E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Vilbel 28°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Beruf: Wie man zum Landschaftsobstbauern wird

Von Zu Bad Vilbels Naturschätzen ge-hören große Streuobstbestände. Sie sind wichtig für die biologische Vielfalt, das Klima, den Boden, die Gewässer sowie als Lebensraum für Tiere und Insekten – und als Naherholungsgebiet für die Bürger.
Der richtige Baumschnitt will gelernt sein: Die jungen Obstbauern des OBV wissen wie es geht. Bilder > Der richtige Baumschnitt will gelernt sein: Die jungen Obstbauern des OBV wissen wie es geht.
Bad Vilbel. 

Stolz halten Jakob Pfeiffer (19), Florian Pröfrock (23), Theodor Kratz (19) und Robin Pfeiffer (23) ihre Urkunden in den Händen. Die vier Nachwuchsmitglieder des Obstbauverein Bad Vilbel (OBV) sind „Zertifizierte Landschaftsobstbauer“. Peter Beltz, Vorsitzender des OBV, freut sich über die mit „Glanz und Gloria“ abgelegten Prüfungen des Quartetts. Das drückte in seiner Freizeit ein „Baumjahr“ lang bei Josef Weimer im Bergen-Enkheimer Main-Äppel-Haus die Schulbank. Die theoretische und praktische Ausbildung in mehreren Modulen umfasste 108 Unterrichtseinheiten.

Für den Lehrgang im Streuobstzentrum am Lohrberg sind die vier jungen Männer aus der OBV-Jugendgruppe bestens vorbereitet. „Wir haben bereits als Kinder unter den Obstbäumen gespielt, bei der Ernte der Früchte und bei deren Verwertung geholfen“, berichtet Robin Pfeiffer. Viele Jahre lang erlebten sie unter Obhut ihrer Familien und Verwandten auf den Streuobstwiesen hautnah den Kreislauf der Natur mit. Sie beobachteten wie die Bäume aus der Winterruhe erwachen, die Knospen immer praller werden, die Blüten sich öffnen und entfalten, Bienen und andere Insekten in Scharen mit ihrem betörendem Duft zum Saugen und Pollen bestäuben einladen.

Zum Erhalt beitragen

„Wir sind alle vier von Kindertagen an in diesen Kreislauf der Natur hineingewachsen. Wir freuen uns, wenn viele Eltern ihren Kindern diese Naturverbundenheit in unserer technisierten Welt ermöglichen. Wir wollen mit der art- und fachgerechten Pflege der Obstbaumbestände und durch Neuanpflanzungen in unserer Freizeit zum Erhalt der wertvollen Streuobstwiesen beitragen“, sagt Robin Pfeiffer.

Er und sein Bruder Jakob helfen ihrem Onkel Jürgen Pfeiffer nicht nur bei der Ernte der verschiedenen Obstsorten von den meist großwüchsigen Bäumen, sondern auch bei der Verwertung der Früchte zu Saft, Sekt oder Likör. So auch Florian Pröfrock, der ein Enkel von Konrad Stang ist, des gestorbenen Haanegässer Apfelweinwirts. Stang betrieb die Gastwirtschaft „Hanauer Hof“, kelterte sein „Stöffche“ im Keller selbst. Die Familie von Theo Kratz besitzt ebenfalls Streuobstwiesen im Wingert, verwertet die Früchte. „Viele Streuobstwiesen werden nicht mehr gepflegt, der Obstbaumbestand ist veraltet“, berichten die Männer.

Doppelte Nutzung

Sie haben während ihrer Ausbildung, deren Kosten in Höhe von 1600 Euro der OBV trägt, Schnitt- und Pflegearbeiten an Obstgehölzen wie dem Erziehungsschnitt bei jungen und dem Pflegeschnitt bei mittelalten sowie den Erneuerungsschnitt bei alten Bäumen gelernt. Dazu gehören viele wichtige Themen wie auch der Beerenobstanbau, die Beurteilung der Vitalität alter Obstbäume und das fachgerechte Anlegen einer Streuobstwiese.

„Grundsätzlich ist unser Verein, von dessen 168 Mitgliedern derzeit noch 15 aktiv sind, am Erwerb brachliegender Grundstücke im Bereich unseres Lehrgartens interessiert“, sagt Peter Beltz. Und fügt hinzu: „Die klassischen Streuobstwiesen, die eine Form des extensiven Obstbaus mit großwüchsigen Obstbäumen in weiten Pflanzenbeständen sind, entstanden vermehrt etwa ab dem Jahr 1900, begünstigt durch den Ausbau der Milchviehhaltung.“ Charakteristisch seien die doppelte Nutzung mit Obstbau und einer Unterkultur als Wiese, Weide, Acker oder Garten sowie verschiedene Obstarten, Sorten und Altersstufen auf einer Fläche.

Zum Streuobst zählen ebenso einzelne Obstbäume, Obstbaumgruppen und Baumreihen entlang von Grenzrainen, Wegen und Straßen wie flächige Bestände mit eher regelmäßigen Abständen auf den klassischen Streuobstwiesen. „Typische Obstarten sind Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Quetsche und Walnuss, vereinzelt auch Quitten und Wildobst wie Speierling“, erklären die Landschaftsobstbauer.

Ihre Kenntnisse wollen die vier jungen Obstbauern bei Veranstaltungen wie dem Obstbauschnittkurs im Lehrgarten am Bad Vilbeler Lindenweg am Samstag, 17. Februar, zwischen 9 und 12 Uhr weitergeben.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen