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"Forget about Nick": Zwei Ex-Frauen müssen sich um eine Wohnung streiten

Von Katja Riemann und Ingrid Bolsø Berdal spielen die enttäuschten Geschiedenen, die sich erst einmal in die Haare geraten, bevor sie Gemeinsamkeiten entdecken.
Meine Wohnung oder deine Wohnung? Maria (Katja Riemann, links) und Jade (Ingrid Bolsø Berdal) müssen sich um das Loft streiten, das ihnen ihr Ex-Mann gemeinsam übereignet hat. Foto: Martin Valentin Menke (dpa) Meine Wohnung oder deine Wohnung? Maria (Katja Riemann, links) und Jade (Ingrid Bolsø Berdal) müssen sich um das Loft streiten, das ihnen ihr Ex-Mann gemeinsam übereignet hat.

Nach so ernsten und geschichtsträchtigen Filmen wie „Rosenstraße“, „Rosa Luxemburg“, „Hildegard von Bingen“ oder „Hannah Arendt“ will die 75-jährige Regisseurin Margarethe von Trotta einmal aus dem angestammten Genre ausbrechen und versucht sich mit „Forget about Nick“ auf dem Terrain der Komödie. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die nur eines gemeinsam haben: den titelgebenden Ex-Mann Nick. Jade (Ingrid Bolsø Berdal) ist gerade von diesem verlassen worden. Sie ist 40 Jahre alt, von Beruf Model. Ihre Nachfolgerin ist gerade einmal halb so alt und im selben Metier zugange. Der Schmerz sitzt tief, und die Sehnsucht, den deutlich älteren Ex wieder zurückzugewinnen, ist riesengroß. Damit nicht genug, nistet sich eines Tages Jades Vorgängerin Maria (Katja Riemann) im geräumigen New Yorker Loft ein. Denn, so will es die äußerst ungelenke Drehbuchprämisse: Nick hat beiden Ex-Frauen zu gleichen Teilen die wertvolle Immobilie als Abfindung vermacht.

Krieg der Zicken

Diese Grundidee ist völlig unrealistisch, aber es wäre nicht das erste Mal, dass aus einem solchen Setting ein Lustspiel entsteht. Das Aufeinanderprallen zweier Ex-Frauen hat durchaus komödiantisches Potenzial, das Margarethe von Trotta und ihre Drehbuchautorin Pamela Katz jedoch nur unzureichend ausschöpfen. Äußerst halbherzig wirkt der Zickenkrieg der Frauen: Ein hässliches Gemälde wird als müder Running Gag immer wieder die Treppe hinauf- und heruntergetragen, im Kühlschrank werden Diät-Lebensmittel und kalorienhaltige Kost ein- und ausgeräumt, handbemalte Kunstteller werden provokant zum Essen benutzt und gehen im Streit zu Bruch. Allzu offensichtlich werden die Figuren als Gegensatzpaar in Szene gesetzt: Hier Jade als frisch verlassene, verspannte, diätsüchtige Karrierefrau, die gerade ihr eigenes Modelabel gründet und auf hohen Absätzen durch das Loft stöckelt. Dort die ältere, gelassene Maria, die allein eine Tochter in Berlin großgezogen hat und barfuß gut geerdet durch die Wohnung geht.

Dass diese beiden grundverschiedenen Wesen durch übersichtliche Konflikte hindurch zu Frauensolidarität finden, ist von Anfang an eine ausgemachte Sache. Dem Drehbuch fehlt es dabei entschieden an Witz und der Inszenierung an richtigem Timing. Da hat die britische Kollegin Sally Potter mit „The Party“ vor kurzem ganz anders zugelangt und bewiesen, dass der feministische Blick eine ungeheure Bereicherung für das Lustspiel-Genre sein kann.

Einziger Lichtblick

Einziger Lichtblick in „Forget about Nick“ bleibt Katja Riemann, die wie in ihren jüngsten Kino-Auftritten, von „Fack ju Göhte“ bis zu „SMS für Dich“, wieder eine wunderbare schauspielerische Souveränität ausstrahlt, auch wenn sie als Komödiantin sträflich unterfordert bleibt. Schwach

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema. Am 8. Dezember, 20.30 Uhr, mit Margarethe von Trotta

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