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Petterweiler Männerchor geht neue Wege, um Sänger zu werben: Wer einmal dabei ist, bleibt meist dabei

Von Der Männerchor Petterweil möchte neue Wege gehen. Gesucht werden Jungs und Männer, die gerne Klassiker bis moderne Songs intonieren. Spaß an der Gemeinschaft sollten sie haben und gerne singen, auch im T-Shirt und bei Nieselregen im Park am Robert-Blum-Denkmal.
Dehn- und Lockerungsübungen vor dem Singen sind für das Stimmvolumen wichtig. Bilder > Dehn- und Lockerungsübungen vor dem Singen sind für das Stimmvolumen wichtig.
Karben. 

Holzbänke stehen im Park. Es regnet ein wenig. In der Luft hängt ein Geruch von gegrillten Würstchen und staubigen Papiermappen. In den Mappen verbergen sich Notenblätter. Noten für Werke wie „Arcobaleno“, „La Montanara“ und „Bajazzo“ oder deutsche Partituren wie „Am Rhein bei Wein“. Die Melodienfolge greift die schönsten Volkslieder um den Fluss und den Rebensaft von Robert Pappert auf. Das Singen unter freiem Himmel unweit des Neubaugebietes am alten Sportplatz ist ein Mosaikstein auf dem neuen Weg der Sänger. Es ist ein steiniger Weg, welcher der Mitgliederwerbung dient.

Ideen, Kreativität und Überzeugungskraft sind dafür gefragt. Schwindende Mitgliederzahlen verzeichnen auch andere Vereine wie ehrenamtliche Feuerwehren, Turnvereine oder Obst-und Gartenbauvereine. Während es früher nur eine Handvoll Vereine in den Dörfern gab, ist das Freizeitangebot heute auch außerhalb von Vereinen größer denn je. Die Menschen sind mobil und vernetzt und deshalb nicht mehr auf Vereine vor der Haustür angewiesen.

Singen aus Leidenschaft

Otmar Balser ist vor fast sechs Jahrzehnten Chormitglied geworden. 1958 ist er eingetreten. Damals war er 17 Jahre alt. Das Internet hatte es noch nicht gegeben, nur den Handball-, und Gesangverein und die Feuerwehr. Balser hat sich für den Gesangverein entschieden, dem er bis heute treu geblieben ist. „Wenn man einmal dabei ist, bleibt man dabei“, sagt der zweite Tenor. Heute sei er Ehrenmitglied und singe noch immer aus Leidenschaft. Winfried Erb, der sich mit Rainer Dettmann, Ralf-Michael Klügl und Heinz-Ditmar Reich die Verantwortung im geschäftsführenden Vorstand teilt, ist offen für neue Ideen. 2015 seien noch 26 Sänger im Chor aktiv gewesen, heute seien es 17 Sänger, sagt er.

Ein Drittel der Sänger käme aus anderen Ortschaften. „Wir können nur noch Konzerte geben, wenn wir mit Sängern anderer Chöre auftreten“, klagt Erb. Etwa 34 Sänger seien nötig, um die gesamte Breite des Chores darzustellen. Dirigent Hermann Jung sei ein Glücksfall. Er leite auch gemischte Chöre aus Lich, im Bad Nauheimer Stadtteil Schwalheim und den Männerchor Eintracht Gambach. Die Sänger sind befreundet und helfen untereinander aus.

Auftritte geplant

Die Chorprobe findet dienstags um 20 Uhr im Bürgerhaus Petterweil im Sängerraum statt. Auftritte des Chores sind am 3. September um 16 Uhr im Kloster Arnsburg geplant sowie am 30.

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Der Männerchor Petterweil würde gerne eigenständig bleiben, sagt Erb mit brüchiger Stimme, – ahnend, dass dies in Zukunft schwierig werden wird. Acht Projektsänger helfen mittlerweile aus, doch die sind nicht Mitglied im Chor und kommen deshalb nur spontan zu Konzerten.

Gemischte Gefühle

Andreas Hirsch, der 1998 von Bad Homburg nach Petterweil gezogen ist, beobachtet die Szene im Park noch mit gemischten Gefühlen. Mitglied im Chor zu werden, das ist ihm schon mehrfach angeboten worden. „Chorgesang ist für mich etwas Fremdes. Ich bin mehr ein Rock’n’Roller“, sagt er. Über einen Beitritt denke er noch nach.

Wie Erb betont, liegt das Durchschnittsalter des Chores bei 75 Jahren. Der jüngste Sänger sei 37 Jahre alt, der älteste 84. Auch Jung weist auf die schwindende Zahl der Männerchöre hin. Von ehemals 25 Männerchören seien heute noch vier im Sängerbund Friedberg Mitglied. In Bezug auf die Chorliteratur seien Männerchöre in den Sechzigern anzusiedeln. „Die neue Chorliteratur ist oft in Verbindung mit Percussion gestaltet. Das bekommt man mit älteren Sängern nicht mehr hin“, sagt Jung. Die Bindung an Vereine sei heute generell kaum noch gefragt.

Von 1965 bis 1980 habe es kaum noch Gesangsunterricht in Schulen gegeben. Nun habe sich der Trend umgekehrt. Gesangsunterricht gebe es in Schulen wieder – und auch Kultur-Schulen förderten die Musik und den Gesang. Musikschulen wie in Karben, Butzbach, Friedberg und Bad Nauheim verzeichneten Schülerzahlen im vierstelligen Bereich. Bariton Jung, der seit 1993 den Karbener Männerchor leitet, setzt auf Dehn-und Lockerungsübungen vor dem Singen.

Auch ein Auftritt im T-Shirt und mit choreografierten Bewegungen, sei durchaus Bestandteil eines modernen Chorgesangs, erläutert er den Wandel. „Chorgesang gibt mir Ruhe und Freude. Es ist ein Ausgleich im Alltag“, sagt Dirigent Hermann Jung, der auch Lieder für seine Chöre arrangiert. Vier Chöre sind es insgesamt und drei Chöre in Seniorenheimen.

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