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Fipronil-Skandal: Wo die Eier noch unbelastet sind

Der „Eier-Skandal“ beherrscht aktuell die Schlagzeilen: Mit Fipronil belastete Eier sind im Umlauf, der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Grüne) sprach vergangene Woche von zehn Millionen betroffenen Eiern. Davon profitiert als größter Eierproduzent der Region der Margarethenhof in Karben-Kloppenheim.
Stammkunde Emil Pintea (rechts) will auf die Frühstückseier nicht verzichten. Mitarbeiterin Emilie Klier bestätigt ihm, dass bei den Eiern des Margarethenhofs kein Grund zur Sorge besteht. Stammkunde Emil Pintea (rechts) will auf die Frühstückseier nicht verzichten. Mitarbeiterin Emilie Klier bestätigt ihm, dass bei den Eiern des Margarethenhofs kein Grund zur Sorge besteht.
Bad Vilbel/Karben. 

Der Kloppenheimer Margarethenhof kann sich wegen vor Eier-Nachfrage derzeit kaum noch retten: „Am Samstag waren wir komplett ausverkauft. Das sind wir zwar häufiger, aber die Nachfrage war wirklich massiv“, erklärt Karl-Wilhelm Kliem, Leiter des Margarethenhofs. Vor allem hätten viele Leute ihn und seine Mitarbeiter direkt gefragt, wie mit den Eiern umzugehen sei und ob auch die Margarethenhof -Eier belastet seien.

„Das sind sie nicht“, klärt Kliem auf. „Hühnerställe müssen gesäubert werden und das machen Reinigungsfirmen, die darauf spezialisiert sind. In den Niederlanden ist einem dieser Unternehmen ein Mittel verkauft worden, das mit Fipronil versetzt ist“, sagt Kliem. Das habe man früher genutzt, um Schädlinge wie Würmer beispielsweise von Kartoffeln fernzuhalten. Doch sei das Mittel in der Landwirtschaft längst verboten.

„In Floh-Halsbändern für Hunde oder Ameisenködern ist das aber immer noch drin“, so der Experte. Er selbst lasse seine Ställe in Karben von einer Reinigungsfirma mit Sitz in Niedersachsen säubern. „Gleich nach dem Bekanntwerden dieser Sache hat mir das Unternehmen glaubhaft versichert, mit den Beteiligten nie in Kontakt gewesen zu sein. Unsere Eier sind also in Ordnung“, so Kliem.

Doppelte Menge bestellt

50 000 Eier produziert sein Hof am Tag und vermarktet diese im eigenen Hofladen vor Ort, aber auch in 50 Rewe-Märkten von Bad Nauheim bis Darmstadt. „Die Märkte haben jetzt allesamt die doppelte Menge bestellt.“ Dennoch scheinen viele Märkte durch den Skandal verunsichert. So möchte sich beispielsweise der Leiter des großen Rewe-Marktes in Bad Vilbel, Bernd Kaffenberger, nicht zu dem Thema äußern.

Generell verkauft Rewe weiterhin Eier, doch nur von regionalen Bauern, keine aus den Niederlanden. Der Discounter Aldi hat sogar alle Eier aus dem Sortiment genommen. Die Menge an Eiern, die der Margarethenhof täglich produziert, deckt nicht einmal zwei Prozent des Bedarfs im Rhein-Main-Gebiet ab: „Wenn so etwas passiert, merkt man erstmal, welche unglaublichen Mengen an Lebensmitteln wir benötigen“, gibt Kliem zu bedenken. Für die betroffenen Betriebe, die ihre Eier wegen des Fipronils nicht mehr verkaufen dürfen, bedeute der Skandal extremen finanziellen Schaden, ist sich Kliem sicher. „Das ist natürlich schade, denn die Betriebe gehen davon aus, dass die professionellen Reinigungsfirmen wissen, was sie tun. Und nun sind sie die Leidtragenden“, bedauert der Landwirt, wobei er zu bedenken gibt, dass auch die beteiligte Reinigungsfirma nach eigenen Aussagen von nichts gewusst habe. Der Hersteller des Mittels sei also eher schuld.

Neuen Stall bauen

Sein Laden brummt seit Bekanntwerden des Skandals allerdings mehr denn je. „Normalerweise fahren wir die Produktion herunter, wenn die Sommerferien kommen, da die Nachfrage spürbar abnimmt. Das ist momentan nicht so“, sagt er. Man habe die Legeperiode der Hennen verlängert, um die Nachfrage nach Eiern auffangen zu können.

„Am einfachsten wäre es für uns, wenn wir einen neuen Stall bauen könnten. Wir versuchen schon seit Jahren die Genehmigungen dafür einzuholen, um mehr produzieren zu können.“ Doch seien diese kaum zu bekommen, ärgert sich Kliem. Das führe dann natürlich dazu, dass Eier importieren werden müssten, die „anonym“ im Ausland produziert würden – und nicht in der Region.

„Ich denke, dass die Nachfrage nach Eiern in den nächsten Wochen aber nochmal stark einknicken wird, auch hier bei uns“, fährt Kliem fort. „Viele Leute sind sich nicht mehr sicher, wo sie Eier kaufen können und werden deshalb vorerst gar keine mehr kaufen“, vermutet der Landwirt.

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