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TV-Kritik: "Gladbeck": Wäre sachlicher nicht besser gewesen?

Von Die Geiselnahme von Gladbeck aus dem Jahr 1988 als minutiös recherchiertes TV-Drama: Was dabei ein zwiespältiges Gefühl zurücklässt.
Maskierte Täter überfallen im August 1988 in Gladbeck eine Bankfiliale. Bild: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Maskierte Täter überfallen im August 1988 in Gladbeck eine Bankfiliale. Bild: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke

Die Geiselnahme von Gladbeck hat sich wie kein zweites Verbrechen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte ins allgemeine Gedächtnis eingebrannt. Vielleicht auch, weil sie im Jahr 1988 passierte. Vieles, was die allgemeine Wahrnehmung prägte, endete 1988. Die Sowjetunion zog ihre Truppen aus Afghanistan ab, was den Zerfall des Ostblocks einleitete. Es war das letzte Jahr von US-Präsident Ronald Reagan im Weißen Haus und das Todesjahr von Franz Josef Strauß.

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Am 16. August 1988 überfielen Hans Jürgen Rösner und Dieter Degowski die Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck. Die Flucht der beiden mit wechselnden Geiseln und Fahrzeugen geriet zu einem wilden Medienspektakel, wobei Degowski den 14-jährigen Italiener Emanuele di Giorgi ermordete und bei einer Kollision ein Polizist ums Leben kam. Es endete kurz nach Mittag am 18. August durch polizeilichen Zugriff, wobei die Geisel Silke Bischoff von Rösner erschossen wurde.

Das Drama hautnah nacherzählt

Die ARD hat dem Gladbecker Geiseldrama viel Raum im Programm eingeräumt. Zu dem zweiteiligen Fernsehfilm gibt es eine Diskussion bei Maischberger und eine Dokumentation, welche die ARD im Anschluss an den zweiten Teil sendet. Die Doku zeigt noch einmal deutlich, wie sehr sich Holger Karsten Schmidt (Drehbuch) und Kilian Riedhof (Regie) bemüht haben, die Ereignisse minutiös nachzuvollziehen.

Auch die Schauspieler wurden nach größtmöglicher Ähnlichkeit mit den Akteuren des Geiseldramas ausgewählt. Was das Geschehen in diesem glutheißen Sommer 1988 im Nachhinein noch surrealer wirken lässt. Schritt für Schritt kann der Zuschauer dabei nachvollziehen, was alles danebenging. Es ist alles da: die überforderte und ratlose Polizei, Fehleinschätzungen und Kommunikationspannen, die mitunter hysterischen Geiseln.

Scharfschützen neben Kameraleuten

Und vor allem die Vertreter einer Presse, die nur noch möglichst hautnah dabei sein wollte und dabei jede Hemmung verlor. Schmidt und Riedhoff klagen jedoch nicht an. Sie finden nur immer wieder Szenen, die zentralen Fragen um das Gladbecker Geiseldrama einprägsam zu verdeutlichen: Ein Scharfschütze steht mit angelegter Waffe auf einem Balkon in Schussposition, während neben ihm zwei Pressevertreter mit angelegter Kamera auf den Balkon treten.

Danach meldet sich Hans Meiser für RTL plus zu Wort: Er will einen der Geiselgangster sprechen. Trauben von Menschen kleben auf den umliegenden Balkonen: Keiner will sich das Spektakel mit Geiselnahme und den Polizeieinsatz entgehen lassen, ungeachtet der Gefahren durch verirrte Kugeln. Später steigt Express-Reporter Udo Röbel , im Film gespielt von Arnd Klawitter, in Köln zu den Verbrechern ins Auto, um sie aus Köln heraus zur nächsten Autobahnausfahrt zu lotsen.

Solche Szenen wirken wie ein Vorgriff auf heute, wo sich viele mit Smartphone, Facebook und Selfie  selbst als Medienstars inszenieren. Wäre ein solches Verhalten von Journalisten heute noch denkbar? Wohl eher nicht, möchte man sich wünschen. Vermutlich aber auch deswegen, weil derart reißerischer Voyeurismus sich dank modernster Technik längst ins Private verlagert hat.

Zwiespältige Thriller-Elemente

Die anhaltenden Diskussionen um Gaffer, die Rettungseinsätze bei Unglücksfällen behindern, dürften niemandem entgangen sein. Dazu steckt natürlich auch das Potential für einen Thriller in dem Stoff, und die Macher sind ehrlich genug, das nicht zu leugnen. Obwohl es sich natürlich nicht um einen Kriminalfilm im engeren Sinne handelt, kommen Thriller-Elemente kräftig zur Anwendung.

Nahaufnahmen von Waffen, rasante Schnitte, Zooms und eine oft bedrohliche Geräuschkulisse verleihen dem Zweiteiler eine intensive Sogwirkung. Der unerträgliche Druck besonders für die Polizei wird geradezu körperlich spürbar. Es bleibt indessen ein zwiespältiges Gefühl dabei zurück: Vielleicht wäre ein vollkommen dokumentarischer Stil, nüchtern, sachlich und ohne Krimi-Zutaten angemessener gewesen. 

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