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TV-Kritik: "In Flammen": Es fängt an zu nerven!

Von Nach dem Mord an einer rechtspopulistischen Politikerin ermitteln König und Bukow auch unter Neonazis. Was an diesem Krimi ärgert.
Am Tatort, von links: LKA-Analystin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) mit den Kommissaren Anton Pöschel und Alexander Bukow (Charly Hübner). Foto: (NDR Presse und Information) Am Tatort, von links: LKA-Analystin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) mit den Kommissaren Anton Pöschel und Alexander Bukow (Charly Hübner).

Wenn der Sonntagskrimi über die Mattscheibe flimmert, kommt zunehmend eine große Finsternis über das Land. Der vordringliche Ehrgeiz der Regisseure scheint es nämlich, möglichst viele Szenen bei möglichst trübem Licht zu inszenieren und noch mehr in völliger Dunkelheit spielen zu lassen. Was als zeitweiliges Spannungsmerkmal durchaus funktioniert, wird durch die Daueranwendung allmählich zum ernsthaften Ärgernis.

Auch in diesem Film! Liebe Leute hinter der Kamera und auf dem Regiestuhl, könntet ihr vielleicht öfter mal auf ausreichende Beleuchtung achten? Dann bekämen die Zuschauer auch endlich wieder etwas mehr von den Schauspielern mit als nur ein düsteres Lichtflackern auf einem Teil des Gesichts. Es ist kaum anzunehmen, dass Kriminaler wie Kriminelle über genügend Tastsinn verfügen, um sich dauernd im Dunklen zurechtzufinden.

Ein besonders abartiger Mord

Zum Abschluss der Saison dreht sich die Geschichte noch einmal um die politische Rechte. Die populistische Politikerin und Bürgermeister-Kandidatin Sylvia Schulte fällt einem Mordanschlag zum Opfer. Was LKA-Analystin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Kommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) auf den Plan ruft. Der extrem grausame Tathergang – das Opfer wurde lebendig mit brennbarer Flüssigkeit übergossen und angezündet – lässt vermuten, dass der Täter nicht nur ein politisches Motiv hatte.

Da gibt es einen Partei-internen  Konkurrenten und Schultes neonazistischen Ex-Mann als Verdächtige: Den Letzteren hat die Tote schon viele Jahre zuvor verlassen, was dieser aber wohl nie wirklich verwunden hat. Zunehmend konzentrieren König und Bukow ihre Ermittlungen aber auf Karim Jandali (Atheer Adel), einen Syrer, der Schulte als persönlicher Referent diente und der mit der Toten offenbar nicht nur beruflich verkehrte.

Zu viel auf einmal

Der Krimi gibt sich große Mühe, noch einmal alle rechten, rechtspopulistischen und neonazistischen Motive zu verarbeiten. Auch ein eindeutiges Bild an der Wand und die Verharmlosung des Holocausts fehlt nicht. Was der Geschichte mitunter eher den Charakter einer Bestandsaufnahme als eines Krimis verleiht. Der Geschlossenheit ist das nicht immer dienlich, zumal sich die beiden Fahnder dazu auch noch mit weiteren beruflichen und privaten Problemen herumschlagen müssen.

Nicht wirklich überzeugend verarbeitet das Drehbuch zudem die Entführung Jandalis durch einen harten Kern von Neonazis: Zwar dreht diese neue Wendung in der Geschichte die Spannungsschraube beträchtlich an. Allerdings nur anfänglich, weil die Geschichte anschließend völlig auf das verzichtet, was bis dahin durchaus für eine gewisse Spannung sorgte: die ziemlich ambivalent gezeichneten Figuren.

Zusammen mit der ziemlich plötzlichen Auflösung kann der "Polizeiruf" deswegen nicht wirklich befriedigen. Das Thema erlebte letzte Woche im eher lässig-humoristisch geprägten "Tatort"-Beitrag "Freies Land" eine zwar weniger ehrgeizige, gerade dadurch aber auch deutlich überzeugende Variante.

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