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Weirich am Freitag: Dank an die Briten

Von Wir warten auf einen 89-jährigen Popstar, und Deutschland übt den Hofknicks. Die Queen kommt zum fünften Staatsbesuch und beweist Geschmack.
Prof Dieter Weirich Foto: Eric Richard (priv.) Prof Dieter Weirich

Wir warten auf einen 89-jährigen Popstar, und Deutschland übt den Hofknicks. Die Queen kommt nächste Woche zum fünften Staatsbesuch und beweist Geschmack. Sie kommt nach Hessen, wenn auch nur kurz. Sie wird huldvoll vom Römer grüßen, im Kaisersaal die Bilder aller 52 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches betrachten und der Paulskirche als einer der Wiegen der deutschen Demokratie ihre Aufwartung machen.

Das Fernsehen weiß, dass die Deutschen nicht erst seit Lady Di versteckte Monarchisten sind. Es rüstet deshalb zu einer mehrtägigen Übertragungsschlacht, gegen die der G 7-Gipfel in Elmau nur ein laues Lüftlein war. „Hofberichterstatter“ Rolf Seelmann-Eggebert wird trotz seiner 77 Lenze zur Hochform auflaufen.

Neben Hessen und der Hauptstadt wird der hohe Gast aus dem Geschlecht der Hannoveraner noch in Niedersachsen weilen. Ein echtes Herzensanliegen ist Ihrer Majestät ein Besuch in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen, im Vereinigten Königsreich das Symbol für die schlimmsten Gräuel und die unmenschlichste Barbarei der Nazis. Im April 1945 befreiten britische Soldaten die qualvoll unter einer Fleckfieberepidemie leidenden überlebenden Juden. Zwei Kreuze erinnern an die Tage der Befreiung. Noch nie war die Queen in einem Konzentrationslager. Ihr Besuch ist ein Stück starker Erinnerungskultur.

Was Briten auch noch nach dem Krieg zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit der Deutschen geleistet haben, dafür hätte man allerdings in dem straff gehaltenen Programm noch Platz schaffen können und müssen. Der Queen-Besuch fällt nämlich genau in den Jahrestag der Berliner Luftbrücke, die der Versorgung der Stadt durch Flugzeuge der Westalliierten diente. Die Hilfe für die eingeschlossene Stadt kam nicht nur auf der berühmten Airlift-Strecke Frankfurt–Berlin zustande, sondern auch von Celle aus, woher die Briten ein Drittel aller Hilfsgüter transportierten. Bei den fast 280 000 Flügen kam es zu tödlichen Unfällen, 39 Briten, 31 US-Amerikaner und 13 Deutsche kamen dabei ums Leben. 540 000 Tonnen Lebensmittel wurden aus dem Celler Nordkreis nach Berlin geliefert.

Am 24. Juni 1948 startete die Luftbrücke, genau 40 Jahre später wurde an diesem Tag eine 13,5 Tonnen schwere und sechseinhalb Meter hohe Nachbildung des Berliner Luftbrückendenkmals in der Nähe des Fliegerhorstes Celle eingeweiht. Eine weitere „Hungerharke“ erinnert am Frankfurter Flughafen an die Airlift-Aktion.

Mag sein, dass die Queen aus Bescheidenheit diesen zu Unrecht oft vergessenen britischen Blutzoll für die deutsche Freiheit nicht in den Vordergrund rücken wollte. Ihr für den kommenden Freitag geplanter Abflug von Celle in die Heimat bietet den Gastgebern bei einem Blick auf das Monument noch eine gute Chance, der Königin und ihrem Land herzlich zu danken.

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