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Immobilien: Wie die Kling-Brüder das Karbener Stadtbild prägen

Von Sie dürften wohl die größten privaten Immobilienbesitzer in Karben sein: die Brüder Bruno (61) und Norbert Kling (58). Aus einem Freizeitspaß ist binnen 25 Jahren ein Millionenunternehmen geworden. Mit ihrer Arbeit prägen die Klings das Stadtbild.
Bruno Kling im Taunusbrunnen Kloppenheim. Foto: red Bruno Kling im Taunusbrunnen Kloppenheim.
Karben. 

Wer nach Karben hinein fährt, der blickt als erstes auf dieses Gebäude: das City-Center an der Bahnhofstraße. Im Stil seiner Zeit um Modernität heischend, prägt der Bau die Gegend, die erst langsam zu einem Stadtzentrum heranwächst.

Die Idee zum Bau des kleinen Geschäftszentrums mit Kino, Büros, Arztpraxen, Restaurants und Hotel kam Bruno Kling bei einer Kalifornien-Reise. „Die kleinen Shopping Malls fand ich gut, das wollte ich in Karben realisieren.“

Ende der 90er-Jahre, als Bruno und Norbert Kling den Doppelkomplex errichten, beschreiten sie Neuland – für ihre junge Firma ebenso wie für die Stadt. Hier, zwischen Industriegebiet und Bahnhof, gibt’s nur Ackerland.

Der Bau des City-Centers 1998 ist das erste größere, eigene Projekt der Klings. Sechs Jahre zuvor hatten die beiden Brüder ihr Unternehmen gegründet. „Mit 25 000 Mark“, erinnert sich Bruno Kling. Wie viel das Unternehmen heute umsetzt oder gar verdient – das behalten die Firmeninhaber aber lieber für sich.

Die Veranlagung zum Bauen war den Brüdern früh anzumerken. Sie wachsen in Kloppenheim auf, wo ihre Eltern einen Kolonialwarenladen gegenüber der Ratsschänke betreiben. „Wir haben schon als Jungs Steine geschleppt auf der Baustelle“, erinnert sich Bruno.

Aus Hobby gewachsen

Bruder Norbert macht eine Ausbildung zum Industriekaufmann, heuerte bei der Techno-Chemie im Klein-Karbener Gewerbegebiet an. Bruno Kling zieht es in die Welt des ganz großen Geldes. Er macht eine Banklehre, pfeift aufs BWL-Studium, geht als Wertpapierhändler an die Frankfurter Börse.

Ihr Hobby aber pflegen die Brüder gemeinsam weiter: Hin und wieder kaufen sie günstig ein „kleines Immobilienprojekt“, renovieren den Bau, verkaufen ihn wieder mit Gewinn. „Jeder musste eine vorher festgelegte Zahl an Stunden absolvieren“, erklärt Bruno Kling. Bald schon erreichen die Brüder die steuerliche Grenze zum gewerblichen Bereich. Das zwingt sie dazu, die Kling GmbH zu gründen. „Dass es so groß wird, war aber nicht geplant“, beteuert der Ältere.

Die neue Firma wächst zügig. Eine Hofreite in Rendel sanieren die Klings, danach das heruntergekommene Gasthaus „Zum Schwanen“ an der Ecke von Homburger Straße und Selzerbachweg in Klein-Karben. Nach zwei Jahren gründen die Klings die Domotec GmbH.

„Wir merkten, das wir auch eine kleine Baufirma brauchen“, erläutert Bruno. Das Einarbeiten war für die Quereinsteiger schwierig. Mit dem Bau eines Rewe-Marktes in Gedern aber waren sie gleich gefordert. „Das war kein Selbstläufer, wir haben viel Freizeit investiert.“

Zur Domotec ist inzwischen ein kleines Konglomerat an Tochterfirmen gekommen. Ein Hausmeister-Service gehört zur Kling-Gruppe, seit jüngstem eine Beteiligung an einem Brandschutzbüro. Ein Hotel betreiben die Klings, ein weiteres ist verpachtet. Vermietung und Verwaltung der Wohnungen erledigt die Firma selbst. Beispielsweise der fast 100 Studentenappartements im Gebäude der ehemaligen Stasi-Zentrale in Jena. 1998 haben Klings diese gekauft, entkernt und saniert.

