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Kleiner Einsatz, große Wirkung: Hebelprodukte sind riskant

Mit Hebelprodukten können Anleger mit wenig Kapital hohe Gewinne erzielen - oder auch kräftige Verluste einfahren. Wie funktionieren diese Finanzprodukte? Und worauf sollten Anleger achten?
Hebelprodukte machen es möglich: Mit wenig Einsatz können Anleger ihre Rendite vervielfachen. Allerdings steigt auch das Risiko, Verluste zu erleiden. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Hebelprodukte machen es möglich: Mit wenig Einsatz können Anleger ihre Rendite vervielfachen. Allerdings steigt auch das Risiko, Verluste zu erleiden.
Stuttgart. 

Anleger sind manchmal schwer zu durchschauen. Während ein großer Teil das Geld am liebsten auf dem Girokonto spart, spekulieren andere mit Derivaten. Der Preis von Derivaten leitet sich aus dem Preis von anderen Finanzinstrumenten ab.

Als Referenzgröße dienen dabei Aktienindizes, Aktien, Rohstoffe oder Anleihen, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Diese Produkte sind oft so konstruiert, dass sie Preisschwankungen ihrer Bezugsobjekte überproportional nachvollziehen. Damit lässt sich auch der Reiz erklären: „Anleger können schon mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz hohe Renditen erzielen”, erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

Experten sprechen bei diesen Konstruktionen von Hebelprodukten. Hebelprodukte ermöglichen es Anlegern, Summen zu handeln, die das eingesetzte Kapital übersteigen. Vereinfacht gesagt, sind Hebelprodukte Wertpapierkäufe auf Kredit.

Ein Beispiel: Ein Anleger legt 100 Euro an und bekommt dafür 4 Prozent Rendite, also 4 Euro. Leiht er sich 100 Euro zu einem Zinssatz von 2 Prozent, kann er seine Rendite um 50 Prozent hebeln. Für die 200 Euro bekommt er insgesamt 8 Euro Erträge, abzüglich 2 Euro Darlehenszinsen bleiben bei gleichem eingesetztem Kapital also 6 Euro.

Das funktioniert aber auch andersherum: Der Anleger setzt wie beschrieben 100 Euro aus der eigenen Tasche und 100 geliehene Euro ein. Allerdings entsteht nun ein Verlust in Höhe von 50 Prozent. Der Wert der Kapitalanlage reduziert sich von 200 auf 100 Euro. Da er damit aber den Kredit zurückzahlen muss, hat er am Ende von seinem eingesetzten Geld nichts mehr. Hätte er nur seine eigenen 100 Euro investiert ohne Hebel mittels Kredit, hätte er noch 50 Euro übrig.

Doch Hebelprodukt ist nicht gleich Hebelprodukt. Experten unterscheiden zwischen Optionsscheinen, Zertifikaten und sogenannten „Contracts-for-Difference” (CFDs). Mit Optionsscheinen können Anleger etwa vom Emittenten verlangen, die Differenz zwischen dem Basispreis und dem aktuellen Kurs ausgezahlt zu bekommen. Der Basispreis wird vor dem Termingeschäft vereinbart. Es ist der Betrag, zu dem der Anleger die Aktie bis zum Optionstermin an den Emittenten verkaufen oder von ihm abkaufen kann.

Bei Optionsscheinen gilt laut Uwe Eilers, Geschäftsführer der FV Frankfurter Vermögen GmbH, grundsätzlich: „Je kürzer die Laufzeit eines Optionsscheins und je näher der sogenannte Basispreis am aktuellen Kurs der Aktie ist, desto höher ist der Hebel, mit dem der Anleger spekuliert.”

Zertifikate sind dagegen Inhaberschuldverschreibungen, in denen die herausgebende Bank oder Investmentgesellschaft bestimmte Markt-Szenarien abbildet. Einfache Zertifikate bilden zum Beispiel die Kursbewegung einer bestimmten Aktie ab. Andere Zertifikate bauen sogenannte „Knock-outs” beziehungsweise Schwellen ein. Unterschreitet etwa der Kurs einer Aktie eine solche Schwelle, verfällt das Zertifikat - und der Anleger verliert all sein investiertes Geld.

Zudem beinhalten Zertifikate auch ein Emittentenrisiko. Dabei kann der Anleger sein Geld verlieren, wenn der Herausgeber des Zertifikats insolvent ist. „Das wissen Anleger spätestens seit der Pleite der Bank Lehman Brothers im Jahr 2008”, sagt Eilers.

„Hebelprodukte eignen sich grundsätzlich nicht für Privatanleger, die ihre Investitionen eigenverantwortlich vornehmen”, sagt Thilo Stadler, Vermögensverwalter der I.C.M. in Neuss. Er hält den Trend sogar für gefährlich. Immer häufiger würden Anleger mit Produkten arbeiten, die sie nicht verstehen. „Am Ende verdienen häufig nur die Bank oder der Herausgeber des Produktes”, sagt Stadler. Anleger müssten Hebelprodukte zudem ständig überwachen.

Auch Lothar Koch, Leiter des Portfoliomanagements der GSAM + Spee Asset Management AG rät nur sehr erfahrenen Anlegern zu Hebelprodukten. Für die meisten Privatanleger ist es oft wichtiger, das Ersparte für den Abbau von Schulden, als Notgroschen oder für die Altersvorsorge zu nutzen. „Erst, wenn diese Punkte erledigt sind und etwas Vermögen als Spielgeld übrig ist, sollten Anleger über Hebelprodukte nachdenken”, sagt Annabel Oelmann.

(Von Leonard Kehnscherper, dpa)
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