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Betreuungskosten in Niederdorfelden: Umzug wegen Ärger über Kita-Gebühr

Von Den vollen Kindertagesstättenbetrag zahlen Selma und Sinan Bulut für ihre Kinder in Niederdorfelden. Das sind 1200 Euro. Jetzt müssen sie den Notdienst in den Sommerferien in Anspruch nehmen und sollen zusätzlich rund 450 Euro plus Essensgebühr zahlen. Die Familie überlegt nun, ob sie aus Niederdorfelden wegzieht.
Derzeit besuchen vier Kinder von Selma Bulut die Kita Lindenplatz. Wenn diese geschlossen hat, muss die Familie weitere Kosten für die Betreuung auf sich nehmen. Derzeit besuchen vier Kinder von Selma Bulut die Kita Lindenplatz. Wenn diese geschlossen hat, muss die Familie weitere Kosten für die Betreuung auf sich nehmen.
Niederdorfelden. 

Seit rund drei Jahren schließen in den Sommerferien alle drei Kindertagesstätten in Niederdorfelden. Dieses Jahr gibt es erstmalig eine Notdienstbetreuung. Der Aushang für die beschränkte Zahl an Plätzen hing vergangenen Winter in den Kitas aus. Selma Bulut trug ihre vier Kinder im Alter von eineinhalb, zwei, fünf und sechs Jahren ein. „Wir haben einen Nachweis vom Arbeitgeber vorgelegt, dass wir auf die Betreuung angewiesen sind“, erzählt die 38-Jährige. Von weiteren Gebühren sei zu diesem Zeitpunkt keine Rede gewesen.

Vor wenigen Tagen entdeckte sie den Aushang, der auf eine Satzungsänderung hinweist. Diese wurde erst in der Gemeindevertretung vom 26. April beschlossen. „Während der Schließzeiten in den Sommerferien wird eine Ferienbetreuung für Bedarfsfälle in begrenztem Umfang angeboten. Der Gemeindevorstand wird ermächtigt, Richtlinien für die Vergabe der Plätze während der Ferienbetreuung zu erlassen“, lautete bislang die Passage der Satzung zur Benutzung der gemeindeeigenen Kinderbetreuungseinrichtungen. Ergänzt wurde nun: „Für die Inanspruchnahme der Ferienbetreuung werden entsprechend Kostenbeiträge nach Maßgabe der jeweils gültigen Kostenbeitragssatzung zu dieser Satzung erhoben.“

Geld für Lebensunterhalt

Das bedeutet für die sechsköpfige Familie, dass sie für die Zeit zusätzlich einen Betrag von 450 Euro plus Essensgeld berappen soll. „Pro Kind zahlen wir 70 Euro Essensgeld im Monat“, sagt Bulut, die beim Bodenpersonal am Flughafen arbeitet. Ihr Mann arbeitet in einer Hofheimer Praxis als niedergelassener Internist.

Sie und ihr Mann liegen bei den Kindergartengebühren in der Spitzenverdienerklasse. „Wir haben keine Großeltern oder ähnliches in unmittelbarer Umgebung, die auf unsere Kinder aufpassen könnten“, sagt Bulut. Zwar seien sie in der Gruppe der Spitzenverdiener, doch das Geld fließt in erster Linie für die vier Kinder, Lebenshaltung, Haus und weitere Kosten weg.

Die Familie versteht nicht, warum sie für die Notdienstgruppe noch einmal extra bezahlen soll. „Ich gehe quasi arbeiten, um die Betreuung zu bezahlen und meine Rente zu sichern“, sagt sie. 1200 Euro sei bei vier Kindern viel, zumal die Familie nicht wie in anderen Kommunen Boni bekomme.

Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) und die Kämmerin Ute Klingelhöfer verweisen darauf, dass die Notdienstgruppe ein Entgegenkommen der Gemeinde Niederdorfelden sei. „Dafür werden die drei Kitas geöffnet, Personal vorgehalten und die Verwaltung organisiert“, betont Büttner. Das sei nicht über die Kita-Gebühr abgegolten, in der die zwei Wochen Schließzeit herausgerechnet sei.

Die Schließzeit sei unter anderem auf Wunsch des Personals eingeführt worden. „Das ist abgestimmt auf die Hortbetreuung“, stellt der Rathauschef klar. Er sagt, dass die Notbetreuung eine zusätzliche Leistung der Gemeinde darstellt. Büttner verweist darauf, dass die Kita-Gebühr in Niederdorfelden im Vergleich zum Umland günstig sei. In der Kommune Schöneck gebe es zum Beispiel drei Wochen Schließzeit.

Der Vergleich hinkt, denn die Kommune Schöneck erhebt eine einheitliche Gebühr, die sich nicht nach dem Einkommen staffelt. „Einkommensschwache Familien haben die Möglichkeit auf eine Ermäßigung“, erklärt Rainer Volz, Fachbereichsleiter Familie und Kultur in Schöneck. Dort gibt es zwar die Schließzeit von drei Wochen, indes auch Notdienstgruppen, die „noch nicht von den Eltern extra bezahlt werden müssen“. Die Gemeinde überlegt jedoch, die Zeit von drei auf zwei Wochen zu reduzieren.

Familienfeindlich

In Niederdorfelden müssen Eltern bei den über Dreijährigen das erste Kind voll zahlen, das zweite kostet noch 75 Prozent der Gebühren. Mit den zwei unter dreijährigen Kindern bekommt die Familie keinen Bonus. In Schöneck ist das anders: „Das erste Kind zahlt voll, das zweite zahlt 60 und das dritte etwa 20 Prozent. Weitere Kinder wären frei“, berichtet Britta Farr, die sich in Schöneck um Kindertagesstätten und Kindertagespflege kümmert.

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Kommentar Klare Gebührenstruktur notwendig

Wer blickt da noch durch? Jede Kommune hat ihre eigenen Beiträge für die Kindergartengebühr. Die eine staffelt sie nach Einkommen, die anderen gewähren Geschwisterbonus, die dritten haben einen hohen Beitrag, aber keine Zusatzkosten.

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„Niederdorfelden zeigt sich familienfeindlich“, findet Bulut. Es sei auch schwierig gewesen, die Kinder in einer Einrichtung unterzukriegen, was in der Nachbarkommune Karben selbstverständlich sei. Allein wegen der Gebühren und des Ärgers überlegt die Familie, ob sie aus Niederdorfelden wegzieht. In einen Ort, der Großfamilien mehr unterstützt.

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