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Festhalle: Maluma: Ein Träumer lässt den Macho raus

Der 24 Jahre alte Latino-Sänger Maluma lässt es bei seinem Frankfurt-Auftritt mit Titeln wie "Corazón" oder "Carnaval" so richtig krachen.
Geschniegelt und gestriegelt – so präsentiert sich Maluma in der Frankfurter Festhalle seinem Publikum. Foto: Sven-Sebastian Sajak Geschniegelt und gestriegelt – so präsentiert sich Maluma in der Frankfurter Festhalle seinem Publikum.
Frankfurt. 

Eben noch räkelte sich der junge attraktive Bursche via Videoclip splitterfasernackt in der Wanne – ein garantierter Hingucker, wo selbst ältere Security-Männer gebannt den Blick nicht abwenden können. Da ähnelt der mit üppigen Tattoos und buschigem Vollbart versehene Maluma ein wenig dem Frankfurter Singer-Songwriter Wirtz. Nun steht er geschniegelt und gestriegelt im Rampenlicht. Genauer gesagt auf einem hydraulischen Lift in luftiger Höhe: knapper Designeranzug, weißes Oberhemd, nackte Füße in Slippern, den Bart ordentlich gestutzt, die langen dunklen Haare nach hinten zum Dutt gebunden, sowie – unvermeidlich – eine coole Sonnenbrille. Eine Kombination, die in der gut gefüllten Festhalle für geradezu hysterische Szenen sorgt. „Maluma Baby“, kreischen Tausende zumeist junger Damen, die fast alle ausschauen, als würden sie sich unmittelbar bei der neuen Staffel von Heidi Klums „Germany’s Next Top Model“ bewerben.

Unwiderstehliches Grinsen

Maluma jedenfalls lautet der aus den jeweils zwei ersten Buchstaben von Mutter Marlli, Vater Luis und Schwester Manuela zusammengesetzte Künstlername von Juan Luis Londoño Arias. Ein 24 Jahre alter Kolumbianer, der in Lateinamerika, den USA und in Spanien für einen erklecklichen CD-Absatz und für Edelmetall seiner drei seit 2012 erschienenen Alben sorgte. In Deutschland zählt der adrette Jüngling mit dem unwiderstehlichen Grinsen, eine optische Überblendung aus Ricky Martin, Elyas M’Barek und John Friedmann (Erkan & Stefan), noch zu den Geheimtipps. Ein etwaiger Bekanntheitsgrad hierzulande resultiert aus den Duetten „Chantaje“ und „Clandestino“ mit Shakira, die im Konzert ebenfalls enthalten sind – allerdings ohne die hüftschwingende Platin-Latina. In Frankfurts Gudd Stubb tummeln sich dementsprechend hauptsächlich Spanier, Lateinamerikaner sowie ein paar deutsche Latino-Affine. Flaggen aus Ecuador, Kolumbien, Argentinien, Brasilien und Chile wehen gleichberechtigt neben hochgehaltenen Transparenten mit „Maluma – I Love You“.

Mittlerweile befindet sich der zum Auftakt hoch in den Lüften weilende Maluma auf Augenhöhe mit seinem Begleitensemble, darunter ein Harmoniechorduo. Acht knapp wie Playboy-Bunnies gekleidete Chicas gesellen sich zu ihm, Tanztruppe und gnadenlose Umgarnerinnen des auf Macho-Gesten geeichten Chefs zugleich. Der Einstiegssong „23“, geradezu ein Paradebeispiel für das vom Latin-Idol propagierte Genre Reggaeton, eine Mixtur aus Hip-Hop, Flamenco, Urban Pop, Latin Trap, Reggae und Dancehall, geht satt ins Ohr. Von da an startet kollektives Hüftschwingen samt lauthals textsicherem Mitsingen. Wer kein Spanisch spricht, hat allerdings ein Problem. Bis auf wenige Ausnahmen in gebrochenem Englisch parliert der öfter mal die textile Kluft wechselnde Maluma ausschließlich in seiner Muttersprache. Doch Musik, zumal, wenn sie so rhythmisch flott daherkommt, überwindet Ländergrenzen ebenso wie unterschiedliche Mentalität, Temperamentsgefälle und Verständigungsschwierigkeiten.

Mit intaktem Stimmtimbre singt, raspelt, schluchzt, raunt, wispert, rockt, säuselt und rappt sich Maluma durch ein bis auf wenige balladeske Ausnahmen auf Dance-Grooves ausgerichtetes Repertoire. Wobei der Fokus sich auf das aktuelle Werk „F.A.M.E.“ samt frenetisch bejubelter Chartsingles „Corazón“, „El Préstamo“ und „Felices Los 4“ richtet. Aufgepeppt wird der Reigen durch jede Menge Pyrotechnik: Es knallt, sprüht, funkt, zündet und funkelt an allen Ecken und Enden. Maluma, halb Model für Parfüm und Mode, halb Gangsta-Rapper, setzt sich gekonnt in Szene.

Romantisch ins Ohr

Zu „Mala Mía“, „El Perdedor“ und „Marinero“ darf eine hübsche Konzertbesucherin auf den ellenlangen Laufsteg, wo ihr der Beau romantische Zeilen ins Ohr haucht. Er singt über Alltägliches wie „Carnaval“, „Hangover“ und „Party Animal“. Brav trägt er auch sein Merchandise-T-Shirt mit der Aufschrift „Soy Soña Dor“, geschrieben in drei Worten untereinander: „Ich bin ein Träumer“. Tatsächlich gilt Juan Luis Londoño Arias privat als eher scheu und schüchtern, lässt den Macho lediglich im Rampenlicht raushängen.

Auch sollte man anzüglich kontroverse Texte, wie das vom abermals mit jeder Menge Feuerwerk untermalten Finale „Cuatro Babys“, nicht für bare Münze nehmen. Singt Maluma da doch Textzeilen wie „Ich bin in vier Babys verliebt, sie geben mir immer, was ich will, haben Sex, wann ich es sage, keine widerspricht mir.“

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