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Leichtathletik: Harry Lange: Nichts ist ihm zu weit

Von Er ist im besten Sinne ein Wahnsinniger. Rennt und rennt und rennt – fast ohne etwas zu sehen: Harald „Harry“ Lange, der fast blinde Marathonläufer aus Bad Homburg. Zuletzt machte er mit der Teilnahme am Deutschlandlauf von Sylt bis zur Zugspitze von sich reden. Jetzt hat er einen Rekord aufgestellt in einem der unglaublichsten Marathonläufe, die man sich vorstellen kann.
Sein läuferisches Vermögen scheint keine Grenzen zu haben: Harald Lange (Bad Homburg). Sein läuferisches Vermögen scheint keine Grenzen zu haben: Harald Lange (Bad Homburg).
Bad Homburg. 

Beim Wort Marathon denkt man zuallererst an eine für den Normalsterblichen schier unüberwindliche Distanz von 42,195 Kilometern. Und dann an berühmte Strecken wie den Great Wall Marathon in China, bei dem die Läufer über die Chinesische Mauer laufen – an den Boston Marathon, einen der ältesten Läufe der USA – oder an den London Marathon, der am Ufer der Themse entlang über die berühmte Tower Bridge führt. An das – man kann es nicht schöner reden als es ist – stumpfe Ablaufen von Runden in einer Halle denkt man vermutlich nicht. „In der Halle einen Marathon zu laufen, ist echt megaanstrengend. Das machen nur Hartgesottene“, sagt Harald Lange und lacht. Klar, der Mann zählt ja selbst in diese Kategorie.

Von Sylt auf die Zugspitze

Der fast blinde Marathonläufer aus Bad Homburg ist nämlich sozusagen ständig in Bewegung. Lief 2012 beim Zugspitz-Extremberglauf mit, eine 18-Kilometer-Strecke mit 2235 Metern Höhendifferenz, 2014 beim Braveheart Battle, einem 24 Kilometer langen Extremlauf mit Dutzenden künstlicher Hindernisse, der zu den härtesten Läufen Europas zählt, 2015 beim Marathon des Sables 240 Kilometer durch die Sahara. Er war auch 2017 einer von 100 Teilnehmern am 1300 Kilometer langen Deutschlandlauf von Sylt bis auf die Zugspitze.

Am vergangenen Wochenende nahm er beim Hallenmarathon in der Niederlausitzhalle in Senftenberg in Brandenburg teil, dort allerdings in der Kategorie 100 Kilometer, die zum ersten Mal auf dem Programm des dreitägigen Sportevents, bei dem es unterschiedliche Laufkategorien gibt, angeboten wurde. Lange und noch weitere 39 Läufer stellten sich der Herausforderung, 100 Kilometer in Runden à 250 Meter zu laufen.

„Es ist unglaublich anstrengend, einen Marathon in einer Halle zu laufen. Weil die Monotonie einen fast verrückt macht“, sagt Lange. Für ihn sei es besonders schwierig gewesen, weil er zunächst alleine unterwegs und es problematisch für ihn gewesen sei, die verbleibende Distanz abzuschätzen – seine Freundin nahm am Wochenende ebenfalls an einem Marathon teil und konnte ihn nicht begleiten, „und andere Freunde konnten sich freitags einfach nicht von der Arbeit freimachen“.

Lange versuchte es über Facebook, fragte, ob denn jemand als sein Begleiter mitfahren könnte. „Brachte nichts“, erinnert sich Lange und fügt hinzu: „Ich weiß nicht, wie die anderen das machen. Ich bekam zwar jede Menge Daumen-hoch-Zeichen, aber zum Mitkommen erklärte sich leider niemand bereit.“ Hilfe bekam er am Ende vom Bruder seines Kumpels Stefan Kruschka, Paul. „Der lebt in der Nähe und sagte, er könne nachmittags nach der Arbeit kommen. Worüber ich echt froh war. Aber von 10 bis 16 Uhr war ich eben erst einmal auf mich allein gestellt.“

Zum Glück ist Lange kreativ. Zum einen besorgte er sich einen kleinen Rundenzähler. „Man drückt nach jeder Runde drauf. Das Gerät zählt dann für einen mit“, sagt Lange. Das Problem: „Irgendwann weißt du dann nicht mehr, ob du jetzt schon draufgedrückt hast oder nicht. . .“ Weil er das vorhersah, bat er die Zeitnehmer, ihm alle fünf Kilometer seine Durchgangszeit durchzurufen. „Irgendwann kam dann mein Kumpel Paul und ich hab’s dann ja auch hinbekommen“, sagt Lange. In der Tat, er hat sogar den Deutschen Hallenrekord der sehbehinderten Läufer über 100 Kilometer unter zehn Stunden gedrückt und kam nach 9 Stunden und 52 Minuten ins Ziel.

Der Traum vom Spartathlon

Und jetzt? Erst einmal Pause? „Von wegen!“, sagt Lange und ergänzt: „Jetzt steht das Training für den World Cup London an, für den ich nominiert bin.“ Dort will Lange im April für den Deutschen Behindertensportbund im Rahmen des London Marathon laufen. Im September geht es dann zur Deutschen Meisterschaft nach Berlin und kommendes Jahr, wenn alles klappt, will er sich endlich einen weiteren Traum erfüllen: „Beim Spartathlon in Griechenland mitlaufen.“ Dabei handelt es sich um einen Ultramarathon von Athen nach Sparta, der über eine Strecke von 246 Kilometern führt. Die Strecke muss in einem Zeitlimit von 36 Stunden zurückgelegt werden.

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