Was Dieselfahrer jetzt wissen müssen

Für Dieselfahrer sind es harte Zeiten: Fahrverbote und Wertverlust drohen. Wie sollten Autobesitzer reagieren? Und lohnt es sich jetzt noch, einen Diesel zu kaufen?
Diesel-Abgase im Scheinwerferlicht: Die drohenden Fahrverbote in Städten verunsichern viele Autofahrer. Foto: Markus Scholz Diesel-Abgase im Scheinwerferlicht: Die drohenden Fahrverbote in Städten verunsichern viele Autofahrer.
Berlin. 

Für Dieselfahrer gibt es derzeit eine Menge schlechter Nachrichten. Das Bundesverwaltungsgericht hat grundsätzlich grünes Licht für Fahrverbote gegeben.

Den alten Autos droht nun ein massiver Wertverfall. Das kann auch zur Falle für Leasingkunden werden. Was können betroffene Autofahrer tun? Fragen und Antworten im Überblick:

Wie sollten Dieselfahrer nach dem Urteil zu Fahrverboten reagieren?

Von Panikverkäufen rät der ADAC dringend ab. Autofahrer sollten Ruhe bewahren und ihr Fahrzeug nicht kurzfristig - möglicherweise unter Wert - verkaufen, sagt Johannes Boos vom ADAC. Denn noch sei die Lage zu unklar. Kommen Fahrverbote, seien diese auf lokale Strecken beschränkt. Wer diese nicht befahren muss, weil er beispielsweise eher in ländlichen Regionen unterwegs ist, müsse ohnehin keine Einschränkungen befürchten.

Gibt es eine Alternative, wenn ich meinen Diesel loswerden will?

Wer sich in den vergangenen Jahren einen Diesel zugelegt hat, kann ihn aufgrund von Vertragsfehlern unter Umständen wieder zurückgeben. Darauf weist die Stiftung Warentest hin. Das betrifft Käufer, die ihren Wagen nach dem 10. Juni 2010 mit einem vom Händler vermittelten Kredit- oder Leasingvertrag finanziert haben. Darin hätten Auto-Banken oft falsch über das Widerrufsrecht informiert. Die Folge: Betroffene Verträge lassen sich bis heute widerrufen.

In vier Fällen hätten inzwischen Gerichte in diesem Sinne entschieden, zuletzt das Landgericht München (Az.: 29 O 14138/17). Dieser Schritt kann eine Lösung sein, wenn Kunden ihren Diesel angesichts drohender Fahrverbote wieder loswerden wollen. Geht der Widerruf durch, bekommt der Händler das Auto und der Käufer sein Geld zurück. Allerdings muss der Autobesitzer mit einem Abschlag für die Nutzungsentschädigung rechnen.

Und wenn ich mir jetzt noch einen Diesel kaufen will?

Um auf der sicheren Seite zu sein, rät der Auto Club Europa (ACE), ein Modell mit der neuen Abgasnorm Euro 6d zu wählen. Einige Hersteller hätten bereits Modelle im Programm, die diese Norm erfüllen. Vorsicht sei derzeit geboten bei der nur für ein Jahr geltenden Übergangsnorm Euro 6d-TEMP. „Denn bei einer durchschnittlich sechsjährigen Nutzungsdauer könnten einen dann später doch Fahrverbote ereilen”, sagt Anja Smetanin vom ACE.

Für gebrauchte Diesel rät der Club: Wer uneingeschränkt in Städten fahren will, kauft aktuell besser kein Auto mit Euro-Norm 5 oder niedriger.

Kann ich einen älteren Diesel nachrüsten, damit er sauberer wird?

Theoretisch geht das eventuell, in der Praxis ist es eher schwierig. Die Hersteller bieten bislang nur Software-Updates an und sperren sich gegen eine Hardware-Nachrüstung. Die sei technisch zwar möglich - zu Kosten von zurzeit etwa 1400 bis 3300 Euro, erklärt Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums in Landsberg. Noch sei aber kein System einsatzbereit auf dem Markt. Es könne daher passieren, dass Dieselbesitzer von Fahrverboten betroffen sind, bevor es eine Nachrüst-Lösung gibt. Für Autofahrer heißt es abwarten, bis die Politik verbindliche Richtlinien festlegt.

Ist Leasing eine gute Alternative zum Kaufen?

Wenn Kunden aktuell einen Kauf scheuen, kann sich Leasing anbieten. Dabei sollten sie aber das Kilometer-Leasing wählen und keinen Vertrag mit Restwertrisiko abschließen. Sonst müssen sie am Ende der Laufzeit für den Wertverlust aufkommen, erklärt der ACE. Angesichts möglicher Diesel-Fahrverbote kann das teuer werden. Wer in einem solchen Leasingmodell steckt, kommt unter Umständen noch unbeschadet heraus: Ein Ausweg kann auch hier sein, dass sich Verträge unter Umständen aufgrund von fehlerhaften Klauseln widerrufen lassen.

Ist man denn mit einem Benziner auf der sicheren Seite?

Benzinern gibt der ACE pauschal auch keinen Freifahrtschein. Gerade neue Modelle mit Direkteinspritzung seien zwar sparsamer, stießen aber große Mengen Feinstaub aus. So könnten auch solche Autos in Zukunft aus Umweltzonen ausgesperrt werden. Solche Direkteinspritzer seien demnach nur noch mit Rußpartikelfilter zu empfehlen. Neue Modelle mit Filter kämen ab September 2018 auf dem Markt. Darauf sollten Neuwagenkäufer bestenfalls warten.

Oder sollten betroffene Städter gleich auf alternative Antriebe umsteigen?

Dazu rät der ACE. So kämen etwa Erdgas-, Autogas- oder Hybridfahrzeuge infrage. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann und auf kurzen bis mittleren Distanzen pendelt, für den ist auch ein Elektroauto interessant. „Bei E-Autos kommt hinzu, dass die Betriebskosten deutlich unter denen eines Verbrenners liegen”, erklärt Sprecherin Smetanin.

Lässt sich ein Dieselauto auch umrüsten auf alternative Antriebe?

Die Möglichkeiten zur Umrüstung seien begrenzt und schon gar nicht günstig, erklärt Prof. Manfred Fischedick, Energie- und Klimaforscher und Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Aus einem Diesel lasse sich nur mit immensem Kostenaufwand ein Elektro-, Erdgas- oder Wasserstoff-Fahrzeug machen.

(Von Peter Löschinger und Arne Düsterhöft, dpa)
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