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TV-Kritik: "Der blaue Jan": Blutiger Mummenschanz

Von Die beliebte ZDF-Reihe "Friesland" muss auf eine liebgewordene Stammfigur verzichten. Wie macht sich der Neue als Ersatz?
Aus lokalem Mummenschanz wurde blutiger Ernst: Süher Özlügül (Sophie Dal, l.) und Henk Cassens (Maxim Mehmet, r.) müssen einen verzwickten Mordfall aufklären. Foto: ZDF/Willi Weber Aus lokalem Mummenschanz wurde blutiger Ernst: Süher Özlügül (Sophie Dal, l.) und Henk Cassens (Maxim Mehmet, r.) müssen einen verzwickten Mordfall aufklären.

Die ZDF-Programmplanung hat schon mal gute Arbeit geleistet. Letzte Woche trafen sich Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) und die Apothekerin wie Hobby-Forensikerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg) mit einem Teil des "Wilsberg"-Teams im Samstagskrimi "Morderney". Und jetzt, eine Woche später, geht "Friesland" wieder mit einer neuen Episode auf Sendung. Und mit neuer Besetzung: Jens Jensen (Florian Lukas) ist nicht mehr mit von der Partie, weil das ZDF die Reihe ausbaut und sein Darsteller Florian Lukas andere Verpflichtungen hat.

Nebenher erfährt man deshalb, dass Jensen einen neuen Job angetreten hat. Seine Stelle nimmt Henk Cassens (Maxim Mehmet) ein. Zwar hat Cassens zuvor woanders gearbeitet, aber ähnlich wie Jensen zeigt er sich dennoch im Lokalen verwurzelt. So beim Brauch des Blauen Jans, einem lokalen Mummenschanz, wo einmal im Jahr vier Männer kostümiert durch die Stadt ziehen und Schabernack treiben. In einem der Kostüme steckt auch Henk Cassens.

Frauenfeindliches Brauchtum

Doch diesmal war noch ein fünfter Blauer Jan unterwegs, und der ermordete die städtische Gleichstellungsbeauftragte Gesa Dieken (Anna Grisebach). Lag es daran, dass die Tote den lokalen Brauch wegen des frauenfeindlichen Hintergrunds abschaffen wollte? Der Blaue Jan diente als Verkörperung des Teufels und Verkleidung der Seeleute in alten Zeiten dazu, die Frauen nach der langen Abwesenheit ihrer Männer wieder an die Kandare zu nehmen. Aber möglicherweise hat es auch etwas mit ihrem Ehemann zu tun.

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Oder mit potentiell lukrativen Grundstücken. Die neue "Friesland"-Episode hat mit einem schwierigen Umstand zu kämpfen, nämlich dem Verlust von Jens Jessen. Der milde und herzensgute Ordnungshüter Jensen und seine strebsame Kollegin Süher Özlügül (Sophie Dal) ergänzten sich vortrefflich, wie überhaupt die "Friesland"-Reihe durch ihre mit Witz angelegten Nebenfiguren Eindruck machte.

Die zwei Gesichter des Jan Brockhorst

Im Vergleich zu Jensen bleibt Cassens vorerst noch ein wenig blass: Seine Figur erscheint deswegen phasenweise fast wie eine Notlösung. Man kann jedoch darauf vertrauen, dass sich die Autoren der Reihe hier noch was einfallen lassen. Bei der Figur von Kommissar Jan Brockhorst ist ein gewisses Dilemma spürbar: Einerseits wirkt sein penetrant überhebliches und überlautes Gehabe für einen Polizeichef nicht eben glaubwürdig.

Andererseits wirkt Brockhorst aber auch wieder einnehmend, gerade durch den Kontrast dieses Benehmens mit seinen schüchternen und tastenden Auftritten, wenn er Insa Scherzinger begegnet. Und natürlich steht eine dermaßen polternde Rolle Felix Vörtler schon vom seinem einprägsamen Typ her gut zu Gesicht. Insgesamt kann das Konzept der Figuren in der "Friesland"-Reihe deswegen auch weiterhin überzeugen.

Ähnliches lässt sich über die Geschichte sagen. "Wilsberg"-Erfinder Jürgen Kehrer und seine Ehefrau Sandra Lüpkes haben sich einen fein verästelten Plot einfallen lassen, der mit unerwarteten Wendungen, knackigen Dialogen und am Ende auch mit einer gut bemessenen Dosis Tragik spannend unterhält. Schön also, dass das Zweite die Zuschauer nicht allzu lange auf die Folter spannt, wie es mit Süher Özlügül und Henk Cassens weitergeht: Am 10. Februar flimmert "Schmutzige Deals" über die Mattscheibe.

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