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Thriller "Die Verlegerin": Journalisten finden die Wahrheit

Von Meryl Streep spielt die oberste Zeitungsfrau der „Washington Post“, die 1971 die Affäre um die Pentagon-Papiere aufdeckt. Mit Tom Hanks als Chefredakteur.
In den Redaktionsräumen der „Washington Post“ sind die Rechercheure der Wahrheit unterwegs: Verlegerin Kay Graham (Meryl Streep) wird von Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) zu den Reportern begleitet. Foto: Niko Tavernise (Universal Pictures Internatioal) In den Redaktionsräumen der „Washington Post“ sind die Rechercheure der Wahrheit unterwegs: Verlegerin Kay Graham (Meryl Streep) wird von Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) zu den Reportern begleitet.

Hollywoods neue Lieblingshelden tragen weder Laserschwerter, noch verfügen sie über Superkräfte. Dafür sind die cleveren Damen und Herren mit Schreibblock und Bleistift bewaffnet. Journalisten, die tapfer nach der Wahrheit forschen, stehen immer häufiger im Mittelpunkt dramatischer Geschichten wie „Kill the Messenger“ und „Spotlight“. Ein erstaunlicher Imagewandel, denn immerhin gefiel es der Traumfabrik über Jahrzehnte, Vertreter der schreibenden Zunft als moralisch degenerierte Schmierfinken darzustellen, siehe Billy Wilders „Reporter des Satans“ (1951). Wenn Produzenten jetzt ihre Sympathie für die Presse demonstrieren, liegt das nicht zuletzt an dem Wunsch, eine gemeinsame Front gegen die Auswüchse der Internet-Kultur zu bilden. In einer Zeit, da sich jeder dreiste Facebook-Kommentator für einen Enthüllungsjournalisten hält und der Dilettantismus zur Kunstform erhoben wird, sollen die „alten Medien“ ein Bollwerk der Qualität bilden – und gegen die grassierende Gratis-Mentalität ankämpfen.

Qualität kostet Geld

Denn hochwertiger Journalismus kostet Geld, und auch erstklassige Filme wollen finanziert werden. Niemand weiß das besser als Steven Spielberg („Schindlers Liste“, „E. T.“), der seit beinahe fünfzig Jahren im Geschäft ist. In seinem Zeitungsdrama „Die Verlegerin“ setzt er allen investigativen Reportern ein Denkmal. Gleichzeitig warnt Spielberg vor dem Verfall unabhängiger Berichterstattung, sofern Zeitungen am Tropf von Investoren hängen, die ihre Interessen gewahrt sehen möchten. Nicht minder gefährlich für die Objektivität sind persönliche Beziehungen zwischen Redakteuren und Politikern, beispielhaft dargestellt durch die Freundschaft der Verlagsbesitzerin Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep) mit US-Verteidigungsminister Robert McNamara (Bruce Greenwood).

Die Leitung der „Washington Post“ liegt offiziell in Grahams Händen, nachdem ihr Mann Philip Selbstmord begangen hat. Doch hinter den Kulissen schwingt Chefredakteur Ben Bradlee (bärenstark: Tom Hanks) das Zepter und fährt der Erbin schon mal nonchalant über den Mund – schließlich schreibt man das Jahr 1971. Frauen sollen nicht führen, sondern repräsentieren. Zunächst begnügt sich Kay Graham mit der Rolle der Gesellschaftsdame, während Bradlee davon träumt, der „New York Times“ den Rang abzulaufen. Die Chance ergibt sich, als die Konkurrenz Auszüge aus den Pentagon-Papieren veröffentlicht.

Die geheime Studie des Verteidigungsministeriums zeigt, dass die Regierung über die Amtszeit von vier Präsidenten hinweg gelogen hat, was die Strategie und die Erfolgschancen im Vietnamkrieg betrifft. Auf Betreiben der Nixon-Regierung wird der „Times“ jede weitere Publikation untersagt. Bradlee setzt seinen erfahrenen Reporter Ben Bagdikian (Bob Odenkirk, bekannt als Rechtsanwalt aus der Serie „Breaking Bad“) auf die Story an. Ihm gelingt es, den Informanten Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) ausfindig zu machen. Die „Washington Post“ erhält von dem Ministeriumsbeamten weiteres hochbrisantes Material, das Bradlee unbedingt abdrucken will. Doch er benötigt die Zustimmung von Kay Graham, die finanzielle und juristische Folgen fürchtet, bis hin zu einer Gefängnisstrafe. Nicht zuletzt würde eine Veröffentlichung Freunden wie McNamara schaden.

Grahams Zwiespalt und die anschließende Wandlung vom scheuen Reh zur wagemutigen Entscheiderin wird von Meryl Streep ohne jegliche Theatralik, allein durch minimale Gesten zum Ausdruck gebracht – Schauspielkunst vom Allerfeinsten. Die „Post“ unterstützte die „Times“ seinerzeit, zog vor den Obersten Gerichtshof und errang ein Grundsatzurteil für die Pressefreiheit. Später deckte sie Nixons Watergate-Skandal auf, verfilmt unter dem Titel „Die Unbestechlichen“ (1976). Dem Polit-Klassiker steht „Die Verlegerin“ in nichts nach. Unter den Händen eines weniger begabten Regisseurs hätte das dialogreiche Drehbuch von Liz Hannah und Josh Singer („Spotlight“) zu einem Exzess dröger Geschwätzigkeit verkommen können. Aber Steven Spielberg inszeniert die Jagd nach den Pentagon-Papieren genauso spannend wie die Schatzsuche in „Indiana Jones“. Dabei beweist er einmal mehr sein Gespür für packende Bildkompositionen. Sei es ein verlustreiches Gefecht im Dschungel Vietnams zu Beginn der Handlung oder der Weg, den ein Zeitungsartikel von der Schreibmaschine über die Druckerpresse bis vor die Haustür der Leser nimmt.

Unredliche Präsidenten

Im Unterschied zu seinen früheren Geschichtsfilmen („Amistad“, „Lincoln“) verzichtet Spielberg auf gefühlsduselige Ergriffenheit und wahrt die Distanz eines kritischen Chronisten der Zeitgeschichte. Die Parallelen zwischen Nixons Kampf gegen Journalisten und den „Fake-News“-Tiraden eines Donald Trump sind zwar offensichtlich, dennoch richtet sich der Film nicht ausschließlich gegen den amtierenden US-Präsidenten, auch wenn die Trump-Gegner Tom Hanks und Meryl Streep die Hauptrollen spielen. Indem Nixon nur als Schatten zu sehen ist, der Presse-Boykotte ins Telefon grunzt, wird er zur Symbolfigur für jeden Politiker, der sein Volk zum eigenen Vorteil hintergeht und sich im Netz „alternativer Fakten“ einspinnt.

Spielberg wusste, warum er die Arbeit am Science-Fiction-Projekt „Ready Player One“ ruhen ließ, um „Die Verlegerin“ vorzuziehen. Das meisterlich erzählte Werk kommt genau zur richtigen Zeit. Es ist eine Anklage gegen Machtmissbrauch, zugleich ein Plädoyer für die Freiheit der Medien – und den Mut zur Wahrheit. Herausragend

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU), Eldorado, Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis (D+OmU). Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Mainz: Cinestar

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