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„Bombenstimmung” und gute Konjunktur helfen Arbeitsmarkt

Frankreich-Wahl, Brexit oder US-Präsident Trump: Die gute Konjunktur in Deutschland habe bisher allem erfolgreich getrotzt, sagen Ökonomen. Die Stimmung in den Unternehmen sei „fast schon bombig”. Allein der Fachkräftemangel bereite einigen Kopfzerbrechen.
Nach Ansicht von Experten ist die Stimmung in den Unternehmen „fast schon bombig” - wenn das nicht der Fachkräftemangel wäre. Foto: Daniel Karmann Nach Ansicht von Experten ist die Stimmung in den Unternehmen „fast schon bombig” - wenn das nicht der Fachkräftemangel wäre. Foto: Daniel Karmann
Nürnberg. 

Weder Frankreich-Wahl noch Brexit oder andere weltweite Risiken können der deutschen Wirtschaft nach Ansicht von Ökonomen derzeit etwas anhaben. Bei der Konjunktur laufe es rund und damit auch am Arbeitsmarkt, sagten Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage.

Sorgen machen sich einige Experten jedoch wegen des Fachkräftemangels. In einigen Branchen falle es den Unternehmen zunehmend schwer, geeignetes Personal zu finden. Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge werde sich erst im Lauf des Jahres deutlicher in der Statistik bemerkbar machen.

Wann genau das der Fall sein wird, könne man jedoch nur schwer sagen, meinte Michael Holstein von der DZ-Bank. Er betonte jedoch: „Das ist ein Sondereffekt. Die Konjunktur läuft sehr gut. Die Stimmung ist fast schon bombig.” Er sei bei seinen Einschätzungen zuletzt oft fast zu pessimistisch gewesen. „Man wird dauernd positiv überrascht vom Arbeitsmarkt”, sagte Holstein. Auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld rechnet in diesem Jahr trotz der Flüchtlinge nicht mit einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen: „Da die konjunkturelle Grundtendenz zurzeit für Deutschland recht stark aussieht, werden die Effekte sicherlich begrenzt sein.”

Die hohe Zahl der offenen Stellen sowie Unternehmensbefragungen deuteten darauf hin, dass sich der Stellenaufbau fortsetzen werde, sagte auch Stefan Kipar von der BayernLB: „Wir erwarten keine großen Eintrübungen in Zukunft.” KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner ergänzte: „Wenn sich die Beschäftigten bei den derzeitigen Konjunkturaussichten um eins nicht sorgen müssen, dann darum, dass dem deutschen Arbeitsmarkt bald die Luft ausgeht.”

Die großen politischen Unsicherheitsfaktoren weltweit hätten derweil etwas an Schrecken verloren, meint Kipar. So habe etwa die EU nun etwas mehr Zeit, um mit Großbritannien über den Austritt zu verhandeln. „Dementsprechend schauen sich die Unternehmen das etwas entspannter an.” Und bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich sei „der große Unfall ausgeblieben”. Auch er glaube nicht, dass von der Frankreichwahl ein negativer Impuls für Deutschland zu erwarten sei, sagte Allianz-Ökonom Gregor Eder. „Die Konjunktur hat bisher allem erfolgreich getrotzt.”

Dass in Frankreich der pro-europäische Kandidat Emmanuel Macron derzeit vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen liege, heiße aber nicht, dass nun alles gut sei, gab Holstein zu bedenken: „Macron muss bei der Parlamentswahl im Sommer eine Mehrheit hinter sich kriegen, mit der er regieren kann. Man kann daher noch nicht sagen, dass Frankreich aus dem Gröbsten raus ist.”

Für den April gehen die Fachleute saisonbedingt von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahl aus. Die Zahl der Jobsucher sei im Vergleich zum Vormonat voraussichtlich um etwa 90.000 gesunken, berichten sie unter Berufung auf eigene Berechnungen. Damit würde die Zahl der Erwerbslosen bei 2,57 Millionen liegen. Das wären rund 170.000 weniger Arbeitslose als vor einem Jahr. Wetterbedingt habe es keine großen Auswirkungen gegeben, sagte Tuchtfeld: „Die gute konjunkturelle Verfassung Deutschlands war der bestimmende Faktor für den Arbeitsmarkt im April.” Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch bekanntgeben.

(dpa)
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