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Alter Oper: "Die Schöne und das Biest": Nur die Liebe kann den Fluch brechen

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar: In der mitreißenden Musical-Inszenierung von "Die Schöne und das Biest" in der Alten Oper liebt eine kluge Frau ein pelziges Ungeheuer.
Alles nur aus Liebe: Belle (Kitti Jenes) hat eine Passion für Bücher und liest dem biestigen Monster (Sándor Barkóczi) vor. Foto: Sven-Sebastian Sajak Alles nur aus Liebe: Belle (Kitti Jenes) hat eine Passion für Bücher und liest dem biestigen Monster (Sándor Barkóczi) vor.

Das hat er nun davon: Weil ein selbstsüchtig verwöhnter Prinz (Sándor Barkóczi) ohne Liebe im Herzen sich den Lapsus leistete, einer alten, hässlichen Bettlerin ein Nachtlager zu verweigern, fristet er jetzt ein Dasein als fürchterliches Monstrum. Man sollte halt nie ein Buch nur nach seinem Einband beurteilen. Gebrochen werden kann dieser üble Fluch nur dann, wenn der Prinz bis zu seinem 21. Geburtstag und bevor das letzte Blütenblatt jener Rose zu Boden fällt, die ihm die Alte hinterließ, es schafft, lieben zu lernen und jemand ihn selbstlos liebt. Dies ist der thematisch zeitlose und allzu menschliche Ausgangspunkt einer mitreißend von György Böhm im opulenten Bühnenbild von István Rózsa inszenierten und von Dialogregisseur Martin Harbauer eingedeutschten Version von Disneys „Die Schöne und das Biest“ des Budapester Operetten- und Musicaltheaters.

Spontaner Szenenapplaus

Schon einige Male gastierte die spielfreudige ungarische Truppe in den exotisch bunt schillernden Kostümen von Erzsébet Túri in der Alten Oper. Ähnlich wie bei Richard O’Briens „Rocky Horror Show“ entwickelte die ursprünglich aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts stammende romantische Liebesgeschichte mit Horrormär-Attitüde, die 1994 die Walt Disney Company unter tatkräftiger Assistenz von Autorin Linda Woolverton, Komponist Alan Menken sowie den Textern Howard Ashman und Tim Rice zu einem Zeichentrickfilm verarbeitete, einen gewissen Suchtfaktor. Nicht wenige der Besucher, die bei der rasanten Ménage à trois mitfiebern und immer wieder spontan Szenenapplaus spenden, schauen schon zum zweiten, dritten oder gar vierten Male vorbei. Manch einer wird auch im August wieder mit dabei sein, wenn sich in „Die Schöne und das Biest“ einmal mehr die Frage stellt, ob der Schein trügen kann.

Gaston (Attila Németh) jedenfalls, der rustikal vollmundige Dorfmacho, schätzt an Belle (Kitti Jenes), Tochter des kauzigen Erfinders Maurice (Ottó Magócs), vor allem ihre ausgesprochen attraktive weibliche Fassade. Weil sie ihn permanent abblitzen lässt, steigert sich im selbstbewusst Selbstgefälligen auch noch der Jagdtrieb. Weit weniger angetan zeigt sich der Testosteronkraftmeier, der sich auch noch von anderen Damen des Dorfes hofieren lässt, von Belles Passion für Bücher. Nachher liest sie darin noch etwas Gescheites und stellt ihn in Frage!

Verwunschenes Blaublut

Gastons Trachten nach der Schönen findet eine jähe Unterbrechung, als der von Wölfen im Wald gejagte Maurice plötzlich verschwindet und in einem bis dato unbekannten Schloss landet. Prompt sperrt ihn der Besitzer, das verwunschene Blaublut, in den Kerker. Belles Suche nach dem vermissten Vater lässt sie kurze Zeit später ebenfalls im dunklen Gemäuer auftauchen. Beherzt bietet sie sich dem grollenden Haarmonster selbst im Tausch gegen ihren Vater an.

Anfängliche Angst weicht, als Belle die anderen ebenfalls verzauberten Bewohner des Schlosses kennenlernt: Kerzenständer Lumière (Ádám Bálint), Standuhr Herr von Unruh (Tamás Földes), Kommode Madame de la Grande Bouche (Ildikó Sz.Nagy), Staubwedel Babette (Dorá Szabó) sowie Teekanne Madame Pottine (Lilla Polyák) samt Tassen-Söhnchen Tassilo (Bulcsú Homonnay) lassen in pfiffigen Dialogen erkennen, dass sie Belle für die höheren Weihen ausersehen haben. Wenn es gelingt, den Schlossherrn mit ihr zu verkuppeln, dann wäre der Bann der bösen Fee hinfällig.

Bevor das geschieht, laufen Hauptdarsteller wie Komparserie in diversen, von Éva Duda choreografierten Massenszenen zur Höchstform auf, kommen Ohrwürmer wie „Wer hätt’s gedacht“ oder „Märchen schreibt die Zeit“ zum Einsatz. Sprichwörtlich das ganz große Besteck aufgefahren wird bei der schlicht atemberaubenden Szene im Schloss, als Belle zu den Klängen von „Sei hier Gast“ erstmals mit ihrem Gastgeber diniert – ein minutenlanges Glanzlicht von äußerster künstlerischer Brillanz und kollektiv synchroner Präzision.

Ein vorhersehbares gutes Ende findet das zauberhafte Märchen, da Belle und der wieder Mensch gewordene Adelsspross sich nunmehr innig lieben und auch das Inventar auf zwei Beinen in seine ursprüngliche Form sich zurückverwandelt. Doch bevor das geschieht, geht es noch einmal wüst zu hinter meterdicken Schlossmauern. Wütet doch der eifersüchtige Gaston samt aufgehetzter Dorfgemeinschaft umher und verletzt den vermeintlichen Nebenbuhler schwer.

Beim minutenlangen Schlussapplaus lassen sich dann auch der bis dato im Bühnengraben verborgene Dirigent Tamás Bolba samt Orchester blicken.

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