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Die Folgen, wenn kein Pflanzenschutzmittel eingesetzt wird: Wenn das Unkraut die Oberhand gewinnt

Von Eine Landwirtschaft ohne Chemie birgt die Risiken von Ertragsverlusten. Matthias Wacker aus Kilianstädten betreibt integrierte Landwirtschaft. Er setzt Pflanzenschutzmittel ein, aber nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Ganz ohne geht es nicht, sagt er und hat als Beispiel auf drei Feldern am Radweg Hohe Straße zehn mal zehn Meter große Stücke unbehandelt gelassen. Sie dienen als Schaustücke für die Bevölkerung, warum es mitunter Sinn macht, Pflanzenschutzmittel einzusetzen.
Landwirt Matthias Wacker zeigt eine Zuckerrübe vom behandelten Feld (links) und eine vom unbehandelten (rechts). Der Unterschied ist klar zu sehen. Landwirt Matthias Wacker zeigt eine Zuckerrübe vom behandelten Feld (links) und eine vom unbehandelten (rechts). Der Unterschied ist klar zu sehen.
Schöneck. 

Matthias Wacker rammt den Spaten in den Ackerboden auf dem zehn mal zehn Meter großen, unbehandelten Stück des Zuckerrübenfeldes. Dort hat sich ein Unkraut besonders stark ausgebreitet. Die Melde überwuchert die Zuckerrübenpflanzen, die kaum noch zu sehen sind. Nachdem er eine Zuckerrübe ausgegraben hat, geht der Landwirt ein Stück weiter auf dem Feld, das behandelt wurde, und gräbt noch eine aus. Schließlich hält der 31-Jährige beide Rüben zum Vergleich in der Hand. Man sieht sofort auf einen Blick: Die vom behandelten Feld ist deutlich größer, die andere wirkt verkümmert.

„Wenn ich bei der Zuckerrübe keine Pflanzenschutzmittel einsetze, habe ich einen totalen Ernteausfall“, sagt Wacker. Das Unkraut überwuchert die Nutzpflanze, entzieht ihr Wasser und Nährstoffe. Die Folge ist, dass die Rübe nicht weiter wachsen kann und sich der Zuckergehalt zurückbildet. „Ich versuche, viel über Fruchtfolgen zu verhindern“, erklärt der 31-Jährige, der 2012 in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist. Doch ganz ohne Chemie geht es nicht. Alle zwei Jahr pflügt er die Felder um, damit das Unkraut minimiert wird. „Den Aufwand machen sich viele Betriebe oft nicht mehr“, sagt Wacker.

Kostendeckend arbeiten

Die einzige Möglichkeit, ohne Chemie dem Unkraut Herr zu werden, sei, die Pflanzen per Hand zu entfernen. „Das kostet viel Arbeitszeit und -kräfte. Dabei muss man berücksichtigen, dass man in einem Betrieb kostendeckend arbeiten muss“, sagt er. „Gegen einen bestimmten Pilz haben auch die Bio-Betriebe kein Mittel“, erzählt Wacker. Wenn er das Pflanzenschutzmittel dagegen nicht in den kommenden Wochen aufs Feld ausbringt, gäbe es einen Totalverlust. Bei der Erntemaschine fallen zu kleine Rüben durchs Raster.

Weil es in den verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft immer mal Schwierigkeiten gibt, hat sich der Wacker’sche Betrieb breit aufgestellt. Neben dem Acker- und Futterbau betreibt die Familie einen Milchvieh- und einen Bullenmastbetrieb. Ganz neu ist das Standbein mit der Milchscheune, wo sich die Konsumenten selbst frische Rohmilch ab einem halben Liter abzapfen können. In Norddeutschland sind diese Milchautomaten schon weiter verbreitet.

Fläche ist knappstes Gut

Der Betrieb baut Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrüben und Raps an. „Die Flächen sind unser knappstes Gut. Im Rhein-Main-Gebiet werden sie immer weniger. Hier sind sie durch Umgehungsstraßen, Windräder und Neubaugebiete weggefallen“, sagt Wacker. Um die Versorgungsleistung zu gewährleisten, sei ein hoher Ertrag wichtig. Die Weltbevölkerung wachse, zeitgleich sinke die Anbaufläche.

Der Landwirt setzt Pflanzenschutzmittel dosiert ein, sie sind für ihn nur ein Werkzeug von vielen: „Die Mittel sind zum einen teuer, zum anderen kostet das Ausbringen Energie. Je weniger man benötigt, desto besser.“ Um sie einsetzen zu dürfen, muss der 31-Jährige einen Sachkundenachweis haben, der alle drei Jahre überprüft wird.

Margarethe Hinterlang erläutert die Arbeitsweise des Hofs.
Es geht auch anders: Ökologisch-dynamische ...

„Dass ökologische Landwirtschaft funktioniert, sieht man allein daran, dass wir im nächsten Jahr unser 50-jähriges Jubiläum feiern“, erläutert Margarethe Hinterlang, Pressesprecherin des Dottenfelderhofs

clearing

Auch die Geräte, die für die Pflanzenschutzmittel benötigt werden, müssen alle drei Jahre zum TÜV. „Meiner Meinung nach werden die Mittel in Deutschland sehr streng überprüft. Der Nachteil ist, dass es lange dauert, bis neue zugelassen sind, dabei sind die oft effektiver und weniger schädlich als ältere.“ Regelmäßig treffen sich die Landwirte der Umgebung und holen sich unabhängige Berater beispielsweise vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen.

In diesem Jahr musste Wacker bislang kaum Chemie einsetzen, die Wintergerste war sogar leicht überdurchschnittlich. „Landwirtschaft ist keine Sache von einem Jahr, das muss man über längere Zeiträume beobachten. Wie war der Winter, wie sieht es mit Niederschlag aus und noch mehr“, betont er. Beim Weizen ist oft der Pilz ein Problem. Wacker möchte Brotqualität haben, weil er dafür am meisten Geld bekommt. Reicht es qualitativ nicht, wird es Futtermittel. Sieht es auch da kritisch aus, bleibt nur die Biogasanlage. Auf dem Weizen-, dem Rüben- und dem Maisfeld hat Wacker Informationsschilder für die Bevölkerung aufgestellt, auch um zu zeigen, dass Landwirtschaft nicht selbstverständlich ist. Auf ihnen wird die Aktion mit den Schauparzellen erklärt. Beim Weizen ist übrigens die Klette ein Problem beim Dreschen. Ihre Samen sind so groß wie die Weizenkörner und werden daher nicht ausgesiebt. Das muss dann umständlich die Mühle übernehmen. Wer will schon etwas anderes als Getreide in seinem Mehl haben?

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