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Queen Elizabeth II. in Deutschland: Eine Frau mit Haltung – warum die Deutschen die Queen so schätzen

Von Zum fünften Mal ist Elizabeth II. zu Gast in Deutschland – und die Republik liegt ihr noch mehr zu Füßen als bei der Premiere vor einem halben Jahrhundert.
Wie groß das Queen-Fieber in Deutschland wohl wird? Bei der Ankunft am Hotel Adlon warten Hunderte Neugierige mit gezückten Handys an den Absperrgittern. Foto: Jörg Carstensen (dpa) Wie groß das Queen-Fieber in Deutschland wohl wird? Bei der Ankunft am Hotel Adlon warten Hunderte Neugierige mit gezückten Handys an den Absperrgittern.
Berlin. 

Der letzte Starschnitt, an den ich mich erinnere, hing in einem Raum, der Partykeller genannt wurde, obwohl er noch nicht einmal Souterrain-Lage hatte. Meine ältere Schwester hatte wochenlang erst ihr Taschengeld geopfert und dann sorgfältigst die Mittelseiten aus der „Bravo“ gelöst und penibel zu einem Mann zusammengeklebt, der nun rechts neben der Tür irgendwie schwerelos auf nichts an der Wand hockte, ein Bein aufgestellt, einen Arm lässig überm Knie, schwarzes Haar quoll ihm aus dem bauchnabeltief geöffneten gelben Rüschenhemd über grünen Schlaghosen, und er hieß wohl Ricky Shayne.

Bilderstrecke Ankunft in Berlin: Die Queen ist in der Hauptstadt gelandet
Welcome Elizabeth II.: Die Queen ist in Deutschland gelandet. Drei Tage wird der Staatsbesuch dauern. Wir zeigen Bilder von der Ankunft der englischen Königin in Berlin.Sie trägt einen königsblauen Mantel, eine schwarze Handtasche und eine Perlenkette. Der Hut leuchtet türkis. Die Queen ist da. Kurz vor 19.00 Uhr am Dienstagabend ist die Sondermaschine in Berlin-Tegel gelandet.Soldaten im Ehrenspalier und donnernde Salutschüsse begrüßen die britische Königin wenige Minuten später auf dem roten Teppich, der die Regenpfützen verdeckt.

Verdammt lang her ist das, 1970, das macht 45 Jahre, der Partykeller stieg bald zur Anwaltskanzlei meines Vaters auf, da musste der Starschnitt natürlich weg. Keine Ahnung, wo Ricky Shayne abgeblieben ist, auch im wirklichen Leben, und wo die Starschnitte. Jedenfalls dachte ich das bis Montag früh. Da lächelte mir aus dem Inneren der „Bild“-Zeitung die Queen entgegen, Hut, Mantel, Lippenstift in knalligem Pink, die Zähne dazwischen noch weißer als die Perlen in den Ohren und um den Hals – und alles, alles doppelseitenbreit und lebensgroß. Mindestens.

„Der große Queen-Starschnitt“ stand auf Seite 1, da fiel mir erst Ricky Shayne ein und dann, dass Elizabeth die Zweite damals auch schon Königin war, beinahe zwei Jahrzehnte, und dass sie auch damals schon Hüte trug und genauso gekleidet war, nur dass das Mantelkleid genannt wurde und der Ausdruck spießigster Spießigkeit war. Heute schwärmen „Gala“ und ähnliche Postillen vom „Ensemble in Rhabarberrot“ und erklären es zum „dernier cri de monde“, was aber nicht mehr mit „letzter Schrei der ganzen Welt“ übersetzt wird, sondern mit Stil-Ikone.

Und so wie das königliche Outfit wird heute die ganze Queen nicht mehr als sündenteurer Anachronismus betrachtet, nicht zu Hause in Albion, außer von ein paar unverbesserlich königsuntreuen Aufwieglern, und erst recht nicht diesseits des Kanals, wo per Grundgesetz knochentrockenes Republikanertum verordnet ist. Wenn Elizabeth zu Besuch kommt, ist Deutschland auch im dritten Jahrtausend aus dem Häuschen. Ach was: mehr denn je.

Bilderstrecke Elizabeth II. und ihre schillernden Outfits: die Hüte der Queen
Ob pink, lindgrün, babyblau oder azur: Die Queen hat ein ausgeprägtes Faible für extravagante Hüte. Besonders gerne greift sie zu pastellfarbenen Modellen. Gerüchten zufolge soll sie während ihrer Regentschaft rund 5000 Expemplare angesammelt haben. Damit gelingen ihr immer wieder Looks, die ins Auge stechen und für sich sprechen. Aber sehen Sie selbst!

