Erfolg digitaler Transformation ist Frage der Kultur

Die digitale Transformation verspricht Unternehmen wie Mitarbeitern große Chancen, schürt aber auch Ängste. Doch erfolgreich wird sie nur sein können, wenn sie mit einer Veränderung der Unternehmenskultur einhergeht. Das zumindest legen die Ergebnisse einer Studie nahe.
In vielen Unternehmen ist die Digitalisierung bereits weit fortgeschritten. Doch der kulturelle Änderungsprozess hinkt oft hinterher. So lautet das Fazit einer von Microsoft in Auftrag gegebenen Studie. Foto: Christoph Schmidt In vielen Unternehmen ist die Digitalisierung bereits weit fortgeschritten. Doch der kulturelle Änderungsprozess hinkt oft hinterher. So lautet das Fazit einer von Microsoft in Auftrag gegebenen Studie.
Berlin. 

Unternehmen in Deutschland binden ihre Mitarbeiter bei der Gestaltung der digitalen Transformation kaum ein. Dabei sei die Mehrheit der Beschäftigten von den positiven Impulsen der Digitalisierung überzeugt, geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Microsoft hervor.

Unternehmen und Institutionen hätten die Bedeutung des digitalen Wandels durchaus erkannt, sagte Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland, bei der Vorstellung der Ergebnisse. „Doch sie stellen sich derzeit eher den technischen als den kulturellen Herausforderungen.” Dabei sei der Erfolg „immer auch eine Frage der Kultur”.

„Der menschliche Faktor ist der wichtigste in der ganzen Debatte um die digitale Transformation”, sagte Bendiek. „Die Menschen entscheiden, was in Zukunft auch tatsächlich funktioniert.” Dabei unterschätzten Führungskräfte oft ihre Mitarbeiter, wenn es um deren Bereitschaft zur Digitalisierung gehe.

Wie die repräsentative Umfrage ergab, glauben 60 Prozent der Arbeitnehmer, dass die digitale Transformation die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens stärkt. Rund jeder Zweite ist davon überzeugt, dass sie auch zu mehr Spaß bei der Arbeit oder zu einem besseren Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit führt. Allerdings fürchten ebenso viele Beschäftigte auch den Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Veränderung ihrer Aufgaben.

„Wer die Digitalisierung erfolgreich gestalten will, muss alle Menschen mitnehmen”, sagte Bendiek. Es gelte, die positive Grundstimmung zu nutzen. Derzeit erlebten aber nur elf Prozent der Beschäftigten die Entwicklung als gemeinschaftlichen Prozess unter Beteiligung von Mitarbeitern und Führungskräften. In der Umfrage gab nur jeder vierte Mitarbeiter an, dass er die Geschäftsführung oder den Vorstand als treibende Kraft der Transformation erlebe.

Die digitale Transformation sei nicht Aufgabe der IT-Abteilungen, sondern der Führungsetagen, bekräftigte auch Andreas Schierenbeck, Chef von ThyssenKrupp Elevator. „Dabei geht es um einen Kultur-Veränderungsprozess, der von der Führungsebene kommen muss.” Gerade in Großunternehmen gebe es immer Leute, die etwas behindern - frei nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht”.

Der deutsche Spezialist für Aufzüge sieht sich in einer traditionell als sehr konservativen Industriesparte als Vorreiter der digitalen Transformation. In einem Projekt habe das Unternehmen erfolgreich die intelligente Wartungs-Lösung für Aufzüge „Max” entwickelt. Dabei hätten rund Mitarbeiter aus allen Gewerken weltweit zusammengearbeitet. Ein solches Projekt müsse alle Ebenen adressieren, selbstverständlich auch Servicetechniker, sagte Schierenbeck.

Inzwischen seien 41 000 Kunden weltweit mit „Max” verbunden, einem intelligenten Wartungssystem für Aufzüge. Das System erhält in Echtzeit die Betriebsdaten aus der Steuereinheit des Aufzugs, die dann maschinell in der Cloud ausgewertet werden. Damit habe man die Ausfallsicherheit um rund 50 Prozent erhöhen können, sagte Schierenbeck.

Die Studie gab Microsoft aus Anlass einer Konferenz in Berlin in Auftrag, auf der am Dienstag Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Medien und Forschung zu Fragen der Innovations-, Arbeits- und Wissenskultur diskutieren sollten.

(dpa)
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