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Wenn der Geruchssinn im Alter nachlässt

Eine frisch gemähte Wiese, das liebste Parfüm - oder Angebranntes in der Pfanne: Im Alter riechen viele Menschen all das nicht mehr. Der Verlust des Geruchssinns mindert die Lebensqualität und er birgt Gefahren im Alltag.
Zum Schmecken gehört auch das Riechen. Doch im Alter lässt dieser Sinn häufig nach. Bilder > Foto: Westend61 Zum Schmecken gehört auch das Riechen. Doch im Alter lässt dieser Sinn häufig nach.
Herne. 

Kaffeeduft am Morgen oder der Geruch eines geliebten Menschen - all das kommt einem ganz selbstverständlich vor. Doch mit dem Alter kann der Geruchssinn abnehmen. Das kommt sogar häufig vor.

Das Problem: Mit dem Geruchssinn geht nicht nur etwas sehr Schönes verloren, der Verlust wirkt sich in vielerlei Hinsicht auch auf den Alltag der Menschen aus. Aber warum geht der Geruchssinn eigentlich verloren? Zum einen verändert sich der Körper im Alter - das betrifft Augen und Ohren ebenso wie die Nase: Riechzellen gehen verloren, Knochen werden dicker und blockieren Nerven, der Riechkolben wird kleiner und gibt weniger Informationen an das Gehirn weiter. Das schrumpft dazu noch, so dass die Verarbeitung der Sinneseindrücke eingeschränkt sein kann.

Anzeichen einer ernsthaften Krankheit

Zum anderen kann der Verlust des Geruchssinns ein frühes Warnzeichen für eine beginnende neurodegenerative Krankheit wie Alzheimer oder Parkinson sein, sagt Prof. Rainer Wirth, Leiter der Arbeitsgruppe Ernährung und Stoffwechsel der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

Dass der Geruchssinn abnimmt, bleibt allerdings häufig unerkannt - denn die Veränderung ist meist schleichend. Ob tatsächlich eine Riechstörung vorliegt, stellt Wirth mit Hilfe eines Screening-Tests fest. Mögliche Betroffene riechen dazu an zwölf Filzstiften, die statt mit Farbe mit Gerüchen gefüllt sind. Die Patienten müssen diese Gerüche identifizieren. Je nach Anzahl der erkannten Gerüche weiß der Arzt, ob eine Riechstörung vorliegt, und in welchem Ausmaß.

Gestörtes Essverhalten

Die Folgen eines eingeschränkten Geruchssinns können gravierend sein, erklärt Prof. Thomas Hummel, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken der Uniklinik Dresden. „Betroffene können Essen nicht mehr genießen.” Denn während die Zunge nur eine grobe Geschmackseinteilung in Süß, Sauer, Salzig, Bitter und Umami vornimmt, leistet die Nase die Feinarbeit.

Manche Betroffene essen dadurch weniger und nehmen ab. Das ist vor allem im hohen Alter und bei ohnehin schon fragilen Personen gefährlich. „Wenn das Essen nicht mehr schmeckt, fällt außerdem eine der wenigen Freuden im Alter weg”, sagt Barbara Elkeles, Chefärztin der Klinik für Geriatrie an der Klinik Maria Frieden in Telgte.

Bemerken Pflegende fehlenden Appetit oder eine einseitige Ernährung, können sie gegensteuern. Das gelingt zum Beispiel, indem sie neben dem Geruchssinn andere Sinne ansprechen und so Anreize zum Essen schaffen: Ein knackiges Brötchen etwa oder ein besonders schön angerichteter Teller können den Appetit wecken.

Einschränkung im Alltag

Insgesamt sind Personen mit mangelndem Riechvermögen auch im Alltag stark eingeschränkt: Wer nicht mehr wahrnimmt, ob er selbst oder beispielsweise die Kleidung mal eine Wäsche nötig haben, bewegt sich eventuell unsicherer und schottet sich sozial ab. Außerdem ist der Geruchssinn ein wichtiges Warnsignal, dessen Verlust mit Gefahren verbunden ist: Ältere Personen mit Geruchseinschränkungen haben häufiger Lebensmittelvergiftungen und Haushaltsunfälle. Sie riechen nicht mehr, ob die Milch abgelaufen ist oder das Essen auf dem Herd anbrennt.

Da das Riechen nicht so vordergründig ist wie andere Sinne, gehen viele Menschen nicht zum Arzt - sofern sie die langsam einsetzende Veränderung überhaupt bemerken. Dabei gibt es durchaus Maßnahmen, um den Geruchssinn zu verbessern, sagt Hummel: „Man kann den Geruchssinn trainieren - dann wachsen die Riechzellen wieder nach.” Diese Regeneration ist auch im hohen Alter möglich. Je nach Ursache können auch der Wechsel von Medikamenten oder Inhalieren zu einer Besserung beitragen.

(Von Pauline Sickmann, dpa)
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