Misteln zum Winterende aus Baum entfernen

Wenn die Bäume kahl sind, fallen sie auf: Wie große Vogelnester wirken Misteln hoch oben in der Krone. Sie siedeln sich auf den Pflanzen an und bedienen sich am Wasser und den Nährstoffen. Alten Gehölzen kann das zum Verhängnis werden.
Misteln gehen mit ihrem Wirt eine einseitige Partnerschaft ein. Mit wurzelähnlichen Saugorganen zapfen sie die Leitungsbahnen in den Ästen an und entziehen ihnen Wasser und Nährsalze. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Misteln gehen mit ihrem Wirt eine einseitige Partnerschaft ein. Mit wurzelähnlichen Saugorganen zapfen sie die Leitungsbahnen in den Ästen an und entziehen ihnen Wasser und Nährsalze.
Magdeburg. 

An Weihnachten gibt es unter Misteln Küsse. Doch sonst ist wenig Schönes an Misteln in der Natur und im Garten zu finden: Sie wachsen auf Bäumen - bei starkem Befall können vor allem ältere Bäume Schaden nehmen oder ganz absterben.

Misteln sind sogenannte Halbschmarotzer. Sie beziehen Wasser und zum Teil auch Nährstoffe von den Bäumen, auf denen sie sich ansiedeln. Vögel verteilen die Samen, wenn sie sich in die kahlen Baumkronen setzen.

Misteln beginnen im Frühjahr zu keimen. Es kann allerdings ein bis zwei Jahre dauern, bis die Pflanze hoch oben im Baum zu sehen ist. Erst mehrere Jahre später wird diese ihre typische buschige Form erlangen. Die Gefahr der Ansiedlung ist besonders hoch etwa nach Trockenperioden, wenn Bäume geschwächt sind.

Besonders an Pappeln seien die kugelförmig wachsenden Pflanzen vermehrt zu finden, berichtet Andreas Goldschmidt vom Landeszentrum Wald in Halberstadt (Sachsen-Anhalt). An kahlen Bäumen ließen sich die Misteln im Winter gut beobachten. „Die Zweige sind immer grün”, erklärte der Fachmann.

Zu einem echten Ärgernis kann die Mistel mitunter für Obstbauern werden. „Die Mistel befällt auch Obstbäume, das beobachten wir”, sagte Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbands Sächsisches Obst in Dohna.

Sein Tipp ist das jährliche Schneiden der Bäume und damit das konsequente Entfernen der Misteln. So lasse sich das Problem in den Griff bekommen, erklärt Jentzsch. Jörg Schuboth vom Naturschutzbund Deutschland betont auch die Notwendigkeit der Pflege der eigentlich pflegearmen Streuobstwiesen. „Wer solche befallenen Bäume hat, sollte etwas tun.” Hier seien die Eigentümer der Flächen in der Pflicht. Vor allem Apfelbäume seien oft von Misteln befallen.

Hobbygärtner sollten die Misteln im späten Winter und zeitigen Frühjahr aus den Gehölzen herausschneiden. Die Äste werden dabei so stark gestutzt, dass die befallenen Stellen wegfallen ebenso wie mindestens 30 bis 50 Zentimeter gesundes Holz, erklärt der Naturschutzbund Deutschland. Andere Methoden wie das Abschneiden nur der Misteln selbst oder das Abdecken mit schwarzer Folie hätten sich als nicht erfolgreich erwiesen.

Aber die Experten raten trotz der Gefahr für die Gehölze zur Gelassenheit: „Die Mistel ist einfach eine besondere Spielart der Natur”, sagt Goldschmidt.

(Von Simon Ribnitzky, dpa)
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