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Pilotprojekt: Wenn der Postmann nur noch einmal die Woche klingelt

Anfang Juli startete die Deutsche Post ein Pilotprojekt, das die Briefzustellung grundlegend verändern könnte: Ausgewählte Kunden durften wählen, ob sie Briefe als Sammelzustellung an einem Wochentag, an drei Wochentagen oder an fünf Tagen bekommen wollen.
110 Postboten waren an dem Pilotprojekt beteiligt. Foto: Daniel Naupold (dpa) 110 Postboten waren an dem Pilotprojekt beteiligt.
Frankfurt. 

Das Experiment ist nun beendet, das Ergebnis noch ungewiss. Knapp ein halbes Jahr lang testete die Deutsche Post in ausgewählten Gebieten Deutschlands die eingeschränkte Briefzustellung. Nicht mehr an sechs Tagen wöchentlich erhielten die freiwillig an dem Projekt teilnehmenden Empfänger ihre Briefpost, sondern wahlweise lediglich an drei Tagen oder auch nur einmal wöchentlich. Die Deutsche Post bekommt für 59 Millionen Briefe pro Tag den Transportauftrag. Vor Weihnachten verdoppelt sich laut Auskunft des Unternehmens die Anzahl. „Deshalb haben wir das Pilotprojekt jetzt vor dem Weihnachtsgeschäft beendet“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Heß. Mit ersten Auswertungsergebnissen sei im ersten Quartal des neuen Jahres zu rechnen.

Über die Regionen, in denen die Deutsche Post die reduzierte Briefzustellung erprobt hat, wollte Heß keine Auskunft geben.

Die Idee hinter diesem Pilotprojekt ist laut Heß ein „kundenangepasstes Angebot“. „Viele Berufstätige, Monteure oder Fernfahrer etwa, sind während der Woche fernab ihrer Postadresse unterwegs. Denen könnte die Post auf Wunsch nur einmal wöchentlich, nämlich wenn sie zu Hause sind, geliefert werden“, erklärt Heß. Für Kunden, die zwar nicht unterwegs seien, aber nur selten Briefpost erhielten, könnte sinnvoll sein, dass der Postbote nur an drei Wochentagen vorbei schaut. Heute schon könnten Kunden das Angebot E-Post nutzen, sagt Heß. Das sei eine Art digitaler Briefkasten, wo Briefe nicht an die Wohnanschrift geliefert würden, sondern per E-Mail zugestellt, nachdem diese von Postmitarbeitern geöffnet und eingescannt wurden. Doch diese Möglichkeit sei eben nur eine von verschiedenen. „Das Unternehmen Post will sich für die Zukunft noch kundenorientierter aufstellen“, so Pressesprecher Heß.

Kritik der Gewerkschaft

Von einer Wahlfreiheit des Briefempfängers für eine reduzierte Zustellung überhaupt nichts hält Sigrun Rauch, Expertin im Fachbereich Postdienste, Spedition und Logistik bei der Gewerkschaft Verdi. „Weil nämlich nicht der Wunsch des Briefempfängers maßgeblich ist, sondern der des Absender, der das Porto zahlt. Er ist der Auftraggeber. Er bezahlt für die Dienstleistung und muss die Sicherheit haben, dass die Sendung zugestellt wird, wie es gesetzlich verlangt wird, nämlich täglich.

Es gehe bei der reduzierten Briefzustellung keinesfalls um Leistungsabbau, beteuert Stefan Heß auf Nachfrage. „Dieser Verdacht kam auch auf, als die Post vor 15 Jahren mit der Erprobung von Packstationen für die Paketzustellung begann. Heute sind das geschätzte und vor allem in der Nähe von Universitäten nachgefragte Einrichtungen, aber eben auch nur eine Möglichkeit von vielen“, so Heß. Daneben biete die Post die Paketzustellung am Arbeitsplatz, beim Wunschnachbarn, am Wunschort an. „So ähnlich könnte es mit der Briefpost auch laufen“, meint Heß.

Sigrun Rauch sieht dafür keine Spielräume. Sie verweist auf die Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV), die ausdrücklich vorsieht, dass Briefpost „mindestens einmal“ pro Werktag zugestellt wird. Festgelegt ist darin übrigens auch, dass 80 Prozent aller Briefe am Tag nach Absendung beim Empfänger sein sollen. Rauch: „Briefe nicht mehr täglich auszuliefern, ist ein glasklarer Verstoß der Deutschen Post gegen den gesetzlichen Auftrag. Das noch als Dienst am Kunden zu etikettieren, ist ein starkes Stück.“

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