Kohlernte fällt in diesem Jahr schlecht aus

Ob rot, weiß oder grün: Landwirte und Gemüseverarbeiter bangen wegen der Dürre um die Kohlernte. Am Ende könnten die Verbraucher vor leeren Supermarktregalen stehen, fürchtet die Branche.
Der Ernteausfall bei Weißkohl liegt in einigen Regionen bei bis zu 40 Prozent. Das schlechte Erntejahr könnten Verbraucher auch im Supermarkt zu spüren bekommen. Foto: Holger Hollemann/dpa Der Ernteausfall bei Weißkohl liegt in einigen Regionen bei bis zu 40 Prozent. Das schlechte Erntejahr könnten Verbraucher auch im Supermarkt zu spüren bekommen.
Berlin. 

Der Rotkohl in den Händen von Friedrich von Schönberg ist kaum größer als ein Handball. „Nur halb so groß wie sonst, teilweise ist er noch kleiner”, sagt der Landwirt aus Kerpen-Blatzheim bei Köln.

Auch Weiß- und Grünkohl seien in diesem Jahr kleiner oder trockener als üblich. Vor allem beim Grünkohl musste von Schönberg große Verluste hinnehmen. Schuld ist die Dürre des Sommers. Nun fehlt das Gemüse, das der Landwirt eigentlich dem Obst- und Gemüseverarbeiter Stollenwerk liefern wollte.

„Die Qualität der Rohware unserer Vertragslandwirte in diesem Jahr ist derart schlecht, dass wir versuchen müssen, jedes Gramm zu ernten, um noch Ertrag einholen zu können”, klagt Stollenwerk-Geschäftsführer Erich Mauer. Im Schnitt werde dem Unternehmen 50 bis 60 Prozent weniger als vereinbart angeliefert.

Gemessen am langjährigen Durchschnitt liegt der Ausfall bei Weißkohl in einigen Regionen bei bis zu 40 Prozent, beim Rotkohl sind es bis zu 50 Prozent. Beim Grünkohl fehle etwa die Hälfte, heißt es beim Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK).

Und beim Kohl hören die Dürreschäden längst nicht auf. Auch die Kartoffelernte fiel geringer aus als im vergangenen Jahr. Für die Knollenfrucht rechnet Martin Umhau von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) daher mit einem Preisanstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der hohe zu erwartende Zuwachs bei den Kartoffelpreisen hänge aber auch mit einem Überangebot im vergangenen Jahr zusammen, das die Preise purzeln ließ. Auch Möhren, Rote Bete und Sellerie sprießen nach Verbandsangaben nicht so üppig wie sonst.

„Für die gemüseverarbeitende Industrie ist diese Situation eine enorme Belastung. Denn die Unternehmen haben nur einen Bruchteil der erwarteten Rohware erhalten”, sagt BOGK-Geschäftsführer Christoph Freitag, der bereits die Folgen in den Fabriken vorausahnt: Maschinen könnten nicht ausgelastet, Schichten gekürzt oder gar gestrichen werden. Spätestens am leeren Supermarkt-Regal merkten dann auch die Verbraucher, was los sei.

Nun hofft die Branche, dass das Wetter in den kommenden Wochen mitspielt, um die ganz große Knappheit im Winter noch abzuwenden. Etwa bis November kann der Kohl noch zulegen. „Was nicht gewachsen ist, kann auch nicht geliefert werden”, fasst Freitag zusammen.

Die Einschätzungen der Gemüsebauern und der Verarbeiter decken sich mit denen des Deutschen Bauernverbands (DBV). „In Regionen, die von der Dürre stark betroffen sind und keine Beregnungsmöglichkeiten haben, gibt es Ertragseinbußen bis zu 50 Prozent”, sagt auch DBV-Präsident Joachim Rukwied. Sollte sich das bewahrheiten, wären steigende Preise die Folge.

Für Rot- und Weißkohl werden diese auch schon prognostiziert - von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI). Normalerweise kosteten 10 Kilo Weißkohl knapp vier Euro, erklärt Gabriele Held von der AMI. Aktuell koste der Weißkohl jedoch selbst bei Aktionsangeboten je Kilo zwischen 59 und 89 Cent.

Trotz aller Warnrufe: Mit konkreten Aussagen halten sich die Beteiligten noch zurück. Die Ernte läuft noch, finale Zahlen liegen noch nicht vor. Und bis November können die Landwirte noch retten, was zu retten ist - beispielsweise durch Bewässerung.

Ob die Kohlpreise am Ende tatsächlich steigen, bleibt unklar. Unter anderem müssten dafür die Bestände aus den vorherigen Erntejahren aufgebraucht werden. Genaue Zahlen zu den Lagerbeständen kann der BOGK aber nicht geben, diese würden dem Verband nicht zurückgemeldet, heißt es. Geschäftsführer Freitag rechnet dennoch damit, dass die Lagerbestände noch in diesem Jahr zur Neige gehen könnten, weil die Nachfrage die Bestände übersteigen könnte.

Für Landwirt Schönberg ist hingegen jetzt schon klar: Seine schlechte Ernte wird ein Minusgeschäft. „Für mich kalkuliere ich jetzt schon 50 Prozent weniger Umsatz”, sagt er. Allein: Wie tiefrot die Zahlen am Ende werden, ist noch offen. Nun hofft von Schönberg auf einen regnerischen Herbst.

(Von Khang Nguyen, dpa)
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