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Bus-Chaos in Rhein-Main: Das ist das Geschäft mit dem Busverkehr

Von Seit einer Woche schon stöhnen Kunden im Hoch- und Main-Taunus-Kreis, weil es im Busverkehr zu massiven Verspätungen und Ausfällen kommt. Bei der Forschung nach Ursachen lohnt ein Blick hinter die Kulissen der Branche. Dort herrscht ein knallharter Verdrängungswettbewerb, der zu kuriosen Situationen führt.
Foto: Sven-Sebastian Sajak
Frankfurt. 

Einst dominierten Gelb und Weinrot den Omnibusverkehr auf dem Lande. Postbusse und Bahnbusse – beide von Staatsbetrieben betrieben – verbanden die ländlichen Regionen mit den Städten. Der innerstädtische Busnahverkehr wurde zumeist von den städtischen Verkehrsbetrieben übernommen.

Früher war nicht immer alles besser. Sehr wohl aber besser geordnet und manches konstanter – zumindest beim öffentlichen Nahverkehr auf der Straße. Mit den Jahren kam Bewegung in den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV). Im Auftrag der Landkreise waren plötzlich örtliche und regionale Busunternehmen in der Region unterwegs. Nahverkehrsnetze sind und bleiben ein Zuschussgeschäft. Städte und Kommunen nehmen das in Kauf, weil sie ein Verkehrsangebot für die gesamte Bevölkerung sicherstellen müssen. „Daseinsfürsorge der Bürger durch den ÖPNV“, heißt der gesetzlich geregelte Auftrag, den sie durch ihre lokalen Nahverkehrsgesellschaften wahrnehmen.

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Weitere Subunternehmer

Dafür müssen Städte und Kommunen den Busverkehr immer wieder – etwa alle acht Jahre – europaweit ausschreiben. Der günstigste Bieter bekommt den Zuschlag. So will es der Gesetzgeber. Ziel ist es, dadurch den Haushalt der Städte und Landkreise zu schonen.

Kritiker sehen in dem logischerweise entstehenden Preisdruck den eigentlichen Grund für das jährlich Mitte Dezember irgendwo in Hessen wiederkehrende Bus-Chaos. Denn gespart werden kann nur am Personal und an der Struktur des Unternehmens. Diesen Preiskampf können nur noch große Verkehrsgesellschaften gewinnen, die bundesweit und zum Teil europaweit aktiv sind: Mit einer zentralen Verwaltung – und vielen operativen Einheiten vor Ort. Regionale Omnibusbetriebe, deren Busfahrer die Straßen in Stadt und Land kennen, werden vom Markt verdrängt – oder sie fahren für Subunternehmen der drei großen Busgesellschaften in Hessen. Mit immer geringeren Margen. Das führt zu kuriosen Situationen.

(Symbolbild)
Bus-Chaos im Rhein-Main-Gebiet Sehen Sie hier: Der Bus-Ausfallplan für den 20. Dezember

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So hat die HLB Hessenbus GmbH aktuell die Buslinien im nördlichen Hochtaunuskreis übernommen. Doch das im Usinger Land seit Jahrzehnten aktive Busunternehmen mit seinen ortskundigen Busfahrern wurde ausgebootet.

Operative Einheiten

Neben den eigenen 15 neuen Bussen hat die HLB ortsfremde Busunternehmen als Subunternehmen beauftragt: Die Busfahrer von Keller-Reisen aus Biskirchen (Lahn-Dill-Kreis) und der Firma Roth-Reisen aus Hünfelden (Landkreis Limburg-Weilburg) werden weit weg von der Heimat auf fremde Straßen geschickt. Auch die in der Kritik stehende DB Busverkehr Hessen GmbH (BVH) hat eine Verwaltung (in Gießen) und zahlreiche operative Einheiten vor Ort. Die BVH wurde 2011 als Billigschwester der (bald schließenden) Regionalverkehr Kurhessen GmbH (RKH) gegründet und gehört zu DB Regio. DB Regio verfügt bundesweit über 40 vergleichbare Busgesellschaften, die sich auf dem deutschen Markt im knallharten Wettbewerb mit immer massiver aus dem europäischen Ausland auftretenden Transportkonzernen befinden.

Die hessische Sparte steht nach eigenen Angaben für „besondere Qualität“ und bedient hessenweit sowohl den Regional- als auch den Stadtverkehr. „Mit unserer Flotte von derzeit 360 Bussen durchqueren wir täglich die Landkreise Hessens“, so die BVH, Arbeitgeber für 480 Mitarbeiter – darunter vor allem Busfahrer. „Jährlich werden dabei 15 147 501 Kilometer zurückgelegt.“

Städte und Landkreise müssen ihren ÖPNV auf der Straße alle acht bis zehn Jahre europaweit ausschreiben. Sie planen den Busverkehr durch ihre eigenen Lokalen Nahverkehrsorganisationen (LNO).

In Frankfurt ist das die Traffiq, im Main-Taunus-Kreis die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft MTV, im Hochtaunuskreis die Verkehrsgesellschaft Hochtaunus (VHT). Im Landkreis Limburg Weilburg die Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil (VLDW), Im Wetteraukreis die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO).

„Diese Gesellschaften sind die wichtigen Partner des RMV vor Ort. Sie sind verantwortlich für den Verkehr in den Landkreisen und Städten. Dort planen sie die Fahrpläne, finanzieren und bestellen Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen“, erklärt RMV-Pressesprecher Sven Hirschler.

Mindestlohn für Fahrer

Die Lokalen Nahverkehrsorganisationen schreiben zumeist in Abstimmung mit dem RMV als Verkehrsverband des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) im Rhein-Main-Gebiet die Verkehrsleistungen europaweit aus. Für die Busverkehre muss der hessische Standardtarif (Mindestlohn) für die Busfahrer als Entgelt vorausgesetzt sein.

Bei der Vergabe sind sie in ein enges Korsett, in das europäische nationale Vergaberecht, geschnürt. Einerseits müssen die bietenden Busgesellschaften klar definierte Vorgaben wie (Kilometerleistung, Fahrpläne, Qualität der Busse) erfüllen. Genau hier kann der RMV bei Störungen, wie den aktuellen im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis, den Hebel ansetzen.

„Am häufigsten beschweren sich die Anrufer über nicht ausreichend geschultes Personal“, sagt dazu auch RMV-Pressesprecher Sven Hirschler. „Die Verspätungen dürften eigentlich gar nicht sein, weil die Busverkehre das Brot- und Buttergeschäft im ÖPNV sind.

Falls die Probleme andauern, haben RMV und die lokalen Verkehrsgesellschaften drei Einflussmöglichkeiten. Als Erstes können vom Betreiber aufgrund mangelnder Qualität und Verspätungen sogenannte „Maluszahlungen“ eingefordert werden.

Als Stufe zwei darf der Auftraggeber bei künftigen Ausschreibungen einzelne Gesellschaften wegen Schlechtleistungen ausschließen. Im gravierendsten Fall kann den Busunternehmen durch die Behörden bundesweit die Betriebsgenehmigung entzogen werden.

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