Panik vor Lächerlichkeit: Wenn Phobien zur Krankheit werden

Angst vor feuchten Träumen oder dem Verlust des Handys: Was erst mal skurril klingt, kann Betroffenen heftig zu schaffen machen. Über 250 Phobien kennen Psychologen. Eine Verhaltenstherapie kann oft helfen, um die Ängste zu besiegen.
Ist das Handy noch da? Menschen mit Nomophobie haben ständig Angst, ihr Mobiltelefon verloren oder irgendwo liegengelassen zu haben. Bilder > Foto: Christin Klose/dpa-tmn Ist das Handy noch da? Menschen mit Nomophobie haben ständig Angst, ihr Mobiltelefon verloren oder irgendwo liegengelassen zu haben.
Bochum/München. 

Sie hat ihr Handy vergessen. Als die junge Frau das bemerkt, bekommt sie schlagartig wahnsinnige Angst. Das klingt für Außenstehende zunächst einmal absurd - das ist doch kein Grund, zu zittern oder Schweißausbrüche zu bekommen, denken sie.

Doch die Betroffene ist felsenfest überzeugt: Ihr entgeht ein wichtiger Anruf. Die Frau leidet an Nomophobie - sie hat Angst, ihr Mobiltelefon zu verlieren oder zu Hause liegen gelassen zu haben.

Phobien sind eine Form von Angststörungen. Zu den über 250 Phobien, die es gibt, gehört auch die Gelotophobie: die Angst vor der Lächerlichkeit. Wenn Betroffene jemanden lachen hören, können sie Herzrasen und Atemnot bekommen. Weil sie glauben, dass sie ausgelacht werden, obwohl der Lachende das gar nicht im Sinn hat.

„Solchen Phobien geht oft ein einschneidendes Schlüsselerlebnis voraus”, sagt Psychologie-Professor Jürgen Margraf von der Ruhr-Universität Bochum. Denn es ist eine im Gehirn als dramatisch abgespeicherte Erfahrung, die bei einem bestimmten Auslöser im Körper eine Kettenreaktion in Gang setzen kann. Vielleicht hat zum Beispiel die unter Nomophobie leidende Frau einmal die Situation erlebt, dass sie neben einem Schwerverletzten stand und nicht schnell genug einen Notruf absetzen konnte, weil sie ihr Handy nicht dabeihatte.

Zu den spezifischen Phobien zählt auch die Oneirogmophobie. Sie beschreibt die krankhaft übersteigerte Angst vor feuchten Träumen - also Angst vor Orgasmen im Schlaf. Für Außenstehende mögen solche Phobien kurios klingen. Aber für die Betroffenen sind sie oft schwer erträglich. Und sie können krank machen.

„Eine Phobie wird dann zur Krankheit, wenn mehrere Kriterien vorliegen”, sagt Margraf. Dazu gehört, dass der Betroffene die Angst in der jeweiligen Situation als unangemessen stark empfindet, er sie kaum aushält und das Leiden seine Lebensqualität stark einschränkt.

Liegen diese Kriterien vor, dann sollte man einen psychologischen Psychotherapeuten aufsuchen. „Phobien werden oft mit einer kognitiven Verhaltenstherapie behandelt”, erklärt Prof. Peter Falkai, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei dieser Methode spielt der Therapeut mit dem Patienten die angstauslösenden Situationen durch. Er analysiert sie, zeigt Lösungsmöglichkeiten auf. Die Therapie kann mit der Einnahme eines leichten Antidepressivums kombiniert werden.

Die Art der Phobie bestimmt den Therapieansatz. „Bei einer Nomophobie etwa wird mit dem Patienten trainiert, dass er unabhängiger von seinem Handy wird”, erläutert Prof. Markus Banger, Chefarzt der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der LVR-Klinik Bonn.

Zu der Therapie kann auch gehören, die Situation, die zu der Phobie geführt hat, zu besprechen und einen Schlussstrich darunter zu ziehen. „Bestandteil der Therapie ist auch zu erkennen, dass bestimmte Ängste einen einfach nur tyrannisieren”, betont Falkai.

Eine Phobie kann auch Ausdruck eines Problems sein, dass keinen konkreten Auslöser hatte. „Jemand, der unter Oneirogmophobie leidet, hat womöglich Schwierigkeiten, seine Sexualität auszuleben”, erklärt Margraf an einem Beispiel. In solchen Fällen hilft unter Umständen eine Gesprächstherapie.

Es gibt auch Betroffene, die es alleine schaffen, ihre Angst zu besiegen. Schlägt die Eigentherapie nicht an, sollte aber möglichst zügig ein erfahrener Therapeut zurate gezogen werden - sonst kann es passieren, dass die Angststörung chronisch wird.

(Von Sabine Meuter, dpa)
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