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Traditionelle Behausungen für Insekten: Zurück zu den Wurzeln der Biene

Von Den Honigbienen ein naturnahes Zuhause geben, das wollen Antonio Gurliaccio und Moses Martin Mrohs. Die beiden „Bienenbotschafter“ sind in Karben zu Hause und haben die alte Tradition der Zeidlerei wieder entdeckt. Eine Premiere war das Aufhängen einer Klotzbeute, einer naturnahen Nisthöhle für Bienen, auf dem Gelände des Kleintierzuchtvereines in Klein-Karben.
Mit einem Zeidlerbeil höhlt Gurliaccio einen fast mannshohen Baumstamm aus. Foto: Anne-Rose Dostalek Mit einem Zeidlerbeil höhlt Gurliaccio einen fast mannshohen Baumstamm aus.
Karben. 

„Zurück zu den Wurzeln, das ist die Zukunft“ ist das Motto des ausgebildeten Imkers Antonio Gurliaccio. In seinen Händen hält er ein Zeidlerbeil, vor ihm steht ein fast mannshoher Teil eines Baumstammes. In mühevoller Arbeit hat er ihn ausgehöhlt, bis eine ausreichend große Höhle entstanden ist.

Mit einem Holzbrett wird die Höhe wieder abgedeckt. Es bleibt nur ein kleines und mit Zweigen getarntes Schlupfloch offen. Ein so bearbeitetes Baumstück heißt Klotzbeute. Wenn es fertig ist, soll es für einen ausgeschwärmten Bienenschwarm ein neues Zuhause sein. Seit zwei Wochen hängt so eine Klotzbeute in fünf bis sechs Metern Höhe an einer Kiefer in der Kleintierzuchtanlage Klein-Karben an der Nidda.

Zum Thema: Die alte Kunst der Zeidelei soll wiederbelebt ...

Die Zeidler haben bis ins 18. Jahrhundert die Wildbienen in den Wäldern gehütet und Klotzbeuten aufgehängt. Die „Zeidlerbaume“ waren markiert.

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„Die Bienen fliegen durch das Schlupfloch ein und fangen dann an, von oben nach unten ihre Waben zu bauen“, erklärt Gurliaccio. Er entdeckte diese Form des Bienenhütens in Ostpolen, wo es noch Menschen gibt, die in Wäldern die Klotzbeuten aufhängen.

Bis ins 18. Jahrhundert gab es auch in Deutschland die Zunft der Zeidler, der Bienenhüter, die den Wildbienen in den Wäldern nachspürten und Honig und Wachs auf Märkten verkauften. Doch nach und nach setzte sich das Halten von Bienen in Bienenstöcken an Häusern, in Gärten und Klöstern durch. Die Hausbienenzucht war weitaus ertragreicher als die mühevolle Suche nach Bienenhöhlen in den Wäldern.

Regelmäßig kontrolliert

Doch in der heutigen Zeit, wo das Bienensterben ein Thema ist und der Wunsch nach naturnahen Räumen in den städtischen Ballungsgebieten wächst, hat die uralte Kunst der Zeidlerei wieder eine Perspektive. Das meint jedenfalls Gurliaccio.

Er begeisterte seinen Freund und Geschäftskollegen Moses Martin Mrohs für dieses Projekt. Gemeinsam haben sie im Jahr 2012 die „Bienenbotschaft“ gegründet, um die Idee der naturnahen Bienenhaltung nach Art der Zeidlerei bekannter zu machen.

Die Begeisterung für „ihre Majestät“, die Honigbiene, spricht aus Gurliaccio und Mroh, wenn sie die Vorteile einer Klotzbeute erklären. „Im ausgehöhlten Holzstamm müssen die Honigbienen mit den ursprünglichen Bedingungen zurechtkommen, die eine Wildbiene hatte.

Das wird langfristig die Widerstandskraft der Honigbiene stärken, die von der Varoa-Milbe bedroht ist.“ Die Hoffnung der beiden Bienenbotschafter ist, dass Imker diese Form des Bienenhütens nicht als eine Konkurrenz empfinden, sondern als eine Bereicherung. „Vielleicht schaffen sich Imker eine mobile Klotzbeute als Ergänzung zu den traditionellen Bienenstöcken an“, hofft Mrohs. Es sei nicht beabsichtigt, die Klotzbeuten und den Bienenschwarm sich selbst zu überlassen. „Wir schauen regelmäßig nach den Bienen“, erzählt Gurliaccio.

Mit einer großen Honigausbeute sei nicht zu rechnen, da kämen die traditionellen Imker mit ihren Bienenstöcken auf die drei- und vierfache Menge. Gurliaccio hat sich das notwendige Imkerwissen in Kursen und bei Fortbildungen erworben und steht in Kontakt zu den wissenschaftlichen Bieneninstituten. Umgekehrt haben sich auch schon Wissenschaftler für das Projekt interessiert.

Im Botanischen Garten in Frankfurt haben die „Bienenbotschafter“ in einer alten und gekappten Rotbuche eine Höhlung für die Bienen angebracht.

Auftrag aus Frankfurt

Gurliaccio wäre jedenfalls nicht böse, wenn eines seiner Bienenvölker auf dem Gelände des Kleintierzuchtvereines Klein-Karben auf die Reise ginge und sich von der dortigen Klotzbeute angezogen fühlte. Etwa 40 Bienenvölker hält er traditionell in Bienenkästen. Einige stehen in seinem „Bienengarten“, einem Hausgarten mit vielen Kräutern, Duftpflanzen und Obstbäumen.

Der Garten gehört zur Alten Wäscherei, eines Gebäudekomplexes in Klein-Karben, den Mrohs und Gurliaccio vor elf Jahren erworben haben. Hauptberuflich haben beide mit Bienen nichts zu tun. Mrohs verdient sein Geld als Eventmanager und Gurliaccio ist Künstler und Dekorateur. Das sieht man seinem Garten auch an, den er mit viel Liebe hegt und pflegt.

Doch viel Zeit für solche besinnliche Momente bleibt Gurliaccio nicht. Zwanzig Baumstücke warten darauf, zu Klotzbeuten verarbeitet zu werden. Den Auftrag erteilt ihm Frankfurts Dezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und das Grünflächenamt in Frankfurt.

Auch für Karben wünschen sich die „Bienenbotschafter“, dass die Idee des naturnahen Bienenhütens auf Zuspruch stoße. Es habe schon Gespräche gegeben, ob nicht eine Klotzbeute in Rapp’s-Naturgarten angebracht werden könne“, berichtet Mrohs. Ein Haken dabei sind die Kosten. Denn mit 500 Euro müssen die Besteller einer Klotzbeute rechnen. „Das Beschaffen und Aushöhlen eines Baumstammes mit traditionellem Handwerkszeug macht sich nicht einfach nebenher“, erklärt Guarliaccio.

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