Nach einem Vierteljahrhundert arbeiten inzwischen 100 Menschen in den Kling-Unternehmen. Allein in den vergangenen zwei Jahren verdoppelte sich die Beschäftigtenzahl. Fachkräftemangel bremst das Wachstum derzeit aber aus.

Faible fürs Historische

„Vorsichtig wachsen“ soll die Firma, sagt Bruno Kling. Daher flössen 95 Prozent der Erträge wieder ins Unternehmen und neue Projekte. Längst dürften die Klings die größten privaten Immobilien- und Grundeigner in Karben sein. Dass sie dafür Neid ernten, ist logisch – ebenso wie Anerkennung. Schließlich haben sich die Brüder den Erfolg hart erarbeitet. „Die Firma wäre nicht so groß geworden, wenn ich immer den Gewinn abgeschöpft und mich auf eine Karibikinsel gelegt hätte“, sagt der Ältere.

Bei den Brüdern geht es fast nur noch um Langfrist-Investitionen in der Region. Projekte auf Mallorca und in den USA blieben Eintagsfliegen. „Wegen der Synergien unserer Firmen ist es besser, wenn wir in der Nähe bleiben“, weiß Kling. Ausnahmen gibt’s natürlich. Wie das Startup namens „Ackerlust“, das Kürbiskerne und deren Öl in Rumänien herstellt und via Internet vertreibt. Über alte Börsenconnections kam Bruno Kling in Kontakt. Nun ist er „nennenswert“ beteiligt, schaut ein paar Mal im Jahr vor Ort nach dem Rechten. „Es macht mir einfach Freude, etwas aufzubauen und zu gestalten.“

Dem City-Center folgen viele Bauprojekte: das Haus mit „Neidharts Küche“ im Gewerbegebiet Klein-Karben zum Beispiel, Immobilien in Büdingen, Butzbach, Zeppelinheim. Gern nimmt sich Bruno Kling auch historischer Bauten an.

Anfang der 2000er-Jahre sanierte er das verfallene, 250 Jahre alte Lersnersche Schloss in Nieder-Erlenbach. Vermietet ist es als Sitz einer Unternehmensberatung. Das lange leerstehende Burgtor in Bad Nauheim will Kling nun angehen. Bauen auf der grünen Wiese sei einfacher. „Aber es reizt mich, historische Dinge wachzuküssen.“

Wobei auch bei den alten Bauten gelte: Rentieren müsse sich die Investition. Was sich beim nächsten Projekt zeigt: Den historischen Taunusbrunnen in Karben wollen die Klings sanieren. Damit sich das rechnet, entstehen an der Brunnenstraße auch zehn Neubauten mit Wohnungen und Büros.

Als die Immobilienarbeit überhand nimmt, hängen die Brüder Ende der 90er-Jahre ihre alten Jobs an den Nagel. „Meine Kollegen an der Börse haben mich ausgelacht, als ich ihnen erzählte, dass wir hier im Jahr acht Prozent Rendite machen“, sagt Bruno Kling. „Die sagten: Das machen wir an einem Tag.“ Aber es mache ihm Freude zu sehen, wie ein Haus wächst.

Das Bauchgefühl trügt nicht, als Bruno den ertragreichen Job an der Börse aufgibt. Denn nur Monate später platzt die Blase des Neuen Markts. „Ich war wohl etwas frühvisionär“, sagt Kling und grinst breit.

Frühvisionär aber war er auch im Stadtzentrum. Als die Klings das City-Center 1998 auf die Grüne Wiese bauten, schüttelten die Karbener noch die Köpfe. Doch langsam ist die Stadt herangewachsen.

Nebenan wird gerade die Neue Mitte gebaut. Gegenüber, hinter der neuen Volksbank, haben die Klings mit dem Wohn- und Geschäftshaus „Bellevue“ einen architektonischen Hingucker geschaffen. Und nur wenige hundert Meter weiter werden die Brüder bald am Taunusbrunnen erneut das Stadtbild prägen.

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