regelmäßig zur Ferienzeit gemacht werden kann.

Ferienverlängerung selten

Als Schulleiterin darf Heide Fuhrmann zusätzliche schulfreie Tage nach oder vor den Ferien genehmigen. Das Schulgesetz sieht vor, dass Erziehungsberechtigte eine Ferienverlängerung mit vier Wochen Vorlauf schriftlich beantragen können. Die Schulleitung entscheidet dann, ob der Grund für die geplante Abwesenheit auch wichtig genug ist.

Von seiten der Schulämter sind die Schulen dazu angehalten, streng zu urteilen. Sie sollen einer kurzzeitigen Aufhebung der Schulpflicht nur in Notfällen zustimmen – beispielsweise, wenn ein Familienmitglied im Ausland schwer erkrankt ist. Trotz dieser Regelung werden über alle Schulformen hinweg aber auch am Donnerstag wieder Schüler ihren letzten Schultag vorzeitig feiern. „Das wird auch nie ganz aussterben“, räumt Philipp Bender, Sprecher des Kultusministeriums, ein. Fallzahlen seien nicht erfasst, vor den Sommerferien häuften sich aber erfahrungsgemäß die Vorfälle. Die Schulen berichten derweil von regelmäßigen Einzelfällen

Nicht genehmigte Fehltage können Schulen als Ordnungswidrigkeiten geltend machen. Im Schulgesetz steht sogar eine Sonderregelung für Fehltage unmittelbar vor oder nach den Ferien: Es drohen Bußgelder bis zu 150 Euro, für Wiederholungstäter kann es deutlich teurer werden. Rechtliche Schritte bleiben aber selten – auch wenn Schulleiterin Fuhrmann in hartnäckigen Fällen dazu bereit wäre, wie sie sagt. Dank der Methode Krankmeldung tricksen die Eltern allerdings das System aus: „Wir haben leider schon erlebt, dass Eltern am Freitag Atteste einreichen, in denen steht, dass ihr Kind am Montag krank sein wird“, erzählt die Pädagogin.

Die Kontrolle der Schulschwänzer sei also schwierig, sagt auch Bender. Dass die Polizei zu Ferienbeginn am Flughafen kontrolliere, ob die Kinder statt im Flieger, eigentlich im Krankenbett oder in der Schule sein müssten, ist im übrigen ein Ammenmärchen Bender bestätigt: „Das Kultusministerium hat niemanden extra mit Kontrollen beauftragt.“

Frage der Moral

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) appelliert derweil an das Gewissen der Erziehungsberechtigten: „Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind den Unterricht schwänzt, sind sie oft völlig entsetzt“, sagt Stefan Wesselmann, der VBE-Landesvorsitzende. „Aber wenn es um den Urlaub geht, lassen sie andere Regeln gelten und vergessen, dass sie selbst Vorbildfunktion haben.“ So würde der Eindruck vermittelt, Schule sei nicht wichtig und man könne das Schulgesetz einfach umgehen.

Auch Schulleiterin Fuhrmann ärgert es, wenn die Eltern sich nicht um die Schulpflicht scheren. Dabei ist die Direktorin durchaus bereit, milde zu urteilen: „Mich hat mal ein Vater gefragt, ob sein Kind etwas früher freihaben könne. Einen Urlaub hätte er sich sonst überhaupt nicht leisten können. Da haben wir tatsächlich eine dieser seltenen Ausnahmen gemacht.“

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