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Königlicher Besuch: Die Queen verzückt Berlin

Von Die Queen versetzt die graue und gerne ein bisschen ruppige Hauptstadt in eine für Berliner Verhältnisse gar nicht so kleine Begeisterung. Und dass trotz der gebotenen royalen Zurückhaltung.
Bootsfahrt von Schloss Bellevue zum Kanzleramt: Bundespräsident Gauck (links), seine Lebensgefährtin Daniela Schadt (2. von links), Königin Elizabeth II. und Prinz Philip tuckern über die Spree und winken Schaulustigen zu. Foto: Sophia Kembowski (dpa) Bootsfahrt von Schloss Bellevue zum Kanzleramt: Bundespräsident Gauck (links), seine Lebensgefährtin Daniela Schadt (2. von links), Königin Elizabeth II. und Prinz Philip tuckern über die Spree und winken Schaulustigen zu.
Berlin. 

Winterweiß. Darauf muss man erst mal kommen. Winterweiß mit einer großen Schleife am Hut und mit kleinen Applikationen, die funkeln und leuchten, auch wenn der Himmel über Berlin sich fürs glatte Gegenteil entschieden hat. Er trägt mattes Mittelgrau – und mitunter ist ihm zum Heulen.

Falls der Queen das Wetter irgendetwas bedeuten sollte: Selbstverständlich zeigt sie es nicht. So wenig, wie sie sich anspüren lässt, ob sie sich nun in der Gegenwart des Bundespräsidenten wohler fühlt – oder der Kanzlerin. Die Experten vom „Majesty Magazine“, dem Leib-und-Magen-Blatt für den leidenschaftlichen Royalisten, nennen das königliche Betragen „sich würdevoll zurückhalten“.

Dem gemeinen Berliner liegt das ja eher nicht. Er ist gerne direkt, wenn auch, was ruppig klingt, sehr oft freundlich oder gar liebevoll gemeint ist. Als der Busfahrer also morgens etwas mault über die Umwege, die er nun wieder fahren muss, „unn allet wejen die Omi“ – ist das fast ein Kompliment.

Dabei geht es, etwa im Vergleich mit dem Aufenthalt des US-Präsidenten vor zwei Sommern, locker zu im Regierungsviertel. Schloss Bellevue dürfen die Berliner in den Vorgarten gucken, und das Nordufer der Spree ist für die Queen-Neugierigen völlig freigegeben.

 

Perfekter Hofknicks

 

Wirklich nah aber kommen der Königin und dem Prinzgemahl nur die Gastgeber. Zunächst also vor, hinter und im Präsidenten-Schloss Joachim Gauck und Daniela Schadt. Sie trägt nicht nur ein aufregend mohnblumenrotes und seidenschimmenders Komplet, dazu Hut und Pumps in Zartgrau, sondern obendrein den absolut perfekten Hofknicks vor. Er schenkt der Queen, außer seiner überwältigenden Lebhaftigkeit, Lübecker Marzipan in Tortenform und ein sehr farbiges Gemälde, das sie als kleines Mädchen zeigt, auf einem Pony, davor ein Mann. „And that is my father? (Und das ist mein Vater?)“, fragt sie überrascht, und mit einem „yes“, das eher klingt wie ein „yeah“, bestätigt er, ja, der Mann sei ihr Vater, der spätere König George VI.

Es ist einer der Momente, in denen die Queen in ihrem sonst so beherrschten Gesicht ein Lächeln aufscheinen lässt wie eine kleine Sonne. Der Bundespräsident bekommt dieses Strahlen auch zur Begrüßung geschenkt – wie später die Kanzlerin. Umgekehrt kriegen, als die Hymnen gespielt sind, die Ehrenformation abgeschritten ist und auch der Programmpunkt Small-Talk mit geladenen Gästen zu Ende, ein paar von eben denen die Mundwinkel gar nicht mehr von den Ohrläppchen. Felix aus Spandau etwa darf dem Prinzgemahl erklären, was es mit dem Anstecker auf sich hat, den er trägt. „Ein Polizeizeichen von meinem Onkel aus England.“ Seine Mitschülerinnen von der Martin-Buber-Oberschule, allesamt bestes Teenie-Alter, kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: Auge in Auge mit der Queen – „es war so toll“, „mein Herz hat so angefangen zu klopfen“, „sie stand direkt vor uns, sie hat uns angelächelt…“

 

Viele Schaulustige

 

Für ein Lächeln der Queen – oder wenigstens einen Blick von ihr oder auf sie – ziehen zur selben Zeit Hunderte Berliner und ein paar Hundert Touristen zur Spree. Elizabeth II. liebt das Wasser, sie liebt Schiffe, als ihre Yacht „Britannia“ außer Dienst gestellt wurde, weinte die Queen, öffentlich! – und nun trägt „Ajax“, ein Holzkahn, an die 90 schon wie sie, indes nicht halb so königlich in der Anmutung, Königin, Prinzgemahl und das Präsidentenpaar über die Wellen.

Naja: Was die träge und wegen des fehlenden Himmelblaus für diesmal besonders gräulichgrüne Berlinerin an Wellen zu bieten hat. Kein Vergleich mit der Themse, definitiv. Dafür werden am Ufer Union Jacks in fast allen Größen geschwenkt, auf allen Brücken wird gejubelt, Schulklassen singen, sobald die „Ajax“ sich nähert, „God Save the Queen“ – und auch, wenn die Begeisterung die Ohnmachtsschwelle klar verfehlt: Für Berliner Verhältnisse ist ganz schön was los.

Von Bellevue zum Reichstag auf der „Ajax“, den kurzen Weg hinüber zum Kanzleramt rollt dann wieder der tiefauberginefarbene Bentley die Queen und Prinz Philip. Immerhin: Der Himmel hat dicht gehalten. Nur dem Wind ist alle Courtoisie ein Fremdwort. Rüde hat er den Sommertag in Novemberkühle verwandelt. Indes: Die Queen war – nicht nur, aber auch – mit ihrem funkelnden Winterweiß ganz einfach: perfekt.

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