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Burgfestspiele: Villa Kunterbunt für die Quellenstadt

Vom Wochenende an spielt „Pippi Langstrumpf“ bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel. Und das in einer „Villa Kunterbunt“-Kulisse, die sich bis gestern für die Proben noch im Georg-Muth-Haus befand. Mit welchen Gedanken geht ein Bühnenbildner für diesen Stoff ans Werk? Wir haben Claus Stump getroffen.
Bühnenbildner Claus Stump und Pippi Langstrumpf alias Laura Bleimund fühlen sich wohl in der „Villa Kunterbunt“. Foto: Petra Ihm-Fahle Bühnenbildner Claus Stump und Pippi Langstrumpf alias Laura Bleimund fühlen sich wohl in der „Villa Kunterbunt“.
Bad Vilbel. 

„Theater für Kinder bedeutet keine andere Herangehensweise als für Erwachsene“, sagt Bühnen- und Kostümbildner Claus Stump. „Es muss nicht bunt und schrill sein, darf auch abstrakt sein – damit können Kinder gut umgehen.“ Aber in diesem Fall ist es bunt. Schon seit sechs Jahren fertigt der Künstler aus Köln die Kulisse und Ausstattung für Kinder- und Jugendtheaterstücke im Rahmen der Burgfestspiele in Bad Vilbel. Das erste war „Alice im Wunderland“.

Spezialisiert ist Stump nicht auf diese Altersgruppe, „ich mache alles, von der großen Oper bis zur kleinen Installation und Tanzproduktionen für Erwachsene“. Wie der 46-Jährige erklärt, sei „Pippi Langstrumpf“ spannend für ihn als Ausstatter, weil jeder diese Heldin von Astrid Lindgren kennt und eine Erwartung, eine Vorstellung hat. Spannend, da der Zuschauer einerseits an das Bekannte ankoppeln kann – aber die Kulisse auch ein bisschen anders aussieht, als er sich das vielleicht gedacht hat.

Akzeptanz ist Thema

„Und für mich ist spannend zu gucken: ,Was ist heute?‘ Wenn ich in der Stadt herumlaufe, mich zu fragen: ,Was könnte eine Pippi Langstrumpf sein?‘“ Denn Pippi werde von der Dorfgemeinschaft, in die sie zieht, erst einmal als „anders“ angesehen. „Das ist der spannende Punkt: Was ist Normalität, und wo wird jemand als anders wahrgenommen?“ Akzeptanz sei das Thema, denn je nachdem, in welchem Umfeld sich der Mensch bewegt, sei er anders und wolle akzeptiert werden. Und nicht Ähnliches erleben wie Pippi, die Frau Prüsselius ins Kinderheim stecken will, weil sie die Norm nicht verkörpert.

Hier gibt es Karten

„Pippi Langstrumpf“ wird bis einschließlich Samstag, 1. September in über 20 Vorstellungen aufgeführt. Am Samstag, 12. Mai (15 Uhr), ist eine öffentliche Generalprobe terminiert, am

clearing

Stump: „Darum geht es ja in dem Stück und um die Frage: ,Wie kommen wir zueinander?‘“ Diese Annäherung werde auf einer fröhlichen und spielerischen Ebene vollzogen. „Und passend dazu haben wir als Bühnenbild eine riesengroße Drehbühne in der Burg, eine Mischung aus Abenteuerspielplatz, Kirmeskarussell und Villa – Pippis Welt.“ Durch das Drehen des Bühnenbildes entwickle sich eine hohe Dynamik für verrückte Aktionen und Slapstick.

„Der Trick ist, dass das Publikum draufschaut und denkt: ,Ach, das sieht aber anders aus, als ich es mir vorgestellt habe.‘ So, dass die Kinder rausgehen und denken: ,Ich kann auch mal was anders machen‘ – und die Welt so bunter und lebendiger wird.“ Das Bühnenbild sei eine sogenannte Einheitskulisse, werde nicht umgebaut für beispielsweise den Kaffeeklatsch bei der Mutter von Thomas und Annika. Es sei alles Pippis bunte Welt, nur kleine Veränderungen würden vorgenommen. „Mit einem Steuerrad etwa wird aus dem, was vorher die Villa war, das Piratenschiff. Das ist ein spielerischer Umgang mit dem Bühnenbild und den Orten. Das passt zu Kindern.“ Denn gebe man ihnen einen Karton, eine Wolldecke und einen Besenstiel, entstehe etwas daraus.

Und auch die Kostüme sollen anregen: So hat die von Stumpf ausgestattete Pippi alias Laura Bleimund zwei unterschiedliche Schuhe an. „Ich fände es toll, wenn Kinder am nächsten Tag sagen: ,Mama ich mache das auch.‘“

Improvisierter Charakter

Wände gibt es nicht in Stumps „Villa Kunterbunt“. Im Grunde sei das Haus ein verrücktes Klettergerüst, „und es geht für mich beim Bühnenbild auch nicht nur darum, wie es aussieht, sondern wie es bespielt werden kann“. Für das Verstecken, die Verfolgungsjagden und das Sachensuchen beispielsweise. Das Holz des Gerüstes ist grün, aber auch Rohholz ist zu sehen, um einen teilweise improvisierten Charakter zu behalten. Stump begründet dies: „Wenn jemand wie Pippi Langstrumpf irgendwo wohnt, dann streicht sie mal die Treppe ein Stück in Pink – und dann hört sie auf, weil sie keine Lust mehr hat.“ Als Kind hat er Pippi Langstrumpf geliebt. „Ich finde es bis heute eine der schönsten Figuren der Kinderliteratur, weil sie anarchistisch ist, aber zugleich sehr liebevoll. Das finde ich eine tolle Kombination“, schildert er. Die Polizisten etwa bezeichne sie als lieb, lasse sich aber trotzdem nicht fangen.

Gestern wurde das Bühnenbild aus dem Georg-Muth-Haus in die Wasserburg transportiert. Nach jeder Vorstellung wird die Kulisse wieder abmontiert: „Das geht rasend schnell, immer durch das kleine Burgtor und über die kleine Brücke.“ Und dann wird sie wiederaufgebaut: Die Kulisse, die auch Stump als Kind gern als Zimmer gehabt hätte.

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