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Café im Jugendkulturzentrum: Wo Flüchtlinge Karbener treffen

Von Vor fast drei Jahren hat die Karbenerin Bettina Wiesner durch Zufall Obaid aus Afghanistan kennengelernt. Aus einer einfachen Hilfestellung entstand eine feste Freundschaft – und die gemeinsame Ideen, Kulturen zusammenzubringen. Der Wunsch für das neue Jahr: 2018 sollen auch mehr Karbener zu den regelmäßigen Treffen kommen.
Gesellige Runde: Initiatorin Bettina Wiesner (Zweite von links) ) mit ihren Besuchern des Begegnungscafés. Gesellige Runde: Initiatorin Bettina Wiesner (Zweite von links) ) mit ihren Besuchern des Begegnungscafés.
Karben. 

Gelächter füllt den Raum. Eine Gruppe junger Männer ist ins Gespräch vertieft, während im Nebenraum ein halbes Dutzend ihrer Freunde um den Tischkicker stehen und dem Tor zujubeln. Mohammad aus Pakistan und Malanjan aus Afghanistan spielen mit Benjamin Wiesner eine Runde Billard, und seine Mutter Bettina Wiesner probiert Plätzchen, die ein Besucher mitgebracht hat. „Hmm, sind die lecker! Probiert mal!“

Im Jugendkulturzentrum (Jukuz) tobt an diesem Sonntagnachmittag das Leben: Rund 20 Flüchtlinge und eine Handvoll Freunde und Familie von Bettina Wiesner haben sich getroffen, an vollen Tagen sind es bis zu doppelt so viele. Für die Karbenerin ist es eine regelmäßige Szene: Einen Sonntag im Monat – in der Regel am ersten – lädt sie zum Begegnungscafé „OneNess“. Es wird gespielt, gesprochen, getanzt. Wenn das Wetter schön ist, wird das Café nach draußen verlagert – mit Tischen und großer Fläche, die etwa zum Fußballspielen einlädt.

Termine 2018 stehen fest

Die Sonntage, an denen 2018 das Begegnungscafé öffnet, stehen bereits fest: Das nächste Treffen findet an diesem Sonntag (14. Januar) statt. Danach wird am 4. Februar, 4. März, 15. April, 1.

clearing

Integration fördern

Doch der Titel Begegnungscafé sollte dabei noch viel mehr Programm sein, findet Wiesner. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Karbener Bürger den Weg zu uns finden.“ Denn das Angebot wird nach dem ersten Jahr sehr unterschiedlich wahrgenommen. „Für uns ist es eine wichtige Gelegenheit, sich zu treffen“, erklärt Obaid aus Afghanistan. „Am Anfang, in der ersten Unterkunft, haben wir ja noch zusammengelebt. Aber wenn wir dann in eigene Wohnungen ziehen oder anfangen zu arbeiten, haben wir fast keinen Kontakt mehr. Das ist schade.“

Karbener hingegen trauen sich bislang noch nicht so oft zum regelmäßigen Kaffee-Sonntag. Nur hier und da kommen mal neue Gesprächspartner, wenn Bettina Wiesner gezielt einlädt. So wie ihre Mutter und ihr Partner: Die beiden sind über das Wochenende zu Besuch aus Bremerhaven und an diesem Sonntag dabei – zum ersten Mal. „Das ist doch eine tolle Sache“, meint Wiesners Mutter. „Hier können sich Menschen in einer gemütlichen Umgebung kennenlernen, das fördert die Integration.“

Dabei ist das Begegnungscafé ein Zufallsprodukt: 2015 machte sich Wiesner auf den Weg zum Bürgerzentrum, um sich über Möglichkeiten in der Flüchtlingshilfe zu informieren. Nach einem Auffahrunfall auf dem Parkplatz lernte sie Obaid kennen: Der heute 26-Jährige half gemeinsam mit seinen Freunden und hat sein Handy geliehen.

www.fnp.de

Infos zur Situation der Flüchtlinge in der Region gibt es auch im Netz.

Kurz darauf bedankte sich Wiesner mit einem selbstgebackenen Apfelkuchen. Aus der Hilfe wurde eine Freundschaft, und aus dieser entstand das neue Projekt: Denn Obaid hatte die Idee, eine regelmäßige Stätte der Begegnung zu schaffen – Bettina Wiesner setzte sie schließlich um. Nach einem wöchentlichen Start merkten die beiden aber schnell, dass das – vor allem neben Wiesners Vollzeit-Berufstätigkeit und der eigenen Familie – zu viel war.

Heute öffnet der Treff einmal im Monat. Das Gespräch ist ein Hauptanliegen. „Im Alltag sind wir alle oft so gehetzt, dass gar keine Zeit bleibt für ein offenes Gespräch“, erklärt Wiesner. Dabei hätten all die Flüchtlinge ganz eigene Geschichten – gute wie schlechte.

Viele sind aufgeblüht

Die Gespräche beinhalten aber auch ganz konkret Hilfe für das neue Leben in Karben: So werden etwa in Rollenspielen die Gespräche im Asylverfahren geübt.

Darüber hinaus arbeitet Wiesner mit den Besuchern gezielt an den schlechten Geschichten. Denn sie ist ausgebildet im sogenannten „Direct Healing“, das auf einem tiefen Verständnis der Zusammenhänge von Seele, Körper und Geist basiert. Sogenannte Herzöffnungen sind regelmäßig Bestandteil. „Viele sind regelgerecht aufgeblüht“, beobachtet Wiesner. Auf die gemeinsame Seele, für die die Treffen Balsam sind, zielt auch der Name ab: „OneNess“. „Wir sind alle Menschen“, betont Wiesner. Für 2018 wünscht sie sich, dass mehr Karbener das sehen – und in das Gelächter an den Kaffee-Sonntagen einstimmen.

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