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Schlechte Beurteilungen: Vilbus-Netz: FNP-Reporterin geht Beschwerden der Reisenden auf den Grund

Unpünktlich, oft überfüllt, unfreundliche Fahrer, ruppiger Fahrstil, kaum Rücksichtnahme auf Senioren, Mütter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer: So beurteilen Nutzer des Vilbus-Netzes den Service. Reporterin Christine Fauerbach ist den Beschwerden auf den Grund gegangen – und dabei überforderten Busfahrern und genervten Fahrgästen begegnet.
Für gesunde Menschen ist es kein Problem, den Abstand zwischen Bordsteinkante und Bus zu bewältigen. Anders sieht es für Rollstuhlfahrer und Leute mit Rollator oder Kinderwagen aus. Foto: Christine Fauerbach Für gesunde Menschen ist es kein Problem, den Abstand zwischen Bordsteinkante und Bus zu bewältigen. Anders sieht es für Rollstuhlfahrer und Leute mit Rollator oder Kinderwagen aus.
Bad Vilbel. 

Olga Defache gehört zu den Fahrgästen, die den Vilbus häufig nutzen. „Ich fahre zweimal pro Woche vom Berkersheimer Weg bis zum Alten Rathaus, um zur Therapie in den Quellenhof zu kommen. Weil ich gehbehindert bin, brauche ich einen Rollator“, erzählt die 67-Jährige. Sie beklagt, dass es meistens keine Einsteighilfe gebe, die Fahrer oft zu schnell vor allem durch Kurven führen und abrupt abbremsten.

So war es laut ihrer Schilderung auch am 20. Februar dieses Jahres. Da sei eine Busfahrerin „mit einem aggressiven Fahrstil“ im Dienst gewesen. Olga Defache saß auf einem der Klappsitze, hielt sich an der Querstange fest. „Nach Verlassen der Haltestelle Niddaplatz beschleunigte die Fahrerin, bremste rund 20 Meter später abrupt ab. Ich wurde regelrecht vom Sitz und der Halterung weggerissen, bin nach vorne geflogen, konnte mich nirgends festhalten.“ Die 67-Jährige verletzte sich, hat mit der Wahrung ihrer Interessen Norbert Ott von der Massenheimer Pro Clienta Unfallhilfe beauftragt.

Wackelige Konstruktion

Um sich einen Eindruck von der Situation in den Vilbussen zu machen, verabredet er sich mit seiner Mandantin zu einer gemeinsamen Busfahrt. „Uns wurde schon häufiger von solchen Vorkommnissen berichtet. Deshalb will ich der Sache jetzt nachgehen.“

An der Haltestelle Berkersheimer Weg treffen er und sein Mitarbeiter, der BWL-Student Nils Kerfante, die Seniorin. Hinzu kommt der SPD-Stadtverordnete Klaus Arabin. Der Bus kommt um die Ecke gebogen und hält. Allerdings ist der Abstand zwischen Trottoir und Bus zu groß, um unproblematisch mit dem Rollator einsteigen zu können. Das wiederholt sich an allen Haltestellen auf der gesamten Strecke. Betroffen sind neben Senioren auf dieser Fahrt auch Mütter mit Kinderwagen.

Helga Defache beschwert sich beim Fahrer. Der steigt schimpfend aus, zieht die vorgesehene Einstiegshilfe heraus, hilft der Seniorin. Er macht seinem Ärger weiter Luft als er losfährt. Er schimpft, dass sich alle Fahrgäste immer bei den unter Zeitdruck stehenden Fahrern beschwerten. „Wir bemühen uns hilfreich zu sein, werden aber nur angemeckert.“ Zudem habe sein Chef bereits zweimal die Türen ausgewechselt, um den Fahrgästen bessere Einstiegmöglichkeiten zu bieten.

Bei der Fahrt in die Innenstadt schaukelt der Bus hin und her, vor allem in Kurven. „Das liegt an der Konstruktion der Busse“, sind sich die Fahrgäste einig. Im Bus befragt, bestätigen ein Dutzend Bürger die Aussagen von Helga Defache. Die Vilbus-Fahrer seien gestresst, meist unfreundlich, nicht serviceorientiert, schlecht geschult und überfordert.

„Drei Fahrer sprechen schlecht Deutsch, verstehen nicht, was die Fahrgäste von ihnen wollen. Will ich einen Fahrschein für den RMV lösen, werde ich auf die Automaten verwiesen“, sagt eine Vilbelerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ein anderer Fahrer telefoniere ständig über Lautsprecher, höre dadurch das Haltesignal oft nicht und fahre weiter. „Einige kennen die Rechts-vor-Links-Regelung nicht“, ergänzt ein Fahrgast. Abbremsen müssen die Fahrer meist abrupt, weil Fußgänger oder Radfahrer die Fahrbahn queren.

Video widerlegt Vorwurf

Beim Halt an der Neuen Mitte schimpft eine Frau mit dem Fahrer: „Wo bleiben Sie denn? Ich muss meine Kinder von der Schule abholen!“ Das gehe den ganzen Tag so, sagt der Fahrer. Er bemühe sich den Fahrplan einzuhalten, oft mache ihm aber der Verkehr einen Strich durch die Rechnung. „Was soll ich machen, wenn ein Müllauto oder ein Lastwagen die Straße blockiert?“, fragt er händeringend.

Wie Marc Hebbel vom Vilbus-Service-Center der Stadtwerke erklärt, werden die Busse videoüberwacht. Allerdings werden die Filme nach 72 Stunden wieder überspielt, wenn in diesem Zeitraum kein Vorfall gemeldet wird. Kürzlich habe er gemeinsam mit der Polizei ein Video aus einem Bus der Linie 64 ausgewertet: „Da zeigte sich, dass die Dame ihren Rollator nicht festgestellt hatte, mit dem Fuß an ihm herumspielte.“ Zudem sei sie während der Fahrt aufgestanden, um den Sitz zu wechseln. In diesem Moment habe der Busfahrer bremsen müssen. Der Rollator rollte durch den Bus, die Frau verletzte sich. Ihre Aussage und die ihrer drei Zeugen hätten durch das Video widerlegt werden können, sagt Hebbel.

Wie es sich jedoch im Fall von Olga Defache verhalten habe, könne er nicht sagen – er habe davon bisher keine Kenntnis gehabt. Deshalb appelliert er an alle Fahrgäste, sich bei Beschwerden unter Telefon (0 61 01) 52 84 00 zu melden. Nur so könne man den Beschwerden nachgehen und mit dem Betreiber Rücksprache halten.

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