Jede Menge Klatsch

 

Nun könnte man behaupten, in einer Zeit, in der Geld mehr zählt als sonst irgendwas, und alles, wie längst nicht nur Politiker sagen, fiskalisch betrachtet und bemessen wird, das läge daran, dass die Queen ja – so lange sie in London weilt, auf Sandringham, Balmoral oder sonst irgendeiner ihrer Latifundien – den gemeinen Deutschen keinen Cent kostet, ihm dafür aber jede Menge liefert: Kinder, Enkel, Urenkel inzwischen, Hochzeiten, Geburten, Scheidungen, Rennpferde, Hunde und Hüte, jede Menge Klatsch darüber und, keinesfalls zu vergessen, ihren Prinzgemahl, den Deutsch-Griechen mit dem britischsten Humor, der vorstellbar ist.

Aber, sorry, das ist es nicht.

Denn all das war ja schon immer so. Auch in jenem inzwischen so fernen „annus horribilis“, jenem schrecklichen Jahr 1992 voller Brände, ob in den Beziehungen ihrer Kinder oder in ihren Schlössern. Und erst recht fünf Jahre später. Mehr Hatz auf dem medialen Boulevard als nach dem Unfalltod der aus der königlichen Familie exkommunizierten Diana war niemals. Und die Queen nie so nahe am Auslaufmodell.

Was ist geschehen seitdem? Was hat Elizabeth im Urgroßmutter-, Korsett- und Stützstrumpfalter zum Star gemacht? In einer Welt, die sonst Jugend anbetet und glattgebügelte Schönheit, Macht und Geld? Nur Letzteres hat die Queen im Überfluss. Aber am Geld liegt es nicht. Denn dann müsste Bill Gates noch viel mehr gemocht werden oder wenigstens bewundert und ein sogenannter Telekom-Tycoon namens Carlos Slim Helu aus Mexiko. Aber die werden, bestenfalls, beneidet.

Bilderstrecke Royaler Schmuck: Vor dem Queen-Besuch in Frankfurt
Am 25 Juni 2015 kommt Queen Elizabeth II. nach Frankfurt. Die Mainmetropole bereitet sich auf den königlichen Besuch vor. Einige Fotos dazu zeigt FNP.de in dieser Bildergalerie. Das aktuelle Fotos zeigt übrigens das Schaufenster des Frankfurter Accessoire-Shops "Gate 05".Jan Unnewehr vom Gate 05.Ein Kinderbuch im British Bookshop in Frankfurt.

Gelassen und heiter

 

Für die Queen aber schwärmt die Welt, ob sie monarchisch ist oder zutiefst republikanisch. Weil die Queen durchhält. Was, je älter sie ist, umso gelassener wirkt und heiterer.

Und weil ihr Durchhalten so viel zu tun hat mit – Haltung, Ma’am pfeift auf den Zeitgeist. Wahrscheinlich, hinter den dicken Mauern von Buckingham Palace, sogar ganz wirklich. Spätestens seit Helen Mirren als ihr Film-Alter-Ego sie so grandios zugleich ent- und wieder verzaubert hat, ist Elizabeth Reginas Ruf als Chefin der „Firma“ namens Windsor im Wortsinn sagenhaft.

Ein Kollege behauptet, die Kanzlerin benehme sich langsam auch schon wie die Queen. Immer, in Farbvariationen, das Gleiche an, stets dieselbe Frisur, nie ein Satz, an dem das Volk sich reiben könnte oder gar Anstoß nehmen. Maybe, pardon, mag sein. Aber, am Ende, hat Königin Angela dann doch den falschen Job im falschen System. Und bis zum All-Time-Star, bis zur Star(schnitt)-Queen hat Elizabeth ja dann doch 63 Jahre gebraucht. Can you imagine? Kann man sich das vorstellen?

Info: Das Programm

MITTWOCH, 24. Juni 10.30 Uhr – Begrüßung mit militärischen Ehren und Gespräch in Schloss Bellevue mit Bundespräsident Joachim Gauck

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Josanne Thomas vom Modehaus »The London Assembly« lädt zur Tea-Time - mit Union Jack und Queen-Portät.
Die Queen in Frankfurt Frankfurt ist im Queen-Fieber

Es wird ein besonderer Tag für knapp 3000 Frankfurter Briten, aber auch für die ganze Stadt: Morgen kommt die englische Königin. Das Queen-Fieber ist bereits ausgebrochen.

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