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"Lädchen für alles": Wo der Tante-Emma-Laden auflebt

Mal schnell um die Ecke gehen und einen Liter Milch holen oder das Fleisch fürs nächste Mittagessen: In Okarben ist das möglich. Dort gibt es das „Lädchen für alles“. Das ist weit mehr als ein Nahversorger, und zwar seit mittlerweile fünf Jahren.
Sorgen für stets genug Nachschub in den Regalen im „Lädchen für alles“: Marktleiter René Skwarra (links) und Maximilian Battefeld. Bilder > Sorgen für stets genug Nachschub in den Regalen im „Lädchen für alles“: Marktleiter René Skwarra (links) und Maximilian Battefeld.
Karben. 

Ilse Ewinger ist 85 Jahre alt. Die rüstige Seniorin hat zwar kein Auto, dafür aber einen Einkaufsladen in ihrer Nähe. „Ich gehe hier jeden Tag her“, sagt sie und lächelt. Dabei treffe sie auch mal Menschen aus dem Ort. Sie steht vor der Tür und schaut dem bunten Treiben zu.

Es ist eine Geburtstagsfeier, direkt vor dem Geschäft: Das „Lädchen für alles“ existiert seit fünf Jahren. Eine reife Leistung angesichts der Supermärkte im Stadtzentrum und an der B 3, die mit dem Auto gut zu erreichen sind. Doch diejenigen, die hier einkaufen, wollen oder können gar kein Auto fahren. Dafür schätzen sie die Nähe zu ihrer Wohnung.

Wer aber glaubt, hier würden nur ältere Menschen sich ihre Lebensmittel holen, der irrt. Auch Familien finden sich in dem Laden, in dem früher Schlecker war. Dort kaufen auch David Löhr und seine Partnerin Pascalie Lanible ein, die ihren Sohn Paul dabei hat. „Wir sind mehrmals die Woche hier“, sagt Löhr, der schon immer in Okarben lebt. An dem Laden schätze er das Bio-Sortiment und auch, „dass das Personal super ist“. Es herrsche eine ungeheuer nette Atmosphäre. Auch seine Eltern kaufen hier ein.

Eine Begegnungsstätte

Marktleiter René Skwarra sagt, der Laden sei „eine Begegnungsstätte für Jung und Alt im Stil des Tante-Emma-Ladens“. Die meisten seiner Kunden kennt er: Mehr als 80 Prozent seien Stammkunden. „In Okarben ist das Lädchen angekommen.“ Den Eindruck haben an diesem Tag viele.

Lebendiges Zentrum

  Ein lebendiges Ortszentrum wünschen sich die Okarbener. Doch als Schlecker 2012 schloss, wurde es zunächst ruhiger.   Den Vorschlag für einen Dorfladen nach Tegut-Konzept machte die SPD.

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Und auch die Politik hat die Wertigkeit des Ladens erkannt. Landrat Jan Weckler (CDU) taucht ebenso als Geburtstagsgast auf wie Bürgermeister Guido Rahn und sein Erster Stadtrat Friedrich Schwaab (beide CDU). „Es ist wichtig, dass es den Laden hier gibt“, sagt Rahn lächelnd. Er kenne noch einen Stadtteil, „wo wir keinen Laden haben“. Das ist Burg-Gräfenrode.

Dort gab es einmal einen ganz kleinen Lebensmittelmarkt, der sich aber nicht gehalten hat. Dort hatten zu wenige eingekauft. In Okarben ist das anders. „Seit es den Laden gibt, ist an diesem Platz wieder Leben“, sagt Ortsvorsteher Karlheinz Gangel (CDU). Der Ortsbeirat habe sich jahrelang für einen solchen Laden eingesetzt.

Vorteil bei der Jobsuche

Ins Leben gerufen hat ihn die bundesweite Initiative der Tegut-Kette. Die wollte in unterversorgten Gebieten mit Partnern zusammen kleinere Läden einrichten. Als Partner in Okarben ist das Berufsbildungswerk Südhessen (BBW). Das hatte früher auf seinem Gelände selber einen kleinen Markt betrieben, quasi einen Ausbildungsmarkt. Und genau das ist auch das Besondere an dem „Lädchen für alles“: Das Personal stammt nicht von Tegut, sondern vom BBW Südhessen.

Insgesamt 14 junge Leute werden in zwei Gruppen hier ausgebildet. Neben der Beratung erwerben die angehenden Fachkräfte Kompetenzen in den Themengebieten Warensortiment, Präsentation der Ware, Warenwirtschaft und Kasse. „Ziel ist es, dass die Azubis weitestgehend selbstständig im Lädchen tätig sind, das bringt ihnen große Vorteile bei der Jobsuche“, weiß René Skwarra, der das Okarbener Lädchen seit Januar 2017 leitet.

Seine Vorgängerin Andrea Geißler hat drei Jahre hier gearbeitet, ist jetzt beim Außendienst von Tegut. Zur Geburtstagsfeier ist auch sie gekommen, freut sich mit den anderen, dass der Laden so gut angenommen wird. Durchschnittlich 200 Kunden täglich zählt dieser besondere Tante-Emma-Laden. Vielleicht werden es noch mehr. Denn an Appellen, vor Ort einzukaufen, hat es nicht gefehlt.

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